10.05.2026

Die Zensur bei ,Print on Demand’ geht weiter – auch bei Tredition

Über die Terrorherrschaft von Angst und Anpassung. 


Inhalt
Die nächste Zensur (s. a. hier)
Der Vernichtungsfeldzug gegen die Unschuld
Die Diktatur der Angst
Die Verachtung des Mädchens
Das ausgerottete Ideal


Die nächste Zensur

Am 8. Mai erhielt ich von Tredition ohne Vorankündigung und natürlich auch ohne weitere Erläuterung folgende E-Mail:

Hallo Holger, 
wir müssen dich heute über die Kündigung deiner sämtlichen Nutzungsverträge sowie aller mit dir bestehenden Projektverträge informieren. 
Mit Ablauf der Kündigungsfrist werden wir den Vertrieb sämtlicher Titel beenden und die zugehörigen Projekte aus unserer Plattform entfernen. 
Bitte beachte: Eine erneute Registrierung oder Nutzung von tredition unter anderem Namen, anderer E-Mail-Adresse oder über andere Konten ist nach dieser Kündigung nicht zulässig.
Diese Entscheidung basiert darauf, dass die Inhalte deiner Veröffentlichungen nicht mit den inhaltlichen und unternehmerischen Grundsätzen von tredition vereinbar sind.
Wir bitten um Verständnis für unsere Entscheidung.
Viele Grüße
xxx

Mit grandioser Freundlichkeit und natürlich per ,Du’ wird hier darüber informiert, dass auch bei Print on Demand keinerlei Meinungsfreiheit oder Freiheit in der Literatur oder Kunstfreiheit existiert. Das Versprechen der ,Print on Demand’-Verlage oder Plattformen ist reine Makulatur. 

Nicht nur in den Medien ist inzwischen die Meinungsfreiheit auf engste Korridore beschränkt, wenn man nicht der sozialen Stigmatisierung anheimfallen will – selbst bei ,Print on Demand’ darf man nur veröffentlichen, was harmlos ist und sich wie auch immer ins System einpasst und diesem anpasst. 

Die Individualität und ihre Intuitionen, ihre Beweggründe – all dies wird mit Füßen getreten. Der Lack, den man dann draufstreicht, ist freundlichst. Persönlich per Du wird man informiert, dass man gekündigt ist... Freundlich wird man gebeten, zu beachten, dass eine erneute Nutzung nicht zulässig ist – und Verständnis für ,unsere Entscheidung’ zu haben. 

Früher hätte man die angeschuldigten Frauen gebeten, doch Verständnis dafür zu haben, dass man entschieden habe, dass sie ,Hexen’ seien und der Scheiterhaufen bereitstehe...

Ich schrieb an Tredition:

Hallo xxx,
ich bin wirklich entsetzt. Mit welchen Grundsätzen von tredition sind meine Veröffentlichungen nicht vereinbar? Ich bitte hier wirklich um konkrete Hinweise, denn die plötzliche Kündigung sämtlicher Titel ist ein ungeheuer weitreichender Schritt – der ja letztlich nicht nur mich als Autor, sondern auch sämtliche potenzielle Leser*innen maximal bevormundet, ganz abgesehen davon, dass es sich auch grundsätzlich um einen extremen Eingriff in die Freiheit von Literatur und Kunst handelt, womit sich tredition mit den Grundsätzen von Zensur und Kontrolle gemein macht. 
Was also ist es, was mit den Grundsätzen von tredition nicht vereinbar wäre? 
Und was genau ist die benannte Kündigungsfrist? Ich möchte wissen, warum ich und potenzielle Leser*innen meine Titel bereits jetzt nicht mehr im Shop finden können. Wenn es eine Kündigungsfrist gibt, zu der die Titel von der Tredition-Plattform entfernt werden, heißt dies im Umkehrschluss, dass sie bis zu dieser Kündigungsfrist noch zu finden und erhältlich sein müssen – sonst macht der Begriff ,Kündigungsfrist’ keinerlei Sinn. 
Mit der Bitte um echte Antworten zu meinen Fragen,
H. Niederhausen

Der Vernichtungsfeldzug gegen die Unschuld

Ich hatte bei Tredition seit Beginn des Jahres folgende fünf Titel veröffentlicht: 

"Wenn ihr nicht werdet wie die Mädchen..." Die Wahrheit sehen lernen, oder: Vom Kuss des Engels 
Schneeweißchen. Offenbarung der Seele 
Schneeweißchen und Rosenrot. Ein Wunder bleibt nicht allein 
Das Mädchen ist die Wahrheit. Die heilende Eros der Unschuld 
Von der Heiligkeit der Sprache und den zärtlichen Mysterien der Begegnung

In allen meinen Büchern, auch in diesen, geht es um die Gestalt des Mädchens, insbesondere des reinherzigen Mädchens. 

Diese Gestalt ist ein Urbild. Wir finden sie immer wieder in den Märchen. Wir finden sie seit Jahrhunderten besungen von Dichtern. Wir finden sie spätestens seit dem mittelalterlichen Minnesang. Doch das Urbild des Mädchens ist noch viel älter. Bereits in der iranisch-manichäischen Mythologie erscheint der Seele nach dem Tod an der Brücke Cinvat ein Mädchen von blendender Schönheit und spricht zu ihr: ,Ich bin du selbst!’ 

Bei Novalis findet sich ebendiese Wahrheit in seiner Erzählung ,Hyazinth und Rosenblütchen’. Wohin wir auch blicken, finden wir diese Wahrheit: Das reinherzige Mädchen ist das Urbild des höheren Selbst, der reinen Seele schlechthin. 

Wenn nun meine Bücher zensiert werden, so entspricht dies unmittelbar jenen Mächten, die die Unschuld vernichten und verschwinden lassen wollen – denn um genau diesen Kampf geht es in unserer Zeit. Es geht nicht um die ,Freiheit’ (das auch), es geht vor allem um die Unschuld. Alles ist darauf gerichtet, diese völlig verschwinden zu lassen. 

Die Diktatur der Angst

Vordergründig und für das gewöhnliche Bewusstsein zunächst nur bemerklich ist natürlich eine andere Ebene: das Mädchen als potenzielles ,Missbrauchopfer’. 

Diese Ebene wird derart verabsolutiert, dass nichts anderes mehr sichtbar ist. Das Missbrauchsnarrativ ist der neue Diktator. Wir leben längst in Orwell’schen Zeiten, aber merken es noch nicht. 

Alles, was auch nur annähernd in Richtung Missbrauch gehen könnte, ist bereits ,des Teufels’. Aber genau so funktionierte es auch mit den ,Hexen’. Eine Frau musste nur einen besonderen Heilerwillen haben – sie wurde früher oder später verurteilt, denn es konnte ja nur eine ,Hexe’ sein! Ebenso war es mit Christus: Er heilte am Sabbat – Gotteslästerung! 

Und Mädchen? Wirklich jahrhundertelang haben Mädchen, hat die Gestalt des reinherzigen Mädchens die männliche Seele schlechthin geläutert – die Seelen unzähliger Männer. Schiller, Novalis – die größten Geister haben diese Wahrheit in ganz klare Worte gefasst. 

Nur unsere Zeit kann diese Wahrheit nicht einmal mehr denken, geschweige denn zulassen!

Stattdessen regiert die Angst – und mit ihr Verbot, Zensur, Verurteilung ... und dies natürlich trotz aller Christusworte vom ,Richtet nicht...’, auch Christus ist heute ja völlig ad acta gelegt. 

Wo ein Mann vom Mädchen schreibt oder gar noch von der Liebe der männlichen Seele zum Mädchen, da befinden wir uns ganz offensichtlich im Reich des Teufels und im weiten Umkreis des Missbrauchs... 

Welch eine Verarmung, ja Verwahrlosung des Denkens! Wie im Nebel kann man nicht einmal mehr drei Meter weit sehen oder empfinden. Man agiert nur noch gemäß Narrativen, Dogmen, Algorithmen. 

Und sicherlich auch nach dem Diktat von Amazon & Co. Denn was die mächtigen US-Plattformen nicht wünschen, das kann auch keine armselige deutsche Plattform zulassen, und sei sie noch so ,Print on Demand’ und ,Freiheit für unabhängige Autoren‘. Das ist alles Makulatur... 

Die Verachtung des Mädchens

Aber bleiben wir bei dem Mädchen. Auch die Mädchen werden hier völlig verachtet. Aber gilt das Ganze nicht schlechthin ihrem Schutz? 

Ja, das ist das grandiose Narrativ. ,Wir tun alles zum Schutz von Mädchen...’ Welch eine Heuchelei! Erstens hat man die Mädchen gar nicht gefragt, wie sie meine Bücher finden. Zweitens und vor allem aber werden Mädchen in diesem Narrativ zu bloßen Objekten degradiert. 

Dass es ,Schutz’-Objekte sind, macht die Sache nicht besser. Sie werden zu bloßen ,Opfern’ herabgewürdigt – und auf dem Altar dieser Scheinheiligkeit wird die Freiheit der Literatur geopfert, ohne mit der Wimper zu zucken, jedoch mit einer Selbstgerechtigkeit ohnegleichen. ,Wieder einmal haben wir heroisch die Mädchen vor jeglicher Unbill geschützt!’ Grandios...

Und heroisch bemerkt man nicht einmal für den Hauch einer Sekunde, wie sehr man die Mädchen damit degradiert hat...

In Wirklichkeit schert man sich um die Mädchen nicht im Geringsten. Es ist einem völlig egal, wenn täglich ungezählte Mädchen zu Hause geschlagen, in der Schule gedemütigt und in unserem intellektuellen Schulsystem seelisch gebrochen werden. Das alles ist den hier erwähnten Akteuren völlig gleichgültig. Es geht ihnen nur um die völlige Anpassung an das Master-Narrativ vom ,Missbrauch’, dem man sich widerstandslos, ja in servilem, vorauseilendem und sogar selbstgerechtem Gehorsam bedingungslos unterwirft. 

Und die Selbstgerechtigkeit ist dann genau die Rationalisierung, mit der man das Ganze dann auch nicht ansatzweise zu hinterfragen braucht. Müsste man doch sonst den ,Kollateralschäden’ des eigenen Handelns einmal ehrlich ins Auge schauen: Vernichtung der Kunstfreiheit, Degradierung des Mädchens, Degradierung des eigenen Selbstes auf ungeheuren Gehorsam und nur noch reflexartiges Handeln gemäß dem Master-Narrativ...

Und gerade die Mädchen, die ich in meinen Büchern aufleben lasse, die reinherzigen, die unschuldigen, die oft stillen ... sie fallen doch heute eh völlig hinten runter, interessieren niemanden mehr! 

Jetzt werden sogar ihre Bücher verboten ... weil sie von reinherzigen Männern geliebt werden und weil sie die Herzen anderer Männer verwandeln ... aber mit der Missbrauchsbrille auf der Nase wittert man natürlich überall nur noch Missbrauch. Und Orwell kann wieder zuschlagen. Mit der freundlichen ,Bitte um Verständnis’. Welch eine Terrorherrschaft...!

Das ausgerottete Ideal

Selbstverständlich geht es auch darum, dass man das Ideal heute nicht einmal mehr zulassen kann. Denn wo von ,unschuldigen Mädchen’ die Rede ist und diese derart ,idealisiert’ werden, werden ja sämtliche anderen Mädchen diskriminiert, nicht wahr? Überhaupt verkündet der Autor ja ein völlig unzeitgemäßes Geschlechterbild... 

Auch dies spielt ganz gewiss eine Rolle bei der ungeheuerlichen Zensur, die ja nie irgendwie weiter begründet werden muss. Stets kann man auf irgendwelche ,Grundsätze des Unternehmens’ verweisen und sein Urteil vollstrecken. 

Wie lügenhaft kann man noch agieren?! 

Inmitten von Millionen von Büchern über Kriminalfälle, Gewalt, Coolness, lässigen Humor, Sex & Crime und anderem Schrott existiert eine Handvoll von Büchern, die bedingungslos vom Mysterium der Unschuld handeln und von nahezu niemandem gelesen werden – aber selbst ihre Existenz muss vernichtet werden, nach dem Motto: ,Auf unserer Plattform jedenfalls nicht!’

Wie ungeheuer groß muss hier die dahinterstehende Angst sein...

Ausgerottet wird nicht nur das Ideal des unschuldigen Mädchens – ausgerottet wird gleichzeitig damit das Ideal der Freiheit. Des Zulassens. Das Ideal einer heiligen Vielfalt... Man muss ja nicht einmal derselben Meinung sein...!

Aber wie sehr und wie unmittelbar stimmt dies überein: die Ausrottung des unschuldigen Mädchens und die Ausrottung der Freiheit... Denn das unschuldige Mädchen würde alles zulassen! Es würde sich in keiner Weise berufen fühlen, irgendetwas zu unterdrücken. Es würde immer die Hoffnung, ja das Vertrauen haben, dass jeder seine Standpunkte aus bestem Wissen und Gewissen vertritt, und es würde sie als Offenbarung gerade dieses Menschen vorbehaltlos annehmen. 

Von dieser unschuldigen, vertrauensvollen Haltung des guten Willens sind wir heute weiter entfernt denn je. 

Und so kommt es, dass inzwischen sogar regelrecht jene Bücher unterdrückt und gelöscht werden, in denen es wie nirgendwo sonst um Unschuld, Reinherzigkeit und das Geheimnis der lauteren Seele und ihrer läuternden, verwandelnden Kraft geht. 

Wird einst eine liebevollere und wieder unschuldigere Zeit auf diesen heutigen Wahnsinn noch zurückblicken können? Als auf eine ungeheure Tragik...? Oder wird es diese Zukunft gar nicht mehr geben? 

Weil die Vernichtung erfolgreich war...

 

Nachtrag 19.05.2026

Ich erhielt keinerlei Antwort von Tredition. Stattdessen kam eine automatisierte E-Mail folgenden Wortlautes:

Hi Holger,
hiermit bestätigen wir, dass wir dein Benutzerkonto gelöscht haben. Wir haben alle deine persönlichen Daten und Buchprojekte gelöscht.
Wir wünschen dir alles Gute und stehen dir gern für neue Buchprojekte zur Veröffentlichung bereit.
Dein Team bei tredition 

Nach dem Verbot weiterer Buchprojekte ist diese E-Mail ein weiterer Schlag ins Gesicht und bestätigt die letztlich schlicht menschenverachtende Arroganz einer solchen Plattform. 

Auch die Zensur bei Google ist ungeheuerlich. Dieser Aufsatz hier ist bei Google schlicht nicht zu finden, bei DuckDuckGo oder Bing aber sehr wohl.