2012

"Es ist antisemitisch, darauf zu bestehen, dass Israel in Deutschland nicht kritisiert werden darf."
Uri AvneryInterview vom 9.4.2012.

06.04.2012

Günter Grass und die Wahrheit des Christentums

Ein Blick auf die Verlogenheit unserer Kultur und das Geheimnis des Christentums.


Inhalt
Einleitung
Das Gedicht
Israel und Iran
Stärke oder Schwäche – oder was ist die wahre Stärke?
Was sind die Folgen des Holocaust?

Einleitung

Die Welt, die Menschheit, befindet sich wirklich in einer furchtbaren Passionszeit. Nur ist für diese Passionszeit nichts so ungewiss wie irgendeine Auferstehung des menschlichen Geistes. Die äußeren Ereignisse deuten immer wieder nur auf einen weiteren Abstieg – auf ein immer weiter fortschreitendes Hineinpressen von Geist und Seele in die Machtsphäre jener Kräfte, die den Geist nicht zur Auferstehung kommen lassen wollen.

Nirgendwo kommt der Mensch heute überhaupt zur Ruhe. Die politischen und auch die unpolitischen Nachrichten jagen einander – und man kann sich bis ins Gefühl hinein immer mehr inmitten der Frage erleben: Zu welch einem Tollhaus ist die Welt geworden? Welche Dummheit beherrscht die Politiker, die Medien? Welche Verlogenheit, welche Kurzsicht, welche Arroganz, welcher Wahn, welche Idiotie, welche Verrücktheit, welche Weltfremdheit, das heißt Fremdheit gegenüber dem wirklich Menschlichen?

Nur ein einziges von unzähligen aktuellen Symptomen ist das Folgende:

Der berühmte deutsche Schriftsteller Günter Grass äußert sich in einem Gedicht zur „Politik“ Israels gegenüber dem Iran, und schon wird er in und von den Medien buchstäblich „zerfetzt“.

Allein schon diese Reaktion zeigt, dass Vernunft, Besonnenheit und Ausgewogenheit in unserer Realität wirklich bis auf die letzten Reste verschwinden. Gerade diese Qualitäten jedoch wären es, die die menschliche Seele heilen und den heilenden Geist erwachen und wachsen lassen könnten. Sie, diese Qualitäten, würden den Menschen, in das wirklich christliche Element hineinführen können. Sie könnten in die Sphäre jenes realen Wesens hineinführen, vor dem die Menschheit in all ihrem Handeln Hals über Kopf zu fliehen scheint. Denn obwohl heute verschiedene Redner noch immer von einer „christlichen Kultur“ sprechen, ist dies doch seit langem nur noch eine Worthülse, die unsere real unchristliche Kultur nur noch immer verlogener werden lässt.

Das Gedicht

Lesen wir zunächst Günter Grass’ Gedicht:

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.

Israel und Iran

Sofort erhoben sich unzählige Kommentare, die sich in „politisch korrekter“ Weise „distanzierten“, sich „irritiert zeigten“ und anderes mehr – bis hin zur offenen Gleichsetzung von Günter Grass mit schlimmsten Antisemiten [Josef Joffe, ZEIT online, 4.4.2012 o].

Nur ganz wenige kommentieren so besonnen wie Thomas Nehls vom ARD-Hauptstadtstudio [o]:

Empörend, ja beängstigend ist nicht der Vorstoß von Günter Grass, sondern das Bündel der meisten Berliner Reaktionen. [...] Die meisten Grass-Widersacher formulieren mit Schaum vorm Mund, und sie zeigen sich so, wie es der Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, gerade umgekehrt Günter Grass nachsagt, nämlich unwissend über die politischen Verhältnisse im Nahen Osten. Für den hatte die internationale Gemeinschaft in den frühen 90er-Jahren eine nuklearwaffenfreie Zone gefordert. Schon damals war es dazu zu spät, denn die nukleare Bewaffnung Israels, das bis heute dem Nichtweiterverbreitungsvertrag für Atomwaffen fernsteht, war längst im Gang.


Tatsache ist, dass auch der Iran nun ein Atomprogramm hat, von dem unklar ist, ob es künftig auch zu militärischen Zwecken genutzt werden soll – und dass Israel mit immer schärferen Worten auf einen militärischen Schlag gegen Iran zusteuert. Mit anderen Worten: Tausende Tote werden in Kauf genommen, nur um ein vielleicht existierendes Atomwaffenprogramm um vielleicht ein oder zwei Jahre [o] zurückzuwerfen?

Auf Wikipedia kann man lesen [o]:

Ende Januar sagte James R. Clapper, Direktor aller 16 US-amerikanischen Geheimdienste vor dem US-Senat, dass es keine handfesten Beweise gebe, dass der Iran eine Atomwaffe baue und dass aktuelle Berichte mit denen aus dem Jahr 2007 übereinstimmen würden, dass der Iran sein Atomwaffenprogramm bereits mehrere Jahre zuvor aufgegeben habe.


Ein Schlüssel zu der aggressiven „Verteidigungspolitik“ Israels sind die Worte von Premierminister Netanjahu. Er bezeichnete es als seine „höchste Verantwortung“, sicherzustellen, dass „Israel Herr seines Schicksals bleibt.“ [DIE ZEIT, 8.3.2012 o]. Das heißt: Nie wieder „Appeasement“. „Herr seines Schicksals“ bleibt man in dieser Welt nur, wenn man mit der größten Macht allen Möglichkeiten zuvorkommt; wenn man der Stärkste ist; wenn man auf Verdacht angreift. Israel ist bisher die einzige Atommacht im Nahen Osten, und das soll und muss auch so bleiben. Es gibt kein Vertrauen, es gibt nur Feindschaft, ein Gleichgewicht des Schreckens, in dem Israel immer stärker sein muss – nur so bleibt es „Herr seines Schicksals“.

Die Illusion besteht darin, dass dieses „Schicksal“ den bestmöglichen Frieden bedeutet. Es bedeutet allenfalls Abwesenheit von Krieg – aber nicht einmal das, denn nun will Israel ja gerade Krieg führen, um „Herr seines Schicksals“ zu bleiben! Krieg, Abschreckung, die Politik der Stärke – wir wissen, dass dies nicht funktioniert – selbst dann nicht, wenn es funktioniert. Krieg, Hass, Macht, Drohungen, Gewalt – sie alle nähren die Gegenkraft, die wiederum all dies hervorbringt und immer weiter verstärkt.

Stärke oder Schwäche – oder was ist die wahre Stärke?

Es gibt nur eine wirkliche Lösung, aber das intellektuelle Kopfdenken ist nicht in der Lage, diese Lösung zu denken. Denn es ist eine Lösung der Schwäche, die das mögliche Scheitern mit-denken kann. Gewalt und Macht bringen Krieg und Hass hervor. Schwäche und der Versuch der Begegnung können langsam etwas vollkommen anderes wachsen lassen – können, das heißt: vielleicht auch nicht. Das Wachsen von Vertrauen braucht Zeit, und es braucht Opfer. Man muss auf seine Stärke verzichten. Dieser Verzicht kann vom Anderen missbraucht werden – aus Misstrauen und weil auch bei ihm die mögliche Umkehr Zeit braucht, nicht erwartet, sondern nur erhofft werden kann.

Glaube, Liebe, Hoffnung – das sind die „schwachen“ zentralen Tugenden des Christentums! Es sind seine wahren Stärken, denn ohne diese verliert das Leben jeden Sinn. Um sie aber verwirklichen zu können, muss man wirklich vollkommen umkehren. Die Umkehr ist die zentrale christliche Bewegung.

Und so schreibt der israelische Schriftsteller David Grossmann [FAZ, 13.3.2012 o]:

Wird Israel, um eine mögliche Katastrophe in der Zukunft zu verhindern, eine gewiss eintretende Katastrophe in Gang setzen? [...] Es muss sehr schwer sein für einen israelischen Regierungschef, eine nüchterne Entscheidung zu treffen in einer Situation, die mit dem Trauma der Vergangenheit und dem Gedanken an ein mögliches Trauma in der Zukunft belastet ist. Kann Netanjahu, inmitten dieses Drucks, den er selbst schafft und anheizt, überhaupt zu einer nüchternen und realistischen Entscheidung finden? Zu einer Realität, die nicht Teil eines tragischen, apokalyptischen Mythos ist, der sich in jeder jüdischen Generation immer wieder aufs Neue erfüllen muss? [...]
Selbst wenn die Infrastruktur des iranischen Nuklearprojekts zerstört würde – es bliebe das Know-how der Iraner. Diejenigen, die darüber verfügen, würden sich aus dem Staub erheben und eine neue Infrastruktur bauen, diesmal befeuert von der demütigenden Kränkung, vom Hass und Rachedurst des ganzen Volkes. [...]
Ich denke daran, dass in einer Situation voller Zweifel und Ungewissheit das einzig Gewisse die Angst ist. Für uns Israelis ist es verführerisch, uns an solche Ängste zu klammern, ihnen zu folgen, ihre vertraute Sprache zu hören. Die Befürworter würden einen Militärschlag gegen Iran bestimmt damit rechtfertigen, dass ein potentieller Albtraum verhindert werden soll. Aber hat irgendein Mensch das Recht, so viele Menschen zum Tod zu verurteilen, nur weil er Angst vor einer Situation hat, die vielleicht nie eintreten wird?


In diesen letzten Sätzen liegt wiederum ein Schlüssel: Das einzig Gewisse ist die Angst. Der Intellekt klammert sich an das Gewisse – und hat dann nur die Angst. Er findet dann auch nur zu der (für ihn) einzigen Lösung: Macht und Stärke, um die Angst zu minimieren; Vernichtung dessen, was die Angst verursacht. Ein lineares Denken, das immer wieder nur in den Teufelskreislauf hineinführt. Und obwohl man dies weiß, tut man es, weil man hofft, in diesem Teufels-Wettlauf der Schnellere zu sein. Man hat keine andere Lösung.

Es könnte noch eine andere Gewissheit geben. Das eigene Handeln könnte von Vertrauen geprägt sein – Vertrauen selbst da, wo zunächst nicht vertraut werden kann. Die Gewissheit läge dann zunächst nicht im Außen, sondern im Inneren: Ich will vertrauen, ich werde vertrauen, nichts kann mich davon abhalten.

Der ganze Nahostkonflikt ist wie auch alle anderen Phänomene unserer von Macht und Sicherheit besessenen Welt ein klares Symptom der völligen Ohnmacht des menschlichen Inneren – der Seele und des Geistes des Menschen. Statt mit starker Seele und starkem Geist eine „heilige Schwäche“ zu offenbaren und an den Anderen zu glauben, den Anderen zu lieben, auf den Anderen zu hoffen, setzt man auf das rein Physisch-Materielle: auf Waffen, auf Geheimdienste, auf finanziellen Druck...

Dort, wo es um Druck, Macht und Erniedrigung oder Vernichtung des Gegners geht, steht man vor dem Gegenteil alles Religiösen. Egal, ob wir von „Christentum“, „Judentum“ oder „Islam“ sprechen: Wer den anderen Menschen nicht liebt und ihm nicht vertraut, ihm nicht hilft, ihn nicht als Bruder betrachten kann, der ist kein religiöser Mensch und kann kein wahrhafter Diener und kein wirkliches Kind Gottes sein.

Was sind die Folgen des Holocaust?

Es kann nicht um das rein physische Überleben gehen, denn dieses allein hätte keinen Wert. Es geht um die moralische Substanz, die man in sich zu bilden vermag. Dem intellektuellen und dem davon geprägten politischen Denken jedoch kann es immer nur um das Physisch-Materielle gehen – und das bedeutet: Überleben um jeden Preis. Und das bedeutet: Macht, Gewalt, Abschreckung, Unterdrückung ... es ist diesen Gedanken kein Ende gesetzt, und gerade darin liegt auch das Drama und Schicksal etwa der Palästinenser. Denn weil Israel „Herr seines Schicksals“ bleiben will, sind gerade die Palästinenser ja seit langem nicht mehr Herr ihres Schicksals, sondern Opfer – ist der palästinensische Alltag geprägt von Armut, Schikane und Unterdrückung. Ist das die Konsequenz des Holocaust?

Wer war denn der wirkliche, der moralische Sieger der Nazi-Schreckensherrschaft? Waren nicht Hitler und all seine Gehilfen nicht nur physisch, sondern auch moralisch vollkommen Besiegte? Und war nicht jedes einzelne Opfer dieser Schreckensherrschaft gerade durch das unschuldige Leid ein ... ja was? Man kann hier überhaupt nur konkret und real denken, wenn man auch das Übersinnliche ins Auge zu fassen vermag. Wenn mit dem Tod alles zu Ende ist, dann ist jedes Opfer sinnlos. Aber dann existieren wir in einer sinnlosen Welt, denn das Opfer ist gerade das Wesen der Liebe. Wäre der Tod sinnlos, so wäre auch die Liebe selbst sinnlos.

Die Sphäre der Sinnlosigkeit existiert aber nur für den, der noch nicht tiefer blicken kann. Geschehnisse mögen furchtbar sein – sinnlos sind sie nie, selbst wenn ihr wahrer Sinn und ihre eigentliche Substanz erst in der Zukunft aufblühen mag. Man muss nur einmal das Zeugnis der Jüdin Etty Hillesum [o] in sich aufnehmen, die inmitten eines schweren Schicksalsweges zu einem immer leuchtenderen Gottesvertrauen fand, und man wird ein tiefes Erleben der moralischen und religiösen Sphäre bekommen, um die es wesentlich immer geht, wenn es überhaupt um den Menschen geht.

Und damit zeigt sich: Das Drama des Nahost-Konfliktes liegt gerade darin, dass das „Trauma des Holocaust“ ein Trauma ist. So unendlich der Schrecken dieses Holocaust ist, so sehr müsste darin auch ein Sieg des menschlichen Geistes über den unmenschlichen Ungeist gesehen werden. Jedes einzelne Opfer des Holocaust hat zugleich einen Sieg errungen, denn jedes Leben, das hier physisch ausgelöscht wurde, war ein Opfer, und jedes Opfer ist real und niemals sinnlos, ohne Sinn, ohne Folge. Es entsteht dadurch etwas, was moralische Substanz hat und ist – und nur eine geistlose Weltanschauung könnte dies je leugnen, weil sie es nicht wahrnehmen kann und leider auch nicht zu denken und nicht zu erleben vermag.

Sinnlos wird das Opfer nur dadurch, dass der moralische Keim, der aus dem Opfer erwächst, nicht zum Leben kommen, nicht wirklich erblühen kann. Sinnlos wird das Opfer nur dadurch, wenn es nicht zu einer ungeheuren Vertiefung der Moral, sondern gerade zu einem Erstarken der Unmoral führt.

Darin und in nichts anderem läge und liegt der bleibende und späte Sieg des Nazi-Terrors – wenn die karmischen und in Freiheit gewählten Folgen des „Traumas“ dazu führen würden, dass nun die ehemaligen Opfer bzw. ihre Nachkommen traumatisch handeln. „Nie wieder Holocaust“ – das kann bedeuten: Lasst uns die Menschlichkeit so sehr vertiefen, dass das Unmenschliche sich nie wieder ereignen kann. Oder es kann bedeuten: Lasst uns jede künftige Bedrohung mit der größtmöglichen physischen Macht verhindern und ihr wenn nötig durch eigene Gewalt zuvorkommen. Das ist dann der wahre Sieg des Nazi-Terrors, denn es setzt dieselbe Art zu denken fort.

Unsere ganze Welt ist Schauplatz des Kampfes zwischen dem Intellekt und seinem linearen, egoistischen Denken – und einer ganz anderen Art zu denken, die erst wirklich das wahrhaft Menschliche in sich aufnehmen könnte; in der der menschliche Geist sich erst wirklich entfalten und aufblühen könnte; und in der die schönsten Früchte dieses Geistes gerade aus jener moralischen Substanz bestehen, die das wahrhaft Christliche bedeutet. Diese Früchte heißen: Glaube, Liebe, Hoffnung. „Die Liebe aber ist die Größte unter ihnen.“

Solange die alte Art zu denken die Oberhand behält und immer mehr zur Alleinherrschaft kommt, befindet sich die Welt auf ihrem Kreuzesweg, in ihrer Passionszeit. Der Geist des Menschen ist an das Kreuz geschlagen. Welten- und Menschheits-Ostern kann erst werden, wenn die christliche Art zu denken wirklich in das Menschen-Ich einziehen kann. Dann erlebt der wahre Mensch seine Auferstehung, denn er kommt zum ersten Mal zum Leben – und findet Christus.