2025
Die Lüge vom ,Autoren-Verlag’ – Books on Demand unterwirft sich US-Zensur
Selbst unschuldigste Liebe wird zensiert und gekündigt...
Inhalt
Emotionslose Gewalt überall
Das Beispiel der Bundespressekonferenz
Ein Buch wird ,gelöscht’
Die Unterwerfung unter US-Zensur
Diskriminierung als tägliche Realität
Emotionslose Gewalt überall
Wir leben in einer Zeit, die geprägt ist von tiefster struktureller Gewalt.
Man kann noch so sehr auf dem Standpunkt stehen, dass wir in einem ,freien Land’ leben würden. Aber die grundlegende Freiheit kommt sehr schnell an grundlegende Grenzen, wo gewisse Auffassungen, Darstellungen, Meinungen und sogar Tatsachen nicht erwünscht sind.
Dann schlägt eine subtile Gewalt zu, die so groß ist, wie sie nur je in Form eines sozialen Druckes in einem erzkatholischen Dorf gewesen war.
Man könnte auch von der stillen, kalten Inquisition sprechen, die sich aller un-genehmen Standpunkte auf emotionsloseste Weise entledigt – sie schlicht mundtot macht.
Das Beispiel der Bundespressekonferenz
Ein Beispiel ist die Bundespressekonferenz. Wenn dort nicht genehme Journalisten nicht genehme Fragen stellen, werden sie mit nichtssagenden Antworten kalt abserviert. Die Wahrhaftigkeit bleibt hier jedes Mal auf der Strecke – sie ist ,keinen Cent wert’.
Am 7. Oktober 2023 töteten Kämpfer der Hamas über 1.200 Israelis und verschleppten mehr als 200 Geiseln.
In ihrem darauffolgenden Krieg gegen den Gaza-Streifen und das Westjordanland tötete die israelische Armee über 55.000 Menschen, über 130.000 weitere Menschen wurden schwerverletzt. Fast die Hälfte der getöteten Menschen waren Kinder... [1] Die völlige Vertreibung aller Palästinenser droht.
Auf der Bundespressekonferenz war jedoch stets nur die Rede von einem ,Recht auf Selbstverteidigung’ Israels. Und in ,Gesprächen’ werde darauf hingewirkt, dass Israel das humanitäre Völkerrecht einhalte. Man sehe die Entwicklungen dieses Krieges ,mit Sorge’ – aber das ist auch alles. Wohlfeile, billige Worte, die sich selbst reinwaschen wollen.
Als der Internationale Strafgerichtshof schon im November 2024 einen Haftbefehl gegen Netanjahu wegen seiner Verantwortung für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aussprach, herrschte kurz Aufregung – man werde sich ,selbstverständlich’ an internationales Recht halten und ,genau prüfen’, was dies nun an möglichen Konsequenzen bedeute. Und danach hat man das Problem einfach ,ausgesessen’. Kalte Unwahrhaftigkeit...
Selbst als der neue Bundeskanzler Merz Ende Mai endlich wörtlich aussprach, dass Israel das humanitäre Völkerrecht verletzt (,dann muss auch der Bundeskanzler dazu etwas sagen und das tue ich auch’), befleißigten sich die Sprecher der Regierung und des Auswärtigen Amtes nichtssagender Floskeln, glatter als Seife – oder als die Fliesen in einem Schlachthaus [2].
Es ist schlicht egal. In Wirklichkeit regiert die Kälte. Die Angst. Nur nicht an etwas rühren. Israel als die ,einzige Demokratie im Nahen Osten’. Israel als der ,Verbündete’ des Westen. Egal, wie nationalistisch, wie radikal-religiös, wie rassistisch die innere Politik dieses Staates inzwischen immer mehr ist.
Und der einzelne Mensch gilt auch dem Westen nichts. Es geht nicht um den Menschen. Es geht nicht um das gute Leben. Während die Brücken verrotten, die Kita-Plätze fehlen, und die alte Frau im Krankenhaus, das längst in privater Hand ist und Rendite abwerfen soll, im Minutentakt abgefertigt wird (sofern nicht gerade ein lukrativer Gelenkersatz zu planen ist), sollen die Rüstungsausgaben der NATO künftig sogar verdoppelt und verdreifacht werden!
Der Mensch interessiert nicht. Und der Einzelne schon gar nicht. Und das Palästinenser-Mädchen und seine zehntausend Schwestern, alle tot, interessieren sowieso nicht...
Ein Buch wird ,gelöscht’
Am vorgestrigen Dienstag, unmittelbar nach Pfingsten (ursprünglich einmal das Fest des Geistes und der Geschwisterlichkeit aller Menschen!) kündigte Books on Demand mit einem Dreizeiler mein soeben erst erschienenes Buch ,Sophia und die Wiedergeburt’ – zusammen mit dem vor gut fünf Monaten erschienenen Buch ,Schüchternes Leuchten’.
Der Inhalt verstoße angeblich gegen die Veröffentlichungsrichtlinien. Ein Link informiert dann darüber, dass inhaltliche Vorgaben auch ,der Buchhandel’ setze. Zur Überprüfung würden Online-Shops automatisierte Prozesse nutzen, die bei festgestellten Verstößen zur Sperrung eines Titels führen können. Um dies zu vermeiden würden sich die Inhaltsrichtlinien von BoD ,aus Vorgaben der Vertriebsplattformen sowie eigenen Kriterien’ zusammensetzen. Inhalte, die BoD verbietet, ,umfassen unter anderem’:
• Inhalte, die gegen das Urheber-, Persönlichkeits- oder Markenrecht verstoßen
• Extremistische politische Inhalte, die im Widerspruch zu Grundgesetz und Demokratie stehen
• Diskriminierende Inhalte, die Gruppen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung oder Religion herabwürdigen
• Gewaltverherrlichende Inhalte und die Reproduktion rassistischer Sprache (N-Wort, Z-Wort...)
• Explizite pornografische Inhalte sowie sexuelle Handlungen mit minderjährigen Protagonisten unter 18
Mein Roman ,Schüchternes Leuchten’ berührt keinen dieser Punkte auch nur ansatzweise. In ihm liebt ein schüchterner 23-jähriger junger Mann, Christian, ein elfjähriges Mädchen, Tara, die von ihren Eltern völlig vernachlässigt wird und noch nicht einmal richtig lesen kann. In einer wunderbar zarten, innigen Beziehung bringt er ihr nicht nur langsam das Lesen bei, sondern tut auch sonst alles, damit sie ein bisschen selbstständiger und freier werden kann.
Als ich bei BoD nachfragte, was der Grund der Kündigung sei, erhielt ich folgende E-Mail:
Moin Herr Niederhausen,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
In Ihrer Anfrage bitten Sie um die Nennung konkreter Gründe für die Ablehnung eines Titels durch BoD. Diesen Wunsch nach einer transparenten Entscheidung können wir grundsätzlich nachvollziehen aber nicht nachkommen.
Unsere Kriterien und weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Webseite von bod.de unter www.bod.de im Bereich „Hilfe“ unter den Stichworten „Inhalte Veröffentlichung“ oder direkt unter dem Link: Lehnt BoD Inhalte zur Veröffentlichung ab?
Zusätzlich zu beachten ist, dass Kataloganbieter und Online-Shops automatisierte Prozesse nutzen, die über die Aufnahme von Titeln entscheiden. Die inhaltlichen Kriterien für die Prüfung ändern sich ständig, insbesondere bei internationalen Unternehmen mit Sitz in den USA. Auch wir erhalten hier nur das Ergebnis der Prüfung.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr BoD Kundenservice Team
Die Kälte beginnt schon bei der Anrede und dem Abschluss. Als wenn es um eine Lappalie ginge, wird man salopp norddeutsch ,begrüßt’ (,Moin...’) – und am Ende wird für das ,Verständnis’ gedankt. So funktioniert Abfertigung!
Gründe werden dann kategorisch nicht genannt. Auch dies ist einfach nur Macht. Der Einzelne zählt nicht – und hat auch keine Gründe ,verdient’, er bekommt sie einfach nicht genannt.
Die Unterwerfung unter US-Zensur
Obwohl ich gerade auf die Veröffentlichungsrichtlinien Bezug genommen hatte, wurde ein weiteres Mal darauf verwiesen – nun auch darauf, dass sich die Kriterien für die ,Prüfung’, also darüber, ob ein Buch überhaupt erscheinen darf oder nicht, ,ständig ändern’ würden, insbesondere bei US-Unternehmen. Und dann wird zugegeben, dass man sich diesem Diktat und dieser Zensur schlicht unterwirft – aber man versteckt sich dahinter: ,Auch wir erhalten hier nur das Ergebnis...’.
Ich fragte daraufhin nochmals nach den konkreten Gründen und, sofern die Kündigung nicht durch die BoD-eigenen Kriterien begründet sei, ob ,Sie als Verlag nicht autonom genug sind, ein Buch auch außerhalb anderer Anbieter selbst zu listen und für den deutschen Buchmarkt verfügbar zu halten, der ja ein Recht auf Listung hat. Es kann doch nicht sein, dass ein US-Unternehmen darüber entscheidet, was Sie veröffentlichen dürfen und was nicht. Kann ich den Titel denn ohne internationalen Vertrieb veröffentlichen?’ Daraufhin wurde mir die Nennung von Gründen mit den gleichen Worten erneut verweigert, und es hieß in schludrigem Deutsch:
Eine Meldung an nur ausgewählten Buchhandlungen / Händler ist nicht möglich. US Unternehmen bedienen sich auch dem deutschen Buchmarkt, somit würde ein Verzicht auf den internationalen Vertrieb nicht an der Ablehnung ändern.
Ich antwortete:
Sehr geehrtes BoD Team,
es kann doch aber nicht sein, dass US-Unternehmen Einfluss darauf nehmen können, was auf dem deutschen Buchmarkt erscheint und was ein ganz unabhängiger Verlag veröffentlicht? Auch andere Verlage sind hierin doch völlig frei und müssen sich von US-Unternehmen nicht diktieren lassen, welche Auswahl und Vielfalt der deutsche Büchermarkt bietet.
Warum beugen Sie sich einer solchen Bevormundung, die einer extremen Zensur fiktiver Literatur gleichkommt?
Mit freundlichen Grüßen
Holger Niederhausen
Darauf kam bis heute keine Antwort.
Diskriminierung als tägliche Realität
Die Tatsache ist also: Selbst ,Books on Demand’ ist kein Autorenverlag. Zwar kann hier jeder Bücher veröffentlichen lassen – aber nur, wenn sie sich gewissen unsichtbaren Kriterien unterwerfen. Kriterien, die nie öffentlich genannt werden. Und die letztendlich von Unternehmen stammen, die ihren Sitz in den USA haben. Amazon?
Der deutsche Buchmarkt, die Frage, was überhaupt als Buch erscheinen darf, wird also von wenigen Menschen entschieden, die irgendwelche ungenannten US-Unternehmen, ,Online-Shops’ leiten. Diese dürfen entscheiden, was überhaupt irgendwo erscheinen darf!
Und die scheue Liebe eines 23-jährigen Christian zu einer noch scheueren elfjährigen Tara gehört eben nicht dazu...
Das muss man sich einmal vorstellen!
Mit einem Dreizeiler kann eine ganze (fiktive) Existenz ausgelöscht werden. Als ob es sie nie gegeben hätte. Weil es sie nicht geben darf.
Und somit realisiert und reproduziert BoD genau das, was es in Büchern verbietet – nämlich Diskriminierung und Herabwürdigung allein aufgrund der sexuellen Orientierung. Christian liebt Tara wirklich. Sie liebt aber auch ihn.
Aber diese zarte, scheue Liebe, in der es zu keinerlei sexuellen Handlungen kommt, wird diskriminiert – und durch einen kündigenden Dreizeiler nicht nur herabgewürdigt, sondern schlicht geschlachtet.
Der Roman ,Schüchternes Leuchten’ ist eines der vielen unschuldigen Opfer eines kalten Schlachthauses, das sich um seine eigenen Handlungen nicht schert, denn die Fliesen sind ja wenig später wieder schön weiß. ,Wir danken für Ihr Verständnis.’
Quellen
[1] Gaza: 20.000 Kinder werden vermisst. Man vermutet sie unter Trümmern oder in Massengräbern. Freitag.de, 6.2.2025.
[2] Auswärtiges Amt sieht noch immer keine Verletzung des Völkerrechts durch Israel in Gaza. Nachdenkseiten.de, 10.6.2025.
Nachtrag 19.06.2025
Am 19. Juni erhielt ich von Books on Demand dann folgende nichtssagende, aalglatte Antwort:
Sehr geehrter Herr Niederhausen,
wir verstehen Ihr Missfallen und danken Ihnen für Ihre Rückmeldung.
Bei Ihrem Manuskript bleiben wir bei unserer Entscheidung, dieses Werk nicht zu veröffentlichen.
Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr BoD Team