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Elisas Licht

Holger Niederhausen: Elisas Licht. Ein modernes Weihnachtsmärchen. Roman. Books on Demand, 2025. Paperback, 60 Seiten, 9,90 Euro. ISBN 978-3-6951-2651-4. 

► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.

Erschienen am 7. November 2025.              > Bestellen: Books on Demand | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen <

Inhalt


Ein mit jeder Seite tiefer zu Herzen gehendes modernes Märchen... Die tief unschuldige Elisa, die ganz allein mit ihrer alten Großmutter lebt, findet ein Licht – und will es einem Menschen bringen, der es braucht. Völlig schutzlos macht sie sich auf in den nächsten Ort, geradezu blind für das Dunkle in den Seelen. Wird ihre Unschuld ihr Verderben sein – oder ihr Schutz? Und wie kann das Licht, das offenbar niemand sonst sehen kann, überhaupt irgendjemandem helfen? Aber am Ende wird sie zwei Menschen retten, die alle anderen bereits aufgegeben hätten...

Über dieses Buch


Wer sich in unserer Zeit danach sehnt, seine Seele wieder zu vertiefen, etwas Heiligeres, etwas Unschuldigeres, etwas Reineres wiederzufinden; wer besonders in der Adventzeit, die immer schon in dieses Licht des Reineren getaucht war, die Sehnsucht hat, dieses Reich auch in seiner Seele wiederzufinden, der mag in das Geschehen dieses Büchleins eintauchen!

Auch an der eigenen Seele wird das Mädchen Elisa, werden ihr Erleben und ihre Erlebnisse, wird die ganze Welt dieses Büchleins nicht spurlos vorübergehen, im Gegenteil, sie werden sich zart einleben in die Seele, die tiefen Anteil nimmt und eintaucht, sich mitnehmen lässt in eine Welt, in der das Unschuldige wirklich noch eine Bedeutung und eine heilige, eine heilende Macht hat... 

Wer jemals tiefere Empfindungen suchte und etwas, was die Profanität, die Gewöhnlichkeit, Flachheit und schleichende Abstumpfung des gewöhnlichen Lebens und ,modernen’ Alltags, dem man so weitgehend verfallen ist, wieder heilen könnte – der wird in und mit diesem berührenden Märchen der ganz anderen Art ein wirkliches, ein zart und unbeirrbar wirkendes Heilmittel finden. 

Leseprobe 1


Als sie draußen in der kalten Nachmittagsluft standen, herrschte er sie fast an:
„Wo kommst du her?“
Sie sah furchtsam zu ihm hoch, er war einen ganzen Kopf größer...
„Von dort...“, deutete sie mit ihrem Blick zaghaft in die Richtung ihrer Heimat. 
„Was heißt ,von dort’?“
„Vier oder fünf Stunden von hier“, erwiderte sie kleinlaut. „Da lebe ich mit meiner alten Mutter in einer Hütte...“
„Einer Hütte? Bist du verrückt? Und was machst du hier? Was sollte der Auftritt eben?“
„Auftritt?“
„Ja, was sollte dieses alberne Theater?“
„Was heißt das? Ich verstehe das Wort nicht...“
„Was soll das? Wieso hältst du deine leeren Hände so, als ob da was drin wäre? Was soll der Quatsch mit dem Licht?“
Sie blickte auf ihre Hände... 
„Aber –“

Dann blickte sie wieder zu ihm, nichts mehr begreifend...
„Wieso – –“, stammelte sie leise, „wieso siehst du es denn nicht?“
Und als er nicht sofort etwas erwiderte, fügte sie noch bestürzt hinzu:
„Die anderen haben es doch auch gesehen...!“
Keiner hat es gesehen! Verstehst du nicht? Da ist nichts!“
Wieder blickte sie auf ihre Hände... 
Tränen traten ihr in die Augen. 
„Da ,ist’ nichts? Du siehst nichts? Aber guck doch, hier...“
Und sie hielt ihm ihre Hände mit einer verzweifelten Unschuld noch etwas näher hin, fast direkt vor seine Augen. 

Der Mann schwieg erschüttert und starrte ihr nun seinerseits direkt in die Augen. 
Seine Stimme wurde leise, fast warm. 
„Du ... du glaubst wirklich, dass da etwas ist?“
„Aber da ist das Licht! Siehst du es nicht? Es füllt meine Hände aus und leuchtet von dort... Ich sehe es doch sogar in deinem Gesicht! Bis dahin leuchtet es...!“
Dann hielt sie ihre Hände wieder wie vorher, nicht mehr so nah. 
„Jetzt auch noch... Jetzt sehe ich es auch noch...“
Nun war er wirklich erschüttert. 
„Woher kommst du, Mädchen...“, murmelte er, als hätte sie es ihm nicht eben gesagt. 
Dann sagte er wieder etwas strenger:
„Geh jetzt nach Hause! Direkt...“

Sie sah ihn furchtsam und treuherzig an. 
„Aber ich muss ... erst das Licht ... jemandem bringen.“
„Nein!“
Mutig erwiderte sie verletzlich seinen Blick. 
„Doch.“
Fast erwartete sie, dass er sie vielleicht schlagen würde. Dann aber fragte sie:
„Willst ... willst du es vielleicht?“
Der Mann sah sie völlig ungläubig an. 
„Nein“, sagte er dann entschieden. 
„Warum nicht?“
„Ich ... ich will nicht.“
„Was heißt, du willst nicht?“
„Frag nicht. Ich ... habe es nicht verdient.“
„Muss man es verdienen? Du musst es nur brauchen...“

„Ich...“, erwiderte der Mann, kurz zögernd, „brauche es nicht!“
„Aber wem soll ich es denn dann geben?“
„In diesem Ort kannst du es keinem geben.“
„Aber was soll ich denn tun?“
„Warum behältst du es nicht einfach? Das wäre das Beste.“
„Du verstehst das nicht...“
„Tu ich auch nicht.“
„Dann gehe ich in den nächsten Ort...“
„Da ist nichts mehr. Das nächste ist irgendwann die Stadt...“
„Die Stadt?“
„Ja.“
„Was heißt das...?“
„Du weißt nicht, was die Stadt ist?“
„Nein...“
„Dann kannst du da auch nicht hingehen. Es ist unmöglich.“
„Aber vielleicht braucht dort jemand das Licht...“

Sie kniete sich hin und barg es vorsichtig wieder in ihrem Rucksack...

„Weiß deine Mutter, dass du dich hier herumtreibst?“
„Sie weiß, dass ich so schnell wie möglich zurückkomme. Wie weit ist es bis zu ... der Stadt?“
„Noch einen halben Tag.“
„Dann könnte ich morgen hingehen und wieder zurückkommen?“
„Ich glaube nicht. Außerdem, wie willst du zehn Stunden an einem Tag laufen?“
„Aber das kann ich...“
„Ja, ich weiß, du kannst alles...“
Nein...?“, erwiderte sie treuherzig. 

Dann blickte sie sich aber doch zögernd um. 
„Es wird schon dunkel... Weißt du, wo ich schlafen könnte?“
Er sah sie lange an. Dann sagte er, fast grob ihr Handgelenk fassend:
„Komm mit.“
Sie stolperte fast, als er sie mit sich zog. 

„Wohin gehen wir?“, fragte sie, während sie weiterstolperte, um mit ihm Schritt zu halten. 
„Erstmal weg hier. Hier kennen mich zu viele.“
„Ist das schlecht?“
„Ja.“
Sie wagte nicht weiterzufragen. 
Während sie durch lauter Straßen gingen, die sie sich überhaupt nicht mehr merken konnte, wurde es rasch immer dunkler. 
„Wohin gehen wir?“, fragte sie noch einmal, furchtsamer. 
„Ich dachte, du wolltest schlafen!“
„Ja, aber...“
„Also frag nicht.“
Furchtsam wagte sie keine weitere Frage mehr. 

...

Leseprobe 2


„Warum hat deine Mutter dich eigentlich so allein weggelassen?“
„Sie ist schon sehr alt.“
„Wie alt?“
„Siebzig?“
„Ach so? Aber du bist sicher, dass du nicht vom Himmel gefallen bist?“
„Ja?“, lachte sie. 
„Du kannst nur vom Himmel gefallen sein...“
„Hör auf...“, sagte sie scheu. „Das ist nicht lustig...“
„Ich meinte das auch sehr ernst.“
„Du bist etwas verrückt...“
„Mag sein. Aber mit dir ist es noch schlimmer.“
„Wie...“
„Ich passe wenigstens hierher, Elisa! Was willst du hier?“
„Hier...?“
„Auf dieser Welt? Dieser Welt hier! Was willst du hier?“
Sie sah ihn völlig verschüchtert an, wieder verstand sie die Frage nicht ganz. 
„Ein guter Mensch werden...?“, wagte sie schließlich zu sagen. 
„Werden?“, fragte er fassungslos. „Werden?“
Wieder verstummte sie beschämt. 

Schließlich murmelte er: 
„Ich weiß nicht, was du noch werden willst... Es kann sich doch höchstens nur verlieren!“
Wieder wagte sie nicht zu fragen...

„Willst du mich heiraten?“, fragte er plötzlich. 
„Heiraten?“, erwiderte sie betroffen? „Aber ich bin doch noch viel zu jung...“
„Früher konnte man mit zwölf heiraten...“
Sie schwieg nachsinnend. 
„Ich könnte für dich und deine Mutter sorgen...“
„Wirklich?“
„Ja.“
„Aber ich weiß nicht...“
„Ja, du weißt nicht...“, erwiderte er etwas schmerzlich verbittert. 

Zögernd fragte sie:
„Was ... muss ich denn machen, wenn wir heiraten?“
Der junge Mann schwieg. 
„Weißt du eigentlich, woher die Kinder kommen?“
„Aus dem Bauch...?“, erwiderte sie schüchtern. „Von der Mutter...?“
„Ja, aus dem Bauch...“, murmelte er. „Aber wie kommen sie da rein?“
„Der liebe Gott schickt sie...“
„Ah ja... Und was ist mit Maria – der Jungfrau?“
„Was ist denn mit ihr?“
„Na, was ist der Unterschied? Wieso heißt sie Jungfrau Maria?“
„Man nennt es so... Weil ... sie keinen Mann hatte...“
„Aber sie hatte doch einen. Joseph – oder nicht?“
„Doch...“
„Aber?“
Das Mädchen dachte ratlos nach. 
„Trotzdem kam das Kind doch direkt von Gott... Weil es doch Gottes Sohn war...“
„Ah ja, und sonst... Wo kommt es sonst her?“
„Na, auch von Gott... Nur dass es eben auch einen Vater hat... Einen anderen, meine ich...“
„Und wieso hat es ihn dann?“
Sie sah ihn schüchtern an. 
„Na, weil es ihn doch braucht...?“

Der junge Mann gab auf. 
„Aber du hast anscheinend niemanden...“, erwiderte er, leise fassungslos. „Außer deine Mutter.“
„Ja...“
„Hast du nie einen Vater vermisst?“
„Ich hab ja auch einen...“, erwiderte sie scheu. „Nur im Himmel...“
„Gott, den Herrn...?“, erwiderte er mit leisem Spott. 
„Ja, Gott ... und den Herrn, seinen Sohn... Alle Menschen haben einen Vater und sie haben ihn...“
Der junge Mann schwieg. 

Auch sie wagte nun nichts mehr zu sagen. Und so gingen sie schweigend durch die kalte Heide, während es leise wieder begonnen hatte, zu schneien, winzige Flocken. 

...