Eigene Bücher

Copyright-Hinweise zum Bild hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur Maja

Holger Niederhausen: Nur Maja. Roman. Niederhausen Verlag, 2020. Paperback, 448 Seiten, 16,90 Euro. ISBN 978-3-7531-0408-9.


Erschienen am 29. September 2020.              > Bestellen: epubli | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen < [noch keine]

Inhalt


Ein Mann, Kassierer in einem Supermarkt, verliebt sich unsterblich in ein Mädchen, die vierzehnjährige Maja. Was geschieht nun? Und wer darf darüber urteilen? Doch nur das Mädchen selbst... Dieser Roman konfrontiert radikal mit den Vorurteilen unserer Gesellschaft – und entlarvt diese als das, was sie oft genug sind: hässliche Illusionen, aus Angst und Lieblosigkeit geboren. Und er offenbart tief berührend die Realität heilender, ja rettender Schicksalsbegegnungen, die Realität einer Liebe ... zwischen Mann und Mädchen.

Über dieses Buch


Dieser Roman handelt von der Parthenophilie – der Liebe zu jungen Mädchen oder zu einem ganz bestimmten jungen Mädchen. Nicht zu verwechseln mit der Pädophilie, geht es um die Liebe zu einem geschlechtsreifen jungen Mädchen, das zugleich damit auch eine ganz andere Seelentiefe hat als ein Kind. Ein Mädchen ist kein Kind mehr – und auch noch keine Frau. Für den Mann aber, der das Mädchen liebt, ist es mehr als beides, denn es ist Mädchen.

Dieser Roman macht offenbar, was Mädchenliebe ist, Parthenophilie. Er macht ihr Mysterium erlebbar – und es ist das Mysterium des Mädchens selbst.

Die Liebe zu einem Mädchen ist in unserer Gesellschaft ein Tabu. Dieses Tabu mag Gründe haben, die leicht erkennbar sind, aber indem es eine Tyrannei entwickelt, wird das Tabu zugleich selbst zum Unrecht, weil es Schicksalsbegegnungen unterminiert und verurteilt, die vom Leben selbst gewollt werden. Dieser Roman macht ernst mit übersinnlichen Aspekten, die unsere Kultur völlig verleugnet. Sie offenbart damit ihre eigene Lebensfeindlichkeit, die auf Angst beruht. ,Nur Maja’ öffnet die Augen für etwas Größeres – für das geheimnisvolle Reich der Liebe, der Schicksalsführung, überhaupt des höheren Wesens des Menschen, das über das gewöhnlich Sichtbare hinausgeht.

Eindrücklich zeigt dieses Buch, dass die schnellen Ankläger, die, die immer schon ihr Urteil haben, nicht selten die eigentlichen Täter sind. Blinde, die nach Schemata leben und auch alle anderen Menschen in ein Schema pressen wollen. Blinde, die nicht merken, was sie ihren eigenen Kindern antun. Blinde, die der blinden, angstgetriebenen Logik unserer Gesellschaft folgen. Der hier vorliegende Roman offenbart die morschen Pfeiler unserer Gedankengebäude. Und er ist eine zärtliche Einführung in ein ganz anderes Leben – eines, das die Augen öffnet. Eines, das wieder in Berührung kommt mit sich selbst. Eines, das sich wieder öffnen lernt für ... das Wunder.

Leseprobe 1


Mich hat das selbst sehr verwirrt. Denn ich dachte bisher, ich bin ein ,normaler Mensch’. Ich habe eine Frau gehabt, mit der ich inzwischen allerdings in Scheidung lebe, und ich habe eine Tochter, die inzwischen ein Jahr älter als das Mädchen an meiner Kasse ist und die bei ihrer Mutter lebt. Wir haben uns nicht um das Sorgerecht gestritten, ich habe mir einfach eine andere Wohnung gesucht, und so war es das Einfachste. Meine Tochter hat sowieso ihr eigenes Leben und nicht mehr viel Elternbindung, also ist alles in Ordnung. Wir verstehen uns gut, aber viele Kontakte gibt es nicht mehr, denn sie strebt in die Welt, und das ist auch genau das Richtige. Ich erwarte nicht, dass sich Töchter in dem Alter noch für ihre Eltern interessieren.

Umso mehr verwirrte mich, dass ich mich für das Pferdeschwanz-Mädchen an meiner Kasse interessierte – und zwar seit ich sie zum ersten Mal gesehen hatte.

Es war durchaus so, dass ich auch früher schon Mädchen hinterhergeblickt habe – welcher Mann tut das nicht, wenn er darf? Aber meistens waren sie dann fünfzehn, sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Es ist ja sehr deutlich, welche Atmosphäre so junge Mädchen umspielt und welcher Zauber von ihnen ausgeht. Dennoch war das für mich eigentlich immer so wie der Zauber der Narzissen im Frühling – leuchtendes Gold, das die Wiederkehr des Lebens verkündet, eine neue Auferstehung...

Bei ihr war das anders. Erstens ist sie viel jünger – und zweitens ist sie ein ganz bestimmtes Mädchen. Natürlich bin ich auch zu anderen Mädchen freundlich – aber sie zögen doch mehr vorbei, berührten einen mit ihrem Zauber für einen Moment und schwebten wieder weiter und man ließe sie... Mit ihr ist es anders. Ihr plötzliches Auftreten und ihre Existenz gruben sich sanft in meine Seele ein wie ein Maulwurfshügel, der über Nacht plötzlich da ist. Er ist einfach da.

Und wenn man ihn einebnet, ist er am nächsten Morgen woanders da. So war es auch mit ihr. Obwohl ich mich von Anfang an über ihre Existenz freute, dachte ich nichts weiter dabei, gestaltete meine Freizeit wie immer und ging am nächsten Tag wie immer zur Arbeit. Doch nach einigen Malen des Wiedersehens – wenigen Malen – war mir klar, dass sie sich in meine Seele eingrub und festsetzte. Dass ich mich unweigerlich und unrettbar für sie interessierte. Dass ich mich auf sie freute. Dass ich mir wünschte, sie würde heute wiederkommen. Dass mein Herz hüpfte, wenn ich sie kommen sah...

Und während ich zu ihr freundlich war und sah, dass sie sich freute und dass sie begann, meine Kasse zu wählen, weil wir begannen, uns zu kennen, lief in mir selbst noch ein zweiter Prozess ab – während der Arbeit, obwohl ich mich dort schlicht konzentrieren musste, und vor allem nach der Arbeit, also in meinem übrigen Leben.

Und dieser Prozess bestand in der geschilderten Verwirrung. Denn ich musste erkennen, dass ich kein normaler Mensch war, oder konkreter: jedenfalls nicht mehr war. Denn welcher normale Mensch verliebt sich in ein Mädchen, das seine Tochter sein könnte? Ich war nicht mal sicher, ob ich mich verliebt hatte – aber etwas anderes konnte es eigentlich kaum sein.

Ich analysierte mich. Es war eigentlich ein Crashkurs in Sachen ,Anomalität’. Zugute kam mir dabei, dass ich schon immer viel nachgedacht habe, viel gelesen, mir viele Gedanken gemacht. Meist betraf das die Welt und das, was in der Welt geschah, auch geschichtlich geschehen war und so weiter. Jetzt betraf es auf einmal mich selbst.

Ich analysierte mich also, und die erste Frage war: Wie – begehrst du dieses Mädchen etwa? Und die ehrliche Antwort musste natürlich sein: Ja, das tue ich. Aber die entscheidende Frage war: Begehrst du sie nur – so wie zu allen Zeiten gewisse Männer junge Mädchen begehrt haben, um sie zu entjungfern und dann Jagd auf das nächste zu machen? Und die offensichtliche Antwort war: Nein, das tue ich nicht. Das Erste, als sie mir begegnete, war, dass ich mich freute, sie zu sehen – und das ist nach wie vor so. Ich freue mich, dass sie existiert. Ich liebe ihre ganze Existenz. Ich begehre sie nicht nur, ich liebe ihr Sein. Und das ist viel umfassender und absolut aufrichtig. Und ich frage mich: Ist nicht jede Liebe zwischen einem männlichen und weiblichen Wesen zumindest am Anfang auch ein unglaubliches Begehren – gerade weil man sich liebt? Und vielleicht liebt man sich am Anfang auch, weil man sich begehrt. Und dann ist Begehren überhaupt nichts Schlechtes, weil es die Liebe vermittelt. Weil es sie ins Leben ruft. Weil dadurch Liebe entsteht.

So ist es jedenfalls auch bei ihr. Bei ihr ist von Anfang an Liebe entstanden. Sie war einfach da. Wie wohl zugleich das Begehren auch – was sich aber keineswegs in den Vordergrund drängte. Ich will damit sagen: Ich bin kein Unmensch, sondern ich liebe ein Mädchen. Wer dies als Sünde empfindet und selbst ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein...

Meine nächste Frage galt der Verlogenheit. Warum war es eigentlich so schlimm, ein Mädchen zu lieben? Natürlich – es wurden jede Menge Mädchen missbraucht. Aber das war dann ja wohl keine Liebe. Missbrauch war also schlimm – darüber waren sich ja wohl alle einig –, aber Liebe?

...

Leseprobe 2


Ich konnte diesen Anblick schweigender Tränen noch weniger ertragen als ihr herzzerreißendes Schluchzen.

Eine unsägliche Macht zwang mich, dieses arme, einsame Mädchen in den Arm zu nehmen – ich konnte sie nicht einmal fragen. Ich nahm sie einfach in den Arm...
Und nun endlich, schluchzte sie erneut hell und heillos auf, geborgen in der absoluten Verlassenheit, umschlossen nur von zwei Armen und sonst nichts...

Und auch mir tropften heiße Tränen rückhaltlos aus den Augen, tropften auf ihr Haar, unaufhaltsam – wie sehr fühlte ich mit ihr, wie sehr, wie unendlich...!

Sie hatte sich schließlich in meinen Schoß gelegt – ganz am Ende, als sie auch mit ihren Kräften am Ende war. Man denkt in der tiefsten Verzweiflung, man sei am Ende – aber erst irgendwann, viel später, ist man wirklich am Ende. So sehr, dass man nur noch liegen kann – und dann legt man sich hin, wie um zu sterben. In Wirklichkeit ist es eine Rückkehr. Eine langsame Rückkehr ins Leben. Die Erde ist der Tod, und die Erde birgt das Leben, sie holt einen wieder zurück, gleichsam erbarmungslos und doch in tiefer Geborgenheit. Und welch ein Segen, wenn die Geborgenheit sogar ein menschlicher Schoß war, eine Hand, die einem zärtlich, unendlich zärtlich durch das Haar fuhr, wie wenn sie sagen wollte: Wenn keiner mehr da ist für dich, keiner mehr – dann ist doch einer noch da. Spürst du es...

Ich hörte ihren leisen Atem. Ihren ruhigen, süßen, jungen Mädchenatem. Ruhig ging er nun – und doch trug das Herz, dem er die Luft zutrug, eine so große Last, so viel Leid. Wie war es möglich, dass Mädchenunschuld noch das größte Leid auf sich nehmen konnte, in einer unsagbaren, nicht mehr erklärbaren Hingabe – um es in einen so ruhigen, scheinbar ruhigen, herzzerreißend unschuldigen Atem zu verwandeln! Dieser Atem, den ich jetzt hörte, er war so unschuldig wie Christus am Kreuz. Aber dass er der Atem eines Mädchens war, brach einem das Herz – oder heilte es, und das war die nicht begreifliche andere Seite des Mysteriums. Dieser Mädchenatem, dieser unendlich geprüfte, zerschlagene, gebrochene und doch wie ein Grashalm niemals zu brechende, unschuldige Mädchenatem ... war wie das Leben selbst. Mir war es, als begriffe ich in diesem einen Moment der Ewigkeit Ostern... In diesem ewigen Moment, als ich Majas Haar streichelte und sie einfach nur ruhig atmete – am Boden zerstört und doch heil, unendlich unschuldig und unendlich heil wie am ersten Tag, unzerstörbar wie ein Diamant, nein, ein Regenbogen...

                                                                                                                            *

Als sie schließlich gegangen war, wurde mir klar, dass der Diamant erst entsteht, wenn größter Druck wirkt. Und die Perle erst entsteht, wenn eine Verletzung da ist, das Geheimnis der Perle ist die Verletzung, ist der Schmerz und ist die Heilung mit dem Geheimnis des Größeren... Und der Regenbogen – war er nicht Zeichen des neuen Bundes? War er nicht Zeichen des unüberwindbaren Vertrauens...?

Woher kamen all diese Symbole, Zeichen, Gleichnisse? Und wieso kamen sie mir alle bei Maja in den Sinn? Warum wohl – für mich war Maja im Grunde das Zeichen schlechthin. Ein Zeichen dafür, dass Gott die Welt noch nicht verlassen hatte. Wenn so ein Engel sichtbar auf Erden wandelte, dann war noch alles möglich. Dann konnte die Schönheit, die sie hatte, auch noch in anderen Herzen wohnen – Wohnung nehmen. Vor allem konnte man dann immer wieder neu begreifen, worauf es eigentlich ankam. Maja machte es einem letztlich völlig offensichtlich... Aber galt nicht schon immer, dass das ,Wer Ohren hat, der höre’, auf taube Ohren stieß – und das auch die Augen blind waren? Es ist aber immer das Herz, das blind ist...

Ich hätte für Maja alles getan. Alles, worum sie gebeten hätte. Ich hätte nicht überlegen müssen, weil mein Herz in einem Moment gewusst hätte, dass es nichts Falsches ist – dass sie um nichts Falsches und Überflüssiges bitten würde. Doch der Verstand, der das Vertrauen nicht kennt, der immer misstraut, würde mein Herz sofort verdächtigen, zu alledem nur bereit zu sein, weil es Maja liebte – nein, mehr noch: weil es ihre Gegenliebe erringen wollte. Tut nicht der Liebende alles ... nur deshalb?

Ach – armseliger Verstand! Wie bist du zu bemitleiden! Du weißt es nicht besser. ,...denn sie wissen nicht, was sie tun.’ Und: ,Auch du, Brutus?’ Also auch der Verstand fällt dem Herzen in den Rücken – und ermordet es, indem er ihm falsche, nicht ganz lautere Motive unterstellt. Aber wie könnte der Verstand je anders – ist er doch nicht Herz und kann also ... nicht lieben! Was er dem Herzen unterstellt, tut er selber: nicht wahrhaft lieben. Die Selbstliebe, die er unterstellt, fände er bei sich selbst, wenn er sich anschauen könnte. Du bist es, Verstand, der sich selbst liebt. Das Herz versteht es sehr wohl, ohne Gegenleistung zu lieben...

...