20.01.2023

Die offen diskriminierende Gesellschaft

Das wahre Gesicht des 21. Jahrhunderts.


Inhalt
AGBs und Hexenverfolgung
Kunstfreiheit und Auslöschung


AGBs und Hexenverfolgung

Es wird immer gesagt, jede Diskriminierung sei heute verboten. Das ist eine Lüge. Liebesverhältnisse zwischen einem Mädchen und einem Mann werden heute ganz offen diskriminiert.

Mädchen dürfen vor dem Gesetz zwar frei entscheiden, mit wem sie eine innige Beziehung eingehen – aber auch nur vor dem Gesetz! In der Wirklichkeit sehen wir eine Armada der ,öffentlichen Meinung’, die die Autonomie des Mädchens brutal hinterfragt. Sie braucht auf der anderen Seite nur eines zu tun – den Mann als eine Art moralisches ,Monster’ hinzustellen. Und schon schnappen die Gedankenschubladen zu, der gewünschte Erfolg ist da – die Beziehung zwischen Mann und Mädchen ist stigmatisiert.

Und die ,offene’ Gesellschaft des 21. Jahrhunderts liebt das Stigma. Es ist nicht anders als zu Zeiten der Hexenverfolgung – nur, dass heute Männer die Hexen sind. Sobald sie sich von einem Mädchen berührt fühlen. Und das Mädchen ist reziprok das naive ,Dummchen’, das seine Entscheidungen und Empfindungen noch nicht wirklich überschauen kann. Wie einfach! Man muss nicht einmal merken, wie perfide man Mädchen damit herabwürdigt und infantilisiert. Man schwingt sich zu ihren ,Beschützern’ auf, ohne sich darum zu kümmern, ob das Mädchen diesen heuchlerischen Schutz überhaupt will! Von dieser Frage handelt unter anderem mein Roman ,Sex Offender’ – einer jener zwanzig Romane, die jetzt nicht mehr erhältlich sind, weil sie von der Autorenplattform (!) epubli ,depubliziert’ worden sind, wie der elegante, perfide Begriff dann heißt. Gesperrt und gelöscht.

Nicht nur das Mädchen also wird bevormundet, sondern die ganze Gesellschaft. Niemand darf sich ein eigenes Bild von meinen Romanen machen. Ich habe angeblich gegen die AGBs (Allgemeinen Geschäftsbedingungen) verstoßen – und schon kann man zwanzig Romane auf einmal löschen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf: dass ein Mann und ein Mädchen einander lieben könnten!

Was besagen solche AGBs dann regelmäßig? Sie enthalten Selbstverständlichkeiten wie das Verbot rassistischer, diffamierender, pornografischer etc. Inhalte – wobei das letztere bereits schon nicht mehr ganz selbstverständlich ist, war doch schon vor einem halben Jahrhundert die Rechtssprechung selbst in Amerika so weit gewesen, dass sogar pornografischer Inhalt Kunst sein könnte und die Kunst hier höheren Stellenwert hat als irgendwelche Auffassungen von ,Sittlichkeit und Moral’. Und selbst der berüchtigte Roman ,Josefine Mutzenbacher’, den 1979 der Rowohlt-Verlag publizieren wollte und der damals noch von der ,Bundesprüfstelle’ als ,schwer jugendgefährdend’ bezeichnet wurde und so vor das Bundesverfassungsgericht kam, später dann alternativ als ,besonders gefährliche Kinderpornografie’ bezeichnet wurde, wurde 2017 von der Liste ,jugendgefährdender Medien’ gestrichen.

Aber um Kinderpornografie geht es gar nicht! Nicht einmal um den schillernden Begriff des ,Obszönen’, der in den AGBs ebenfalls auftaucht, obwohl er von der Rechtssprechung bereits seit langen Zeiten als moralisierender Unbegriff gekippt ist und sich hier überhaupt nicht mehr findet. Nein – es reicht die Formulierung ,oder in sonstiger Weise abzulehnen’. Was also ,in sonstiger Weise abzulehnen’ ist, kann jederzeit in selbstherrlicher Willkür gelöscht werden. Denn hat man nicht die öffentliche Meinung auf seiner Seite? Das ist die Frage. Wenn ja, ist es dieselbe ,öffentliche Meinung’, die einen in katholischen Dörfern einst fast zum Paria gemacht hat, weil man seinen Bürgersteig nicht ordentlich fegte – und die noch früher ein Mädchen als Hexe verbrannt hat, weil die Kuh des Nachbars plötzlich keine Milch mehr gab.

Kunstfreiheit und Auslöschung

Heute bedeutet ,in sonstiger Weise abzulehnen’ also die bloße Existenz einer sich entwickelnden Liebesbeziehung zwischen einem Mädchen und einem Mann. Und zwar auch rein fiktiv! Denn wo kämen wir dann hin?! Kunstfreiheit? Die Würde eines Romans als in sich geschlossenes Werk? Papperlapapp! Entscheidend ist, was drinsteht – und so ein Schmarr’n wie Mann und Mädchen ... aber ganz schnell auf den Scheiterhaufen damit! Nur, dass man es heute eleganter löst. Ein Knopfdruck – und weg ist die Sache. Schnell noch auf die AGBs verwiesen und erledigt.

Das bedeutet: In anderen Romanen kann Blut und anderes in Strömen fließen, kann der Horror sich in die Köpfe der Leser meißeln, können schlimmste Verbrechen begangen werden, können sich sämtliche Hässlichkeiten der menschlichen Seele Luft machen ... aber da, wo es zu zarten Begegnungen zwischen Mann und Mädchen kommt, vorsichtigen Annäherungen, seelentiefen Wundern gegenseitigen Verstehens ... da ist die Grenze erreicht! Weg damit. Hier kann die ,offene’ Gesellschaft ihre Diskriminierungslust buchstäblich ganz offen ausleben. Es ist vielleicht die letzte Bastion dieser perfiden Seelenregung. Im Windschatten des Missbrauchsdiskurses auch all jene Beziehungen zwischen Mann und Mädchen offen zu diskriminieren, die niemandem etwas getan haben, im Gegenteil.

Und hiermit berühren wir einen besonders dunklen Punkt. Könnte es sein, dass die ganzen Unterdrücker und Stigmatisierer hier einer ungeheuren Projektion unterliegen? Dass sie nämlich ihr eigenes Gewissen unterdrücken – weil sie unbewusst sehr wohl spüren, dass die zarte Begegnung zwischen Mann und Mädchen eine Art heiliges Urbild dessen ist, was Begegnung in jedem Einzelfall eigentlich sein sollte? So, wie es auch die Inquisitoren waren, die voller Hass und Missgunst dem Nachbar selbst die Kuh geneidet haben, während das unschuldige Mädchen, das sie auf den Scheiterhaufen brachten, so frei von Neid war wie niemand sonst...?

Wir sehen also eine Vernichtung der Kunstfreiheit und eine neue ,Mittelalterisierung’ – man kann auch sagen Amerikanisierung, denn in Amerika gilt man ohnehin erst mit siebzehn oder achtzehn als sexuell mündig, bis dahin ist der eigene Körper noch der Staatsmacht unterworfen. Zarte Autonomie des Mädchens? Existiert nicht! Auf diese Weise wird sogar der Begriff des Mädchens selbst abgeschafft. Es ist entweder ,Kind’ oder ,junge Frau’ – was dazwischen liegt, dieses ungeheure Wunder ... wird ausgelöscht. Es ist derselbe Impuls, der überhaupt alles zarter Seelische auslöschen will. Wir stehen mittendrin in einer Entwicklung, deren Ziel es ist, das Menschliche immer abstrakter zu machen, zu bloßen Verwaltungsvorgängen. Die ,Depublizierung’ von zwanzig Romanen, in denen es um die zarte Beziehung zwischen Mann und Mädchen ging, passt unmittelbar dazu. Es sind Störfaktoren. Sie haben von etwas anderem gesprochen. Von Behutsamkeit. Von Wärme. Von Nähe. Von Zärtlichkeit im allerweitesten Sinne. Von etwas, was unsere heutige Welt so sehr verdrängt wie nichts anderes. Fiktive Literatur! Aber schon das ist zuviel...

Mann und Mädchen haben nicht das Recht, einander zu begegnen – nicht einmal in einem Roman. Das ist die offene Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Sie ist offen diskriminierend.

Nachtrag


Die Hintergründe dieser Haltung liegen in Dogmen, Fehlinformationen und schlimmsten Vorurteilen – von einer ekelhaften, regelrecht dämonischen ,Political Correctness’ ganz abgesehen.

Für Ersteres muss man nur ein wenig im Internet suchen. Auf dem Portal ,www.gutefrage.net’ findet sich zum Beispiel ein Beitrag von 2011 mit dem Titel ,ich bin 14 und liebe einen 30 jährigen – warum regt sich meine mum da so auf?’ Und der weitere Text des Mädchens lautet: ,ich meine, da ist doch nix schlimmes bei... man kann ja auch nix dafür, wo die liebe hinfällt. ist es wirklich so schlimm?’ Und jetzt lasse man sich die folgenden Kommentare und Rat-Schläge wirklich einmal auf der Zunge zergehen:

• „Weil du eben erst 14 bist und der Mann 16 Jahre älter als du, Schatz. :) Und mit 14 steckst du noch tief in der Pubertät und deine Hormone spielen ziemlich verrückt, so dass du auch mal auf dumme Gedanken kommen könntest. Und deine Mutter kennt vielleicht diesen Mann nicht oder sie kennt ihn eben schon und macht sich eben deswegen solche Sorgen.“

Vorurteile über Vorurteile – und ernst genommen wird das Mädchen in keinem Moment.

• „Naja, in deinem Alter spielen die Hormone auch manchmal verrückt und ich würde nicht jedes "verknallt sein" als Liebe bezeichnen. Schlimmer finde ich es, wenn ein erwachsener Mann auf eine 14-jährige steht.“

Dasselbe noch einmal: dem Mädchen werden bloße Hormone und Verrücktheiten unterstellt, dem Mann auf andere Weise jegliche Liebe abgesprochen.

• „Weil so eine Beziehung verboten ist und es eig, nix bringt diesen Typen zu lieben.“

Völlige Unwahrheit! Nichts daran ist verboten. Aber erneut ein gehässiges, selbstgefälliges Urteil über die Liebe des Mädchens und die Liebe des Mannes!

• „Weil es Illegal ist!!! Du bist Unter 16, er weit drüber.“

Absoluter Schwachsinn. Hergeholte Zahlen, die nichts mit dem Gesetz zu tun haben – nur da, wo eine ,mangelnde Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung’ ausgenutzt wird. Dies gar nicht zu erwähnen oder diese dem Mädchen zu unterstellen, ist so perfide wie nur irgendetwas. Wohltuend dagegen folgender Beitrag:

• „Natürlich kann man mit 14 Jahren schon lieben! 14 klingt für euch wie ein kleines Kind, aber es gibt viele 14jährige, die reifer sind und natürlich lieben können. Eine Freundin von mir hat ihren jetzigen Mann mit 12 kennengelernt und war bis sie 16 war mit ihm zusammen, natürlich hat sie ihn dann mit 14 geliebt, schließlich waren sie da schon zwei Jahre zusammen (zwischendurch gab es dann doch noch ein paar Probleme, aber jetzt haben sie sich ja wiedergefunden).“

Aber: Wenn solche Masse frei flottierender pauschaler Vorurteile, die von einer tiefen Antipathie gegenüber dem Mann und einer ungeheuren Herablassung gegenüber dem Mädchen geprägt sind, größere Teile unserer Gesellschaft prägen, muss man sich über gar nichts mehr wundern. Dann kann eine Beziehung zwischen einem Mann und einem Mädchen noch so zärtlich sein – über sie wird mit dem gleichen Schmutz hinweggewalzt. Das Mädchen interessiert überhaupt nicht – es ist nur Objekt zum Exerzieren der eigenen Meinung, in der man sich selbst bespiegeln kann.

Dennoch: Es ist offene Diskriminierung. Vor diesem Hintergrund wird es kaum ein Mädchen wagen, eine Beziehung mit einem Mann anzuknüpfen und aufrechtzuerhalten. Und Romane, die solche Beziehungen und ihre Tiefe erlebbar machen, werden unterdrückt und zensiert. So einfach ist das heute. Ekelhafte ,Political Correctness’, die so tut, als hätte sie die Gesellschaft vor Schaden bewahrt, wenn sie Romane über Liebesbeziehungen zwischen Mann und Mädchen unterdrückt. Das erinnert nur an eines: George Orwell. Macht, Kontrolle, Diskriminierung. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Nachtrag II


Das Ganze wird noch ungeheuerlicher, wenn man das aktuelle Gutachten des Juristen Christoph Möller nach dem Skandal um die documenta zur Kenntnis nimmt. Sogar antisemitische und rassistische Werke und Äußerungen sind von der Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt. Die Grenze verläuft da, wo die Rechte anderer verletzt werden, also bei Beleidigung, Volksverhetzung und Aufrufen zu Gewalt [o]. Aber eine ausgesprochene Autorenplattform wehrt sich schon gegen Romane über zarte Beziehungen zwischen einem Mädchen und einem Mann, die beide glücklich machen...! Die Welt ist wirklich pervers geworden.

Man begreift nicht mehr, dass von dem Mädchen die Heilung ausgeht. Das Zärtlichste überhaupt zensiert und unterdrückt man...