Der Weg des Mädchens

Holger Niederhausen: Der Weg des Mädchens. Einweihungsweg in die Unschuld. Books on Demand, 2017. Paperback, 260 Seiten, 12,90 Euro. ISBN 978-3-7460-3648-9.


Erschienen am 1. Dezember 2017.              > Bestellen: BoD | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen < [noch keine]

Inhalt


Das Mädchen ist eine heilige Gestalt. Es kann ein Begehren wecken und es kann die Seele läutern – und vielleicht ist jedes Begehren nach dem Mädchen schon der Beginn der Läuterung. In diesem Buch wird das Wesen des Mädchens immer tiefer und reiner gefunden, und es selbst führt die Seele dann seinen Weg der Läuterung – den heiligen Weg des Mädchens. Es ist ein Weg der Auferstehung aus dem tiefen Fall der Erdenmenschheit.

Über dieses Buch


In diesem Buch wird die Seele Schritt für Schritt immer tiefer in das Mysterium des Wesens des Mädchens hineingeführt – so weit, bis dieses Wesen nicht nur wirklich gefunden wird, sondern dieses selbst beginnen kann, die Seele weiter zu führen, auf seinem Weg...

Die Zeit ist vorbei, in der die menschliche Seele sich ohne eigenes Zutun entwickelte – bis zur Höhe desjenigen Bewusstseins, das die Menschheit heute hat. Sie wurde geführt von der Empfindung über den Verstand bis tief in den Intellekt hinein. Dieser ermöglicht das klare Bewusstsein, aber in ihm erstirbt die Seele – und tut dies heute immer mehr. Der Intellekt ist das breite Einfallstor der Gegenmächte – und sie nutzen es mit voller Wucht. Ich habe die unglaubliche Tragik, die der menschlichen Seele noch bevorsteht, in meinem Roman „Engel-Mädchen“ erlebbar zu machen versucht – wie auch den rettenden Ausweg.

In diesem Buch nun ist der Weg des Mädchens so unmittelbar und so weitgehend wie möglich als solcher beschrieben. Die Seele darf nicht glauben, diesen Weg ohne Vorbereitung auch nur beginnen zu können. Deswegen besteht der erste Teil des Buches darin, das Mädchen überhaupt erst einmal zu finden. Dann aber wird das Buch ganz und gar das, was das Mädchen der menschlichen Seele schenken kann: ein Einweihungsweg in die Unschuld...

Leseprobe 1


Es ist deutlich, dass wir hier fortwährend von einem Idealbild sprechen. Aber man wird auch kaum erwarten, dass einen die Begegnung mit irgendeinem beliebigen Mädchen der heutigen Zeit auf der Straße zu irgendeinem Mysterium oder irgendeiner Einweihung führen kann.

Wenn man sich auf den sehr platten und oberflächlichen Standpunkt stellt, zu sagen: ,So sind Mädchen aber nicht, hör doch endlich auf, herumzuidealisieren!’, dann kann man zugleich auch alle Dichter und Romantiker auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Dann aber wird auch die Welt überhaupt zu einem großen Müllhaufen seelischer Rohheit werden.

Das zunehmende Selbstbewusstsein der Menschen, das immer früher mit einem Ich-Einschlag (und verschiedenen solchen Einschlägen) in die Seele einhergeht, ist das Eine – eine sicherlich notwendige Entwicklung. Das Andere aber ist, dass die Seele immer ärmer und immer härter wird – auch die Seele der Mädchen. Diese Entwicklung ist keineswegs notwendig, sondern zutiefst tragisch. Es ließe sich vorstellen – und es ist auch notwendig, dies wirklich vorstellen zu lernen –, dass die Ich-Entwicklung ganz mit einer tiefen Beseeltheit, einer fortwährenden Vertiefung der Seele einherginge. Auch hier war Novalis ein Zukunftsprophet einer solchen tiefen Harmonie zwischen Leib, Seele und Ich.

Stattdessen haben wir durch die real-historische ,Emanzipation’ eine Welt bekommen, in der die weibliche Seite der Menschheit um die Gleichberechtigung kämpft, dabei aber ihr eigentliches Wesen viel zu sehr aufgibt und schon aufgegeben hat, weil es nicht gelungen ist, die Welt selbst weiblicher zu machen. Die Herrschaft des (ebenso zu sehr verhärteten) Männlichen wurde nicht gebrochen. Die Frauen haben nur die Gleichberechtigung erkämpft – in einer nach wie vor männlichen Welt.

Es ist so weit gekommen, dass die Mädchen überhaupt nicht mehr Mädchen sein wollen – in dem Sinne, in dem ihr Wesen in diesem Buch beschrieben wird. Und natürlich haben sie damit auch Recht, insofern sie viel zu lange auf eine scheinbar selbe ,Rolle’ reduziert wurden, von außen, während aber die männliche Welt sich ihnen keineswegs bewundernd oder verehrend zugewandt hat, sondern zumeist eben nur lüstern, gierig und unterwerfend...

Das ist die Tragik. Die Emanzipation hat die Mädchen und Frauen befreit, sie können jetzt sein, ,wer sie wollen’ – und den Übergriffen der männlichen Welt ist ein (oft noch immer nur kleiner) Riegel vorgeschoben worden. Aber das Weibliche seinem Ur-Wesen nach geht verloren, immer mehr... Dieses aber wäre das Einzige, was das bereits verlorene Männliche noch retten könnte. Davon handelt dieses Buch...

Die Vertiefung in das Wesen des Mädchens bedeutet keinerlei Anspruch an irgendein Mädchen, so zu sein. Es ist ein Einweihungsweg.

Vielleicht ist es dann ein Einweihungsweg vor allem für die männliche Seele – wenn die weibliche Seele es nicht ertragen kann, sich so sehr vor ein Ideal gestellt zu fühlen. Für die männliche Seele aber ist dies einfach ein Ideal, das sie tief, tief verborgen in sich trägt. Dieses Buch will nichts anderes, als versuchen, dieses Ideal so rein und auch so deutlich wie möglich heraufzuholen, damit das Herz es empfinden und in aller Tiefe lieben lernen kann...

Was die Seele innig liebt, das verwandelt sie. Wenn aber die Seele ein Mädchen liebt, das ihr wie ein Engel erscheint...

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Leseprobe 2


Es ist, wie wenn das Herz, wie wenn die Seele des Mädchens in diesem zärtlichen Staunen gleichsam so sanft wird wie nie zuvor... War es vorher schon gegenüber allem ein Wunder, so wird es jetzt, im Erstaunen, ein wirkliches Wunder. Wie kann sich eine Zartheit, die bereits alles übertrifft, was man auf Erden kennt, nochmals steigern?

Mit unendlicher Zartheit schaut das Mädchen auf jede Einzelheit dieses kleinen Vogels. Es ist, als ob ihr Blick ihn streicheln würde, aber sie schaut wirklich nur – und doch müsste der Vogel sich gleichsam gestreichelt fühlen, wenn er spürte, wie innig zart das Mädchen ihn anschaut, seine Federn, sein Köpfchen, seine Brust, wie er sich festhält... Die Verwunderung eines Mädchens ist selbst ein Wunder...

Und dann fragt sich ihr Herz – ja, auch dies ist ihr Herz, nicht ihr Kopf – schließlich auch, woher dieses Vögelchen kommt. Es kommt doch gewiss nicht aus den Wäldern der Heimat. Sie hat es ja noch nie gesehen? Aber woher dann... Wo mag seine Heimat sein? Wohin fliegt es... Es sind keine Fragen für den Kopf. Auch dies ist reines Mitfühlen, reine Teilnahme, Liebe und noch immer ... Verwunderung.

Jede Regung der Seele hat bei dem Mädchen dieses Zarte. Deswegen sind seine seelischen Gesten auch so berührend. Das Grobe berührt nicht – es verletzt höchstens. Das Zarte berührt, weil es so sanft ist. Die Seele spürt diese unglaubliche Sanftheit und lässt sich berühren ... selbst heilig verwundert und längst schon berührt.

Die Verwunderung, das zarte Staunen, das sofort in neue Hingabe übergeht ... man könnte es mit dem Staunen und der Hingabe der Kinder vergleichen, und doch ist es ganz anders. Die Tiefe der Hingabe ist vergleichbar, aber die Farbe ihrer Unschuld ist anders...

Wenn ein kleines Kind eine Geschichte hört, dann ist seine Hingabe vollkommen. Es taucht ein in die Geschichte, diese nimmt es mit in ihr Reich. Wer einmal kleine Kinder wahrhaft zuhören gesehen hat, weiß, was gemeint ist. Die Geschichte zieht sie in Bann. Sie sind wie gefesselt, gefangen genommen. All diese Worte drücken aus, wie ihre ganze, tiefe Aufmerksamkeit ,absorbiert’ wird. Ihre Hingabe ist – vollkommen. Sie schlafen gleichsam in die Geschichte hinein. Für die übrige Welt schlafen sie ein – und leben ganz in der Geschichte.

Man könnte meinen, der Mädchenseele ginge es mit dem Vogel genauso ... doch so ist es nicht. Auch seine Hingabe ist tief und heilig, aber sie ist durchdrungen von Liebe, von bewusst-unbewusstem eigenem Hinströmenlassen der Seele zu dem Vogel. Das Mädchen ist ja viel wacher als ein Kind – auch wenn seine Unschuld ebenso vollkommen ist. Das Mädchen gibt sich gleichsam aus eigenem Willen hin. Und die Hingabe der Verwunderung ist nicht ein Naturereignis, sie ist gewollt – vielleicht nicht bewusst, aber von seinem Herzen. Das Mädchen muss nicht ,beschließen’, sich hinzugeben. Und trotzdem wird es von dem Vogel nicht ,gefangengenommen’. Sein Herz wendet sich dem Vogel zu. In all seiner Sanftheit ist es etwas ganz Eigenes.

Träumend ist die Mädchenseele vielleicht – und doch viel lebendiger und aktiver als die unsrige, die bei dem Vogel tot bleibt. Keine träumende Zuneigung und Hingabe, sondern ... nichts. Die Mädchenseele fühlt immer etwas – und sie tut es, weil sein Herz es so will. Es wird nicht von außen erregt – es strömt von innen allem zu...

Zarte Hingabe gegenüber den Dingen der Welt, den Eindrücken seiner Sinne. Es ist, als ob das Mädchen die Dinge gleichsam mit seinen Sinnen sanft streichelt – als ob es mit dieser Sanftheit in den Sinnen lebt. Nicht nur reagiert es auf die Sinneseindrücke sanft, nein, seine Seele lebt sanft in den Sinnen – und geht mit ihnen hinaus zu den Dingen. Nur wir bleiben plump in unserem Leib und warten, bis die Dinge durch die Sinne zu uns kommen. Das Mädchen aber ist mit den Dingen längst verbunden – bevor wir sie überhaupt entdecken... Darum sieht es alles, bemerkt so unendlich viel. Es ist bei den Dingen... Hingabe bis in die Sinne hinein.

Wo das Wesen der Seele sanft ist, da wird jede ihrer Regungen sanft. Dadurch kennt die Seele des Mädchens Regungen, die wir überhaupt nicht mehr kennen. Dazu gehört eben die so zarte Regung der Verwunderung. Wir müssen empfinden lernen, was das ist: zarte Verwunderung...

Wir können uns nur über das Wesen des Mädchens verwundern – und nur bei ihm wird unsere Seele zart... Seine Seele aber ist gegenüber allem zart, und alles kann zart seine Verwunderung erwecken.

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