Eigene Bücher
Innere Entwicklung
Holger Niederhausen: Innere Entwicklung. Niederhausen Verlag, 2026. Paperback, 460 Seiten, 19,90 Euro. ISBN 978-9-4038-9449-2.
► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.
Erschienen am 1. Juni 2026. > Bestellen: Bookmundo | Amazon < > Reaktionen und Rezensionen <
Inhalt
Dieses Buch schlägt einen heiligen Bogen – von Marc Aurel, Angelus Silesius und anderen tiefen Seelen über die Anthroposophie, Rudolf Steiners Christus-Erkenntnis, den Deutschen Idealismus von Schiller, Fichte und Novalis bis hin zum ungeheuren Verlust der wahren Herzens- und Empfindungstiefen im Zeitalter des ,Selbstes’ – und schließlich zur idealischen Gestalt des MÄDCHENS und seinen zutiefst heiligen und heilenden Mysterien. Jede aufrichtige Sehnsucht nach dem Geheimnis innerer Entwicklung wird in diesem Buch reich beschenkt werden...
Über dieses Buch
Dieses Buch taucht in das heilige Reich innerer Entwicklung ein. In einer Welt ungeheuerlich zunehmender Veräußerlichung und Oberflächlichkeit sowie eines allein schon durch Internet und Smartphones, aber auch durch unsere ganze heutige ,Kultur’ impulsierten ungebremsten Wachstums des ,Selbst’ beschreibt es eindrücklich den Verlust der wahren Seele, deren vergiftetes Rudiment jenes ,Selbst’ nur noch ist – und eröffnet wieder den Weg zu den heiligen Quellen innerer, seelisch-geistiger Vertiefung.
In einem ersten Teil eröffnet es den Blick auf ältere Quellen einer solchen Vertiefung, so auf Marc Aurel, die Evangelien, Margareta Porete, Thomas von Kempen, Blaise Pascal, Angelus Silesius, Gerhard Tersteegen, Thoreau, Therese von Liseux und Etty Hillesum.
Nach diesem sehr dichten Beginn tauchen die folgenden Kapitel ausführlich in die reichen Quellen ein, die Rudolf Steiner für die innere Entwicklung erschloss und eröffnete, in die durch die Anthroposophie mögliche Christus-Erkenntnis und ihre umfassende Bedeutung und in die eindrückliche Arbeit der niederländischen Anthroposophin Mieke Mosmuller.
Es folgt ein Kapitel, das das wahre Vakuum unserer Zeit erlebbar macht – den tiefen Verlust an Herz und Seele in unserer Zeit, was deren wahre Tiefen betrifft, während der Einfluss der beiden von Rudolf Steiner beschriebenen Gegenmächte immer mehr zunimmt, wobei selbst Anthroposophen fast durchgängig zu verkennen scheinen, wie grenzenlos inzwischen die fast irreversible Tragik des rasant wachsenden ,luziferischen’ Impulses ist.
Ein weiteres Kapitel blickt demgegenüber noch einmal zurück auf die leuchtenden Jahrzehnte des Deutschen Idealismus und die Impulse, die Schiller, Fichte und Novalis sowohl für das Menschenbild als auch für eine tiefste innere Entwicklung gaben, die gerade bei ihnen zugleich engstens mit der Frage nach der wahren Gestalt auch der äußeren menschlichen Zusammenhänge zusammenhängt.
Von diesen großen Geistern ausgehend wird dann der Blick auf das Reich des MÄDCHENS gerichtet, für das sowohl Schiller als auch Novalis und auch Goethes ,Faust’ ein erstes Verständnis eröffnen können, während an der Gestalt von Goethes ,Mignon’ ausführlich erlebbar gemacht wird, wie nicht nur Goethe, sondern auch die ,Turmgesellschaft’ des ,Wilhelm Meister’ und die ganze heutige Zeit an einem Begreifen des reichen Kosmos des Mädchens absolut scheitern und an einem viel zu einseitig männlichen Ansatz festhalten, der auf die seelische Not der Moderne längst keine wirklichen Antworten mehr zu geben vermag.
Es wird sodann schließlich gezeigt, welche ungeheure Bedeutung die Gestalt des MÄDCHENS für die nach innerer Entwicklung und Vertiefung strebende Seele wahrhaft hat – und diese Bedeutung in einem sehr dichten, ausführlichen Eintauchen immer tiefer erlebbar gemacht. Zugleich wird auch auf gerade von anthroposophischer Seite erwartbare Fragen und Einwände ausführlich eingegangen.
Das gesamte Werk umfasst eine absolute Fülle – und führt in Tiefen, von denen sich auch jene Seelen beschenkt fühlen können werden, die meinen, ,ihren’ Weg längst zu kennen.
Leseprobe 1
Für mich ist es seit vielen Jahren immer eindeutiger geworden, dass der Begriff der Sehnsucht ein absoluter Schlüsselbegriff ist – nicht nur für die Frage der inneren Entwicklung, sondern für den Menschen überhaupt.
Denn der Mensch sollte Sehnsucht empfinden.
Warum? Weil er mit seiner Seele zu innerer Entwicklung veranlagt ist, oder, um es noch drastischer auszudrücken: Weil dies, innere Entwicklung, seine Bestimmung ist.
Dieser Begriff wird in nicht wenigen Seelen wiederum Antipathien auslösen, die sehr leicht erklärlich sind. Aber zu innerer Entwicklung gehört auch, es zu lernen, über seinen Antipathien zu stehen – weil man andernfalls von ihnen bestimmt wäre, anstatt über sich selbst selber bestimmen zu können...
Mag diese Überwindung reflexartiger Antipathien schon einen höheren Grad an innerer Entwicklung voraussetzen, so wird er an dieser Stelle doch bereits gewissermaßen gefordert, weil auch dies immer wieder zu innerer Entwicklung gehört: die Spannung zwischen dem, was man vielleicht noch überhaupt nicht kann – und dem, was aber möglich wäre.
Es ist im Grunde nichts anderes als bei jedem Vorbild. Man sieht einen ,Freeclimber’, der scheinbar mühelos an winzigsten Felsvorsprüngen eine senkrechte Wand erklimmt – und man empfindet in seiner Seele eine tiefe Bewunderung und ... eine Sehnsucht: Wie schön wäre es, so etwas auch zu können...!
Und Antoine de Saint-Exupéry schrieb einmal: ,Wenn du ein Schiff bauen willst, beginne nicht damit, Holz zu sammeln, die Planken zu schneiden und Arbeit zu verteilen, sondern wecke im Herzen der Menschen die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.’
Wenn die Sehnsucht nun aber der Schlüsselbegriff für innere Entwicklung überhaupt ist, so wäre es einerseits die Aufgabe eines ,Lehrers’, eine solche Sehnsucht, wenn möglich, zu wecken – es wäre aber insbesondere die Aufgabe jeder einzelnen Seele selbst, die eine Sehnsucht nach innerer Entwicklung empfindet, diese Sehnsucht in sich zu vertiefen. Das ist der Kerngedanke dieses Kapitels.
Wenn innere Entwicklung nur durch Sehnsucht möglich ist – und die Wahrheit dieses Satzes ist unmittelbar und leicht zu empfinden –, so wird das Ausmaß der inneren Entwicklung, die einer Seele jeweils möglich ist, dem Ausmaß ihrer Sehnsucht entsprechen...
Das aber würde bedeuten, eine Hauptaufgabe einer Seele, die sich auf den Weg innerer Entwicklung macht, würde darin liegen – oder: liegt darin –, zu einer heiligen Hüterin ihrer eigenen Sehnsucht zu werden.
Und mit Hüterin ist gemeint: Gärtnerin. Weckerin. Erzieherin. Es geht um Wachstum.
*
Wir kommen auf diese Weise von selbst zu einem weiteren Begriff – dem des Ernstes.
Wie ernst ist es der Seele mit ihrer ... ,inneren Entwicklung’?
Denn, wenn wir einen Schritt zurück machen, so kann die Seele ja ihre Sehnsucht auch einfach empfinden und dem dann nachgehen.
Sie empfindet eine unbestimmte Sehnsucht und folgt ihr, ganz unverbindlich. Taucht hier mal ein bisschen ein, studiert von jenem Weg mal ein, zwei Bücher, macht dann dort mal einen Kurs mit ... und so weiter.
Das ist ja auch in Ordnung.
Jede Seele folgt ihrer Sehnsucht in dem Maße, in dem sie es tut und in dem diese Sehnsucht vorhanden ist.
Die Frage des Ernstes und überhaupt des Hütens der Sehnsucht ist bereits etwas für ,Fortgeschrittene’. Aber dieses Buch will auch eines für solche ,fortgeschrittenen’ Seelen sein – oder aber für solche, die bereit sind, sich auf diese Stufe einzulassen und auf diese Weise ,fortgeschrittene’ Seelen zu werden, selbst wenn sie dies bis jetzt nicht waren.
Es geht um das Erwecken der Sehnsucht – und um die Erkenntnis, dass diese nächste Stufe auch wiederum möglich ist. Der Seele möglich ist. Vielleicht auch dies wiederum ... ihre Bestimmung. Nämlich: Es mit der inneren Entwicklung ernst zu meinen...
Natürlich kann man Seelen mit der Frage des Ernstes auch ,überfordern’. So manche Seele ist noch gar nicht so weit – und noch gar nicht bereit, es so ernst zu nehmen. Sie möchte lieber erst einmal ganz unverbindlich ... so ein bisschen hier gucken, da gucken ... und sich klar darüber werden, was sie nun eigentlich will...
Und manche Seelen wollen zeitlebens eben nur hier mal ein Meditations-Seminar mitmachen, da mal einen Astrologie-Kurs ... und das ist dann ihre innere Entwicklung, in ihrem Leben, und das ist schon mehr als bei sehr, sehr vielen Menschen, die überhaupt nichts in der Richtung innerer Entwicklung tun, weil sie danach scheinbar keinerlei Sehnsucht haben und sich ganz im Äußeren ausleben...
Aber dieses Buch möchte eben trotzdem weiter gehen – und dann kommt man um den Begriff des Ernstes nicht herum...
...
Leseprobe 2
Dies sind nicht ferne Schilderungen – es sind heilige Not-Wendigkeiten. Eine Seele, die diese heilige Ehrfurcht nicht kennt, kann auch nicht mehr beschenkt werden. Sie macht sich selbst unendlich arm...
Das ist unsere Realität. Selbst kleinste Kinder bekommen heute oft ein Handy in die Hand gedrückt – und ihre Seele wird auf diese Weise schlicht gemordet. Später führen die etwas älteren Kinder diesen begonnenen Mord eigenständig weiter – indem sie ,cool’ sein wollen. Die Seele beginnt, ihre Empfindungen freiwillig abzutöten!
Und neben allem anderen Furchtbaren stehen wir fortwährend vor dem eisernen, unerbittlichen Gesetz der ,shifting baseline’, des fortwährenden Sich-Verschiebens dessen, was als ,normal’ gilt und wahrgenommen und empfunden wird.
In einer Welt, in der die Äcker mit Giften totgespritzt wurden, gilt es als normal, dass man außer einer Einöde von Mais oder Weizen nichts weiter mehr sieht oder hört. Keine Hecken zwischen den Äckern. Keine Lerchen in der Luft – vielleicht mal noch eine. Keine Kornblumen mehr zwischen den Halmen, vielleicht mal ein kümmerlicher Mohn. Keine Moore mehr, keine Wälder, in denen der Adler sich erhebt. Keine glühenden Sommer mit süßen Himbeeren auf flirrenden Lichtungen einer noch heiligen und heilen Natur...
Shifting baseline – das Verschwundene gilt als normal, man kennt es nicht einmal mehr. Als hätte es alles nie gegeben. Was man kennt, ist Wüste. Ökologische Wüste. Nicht mehr heilige Schöpfung in unendlicher Fülle und Vielfältigkeit, sondern agrarindustrielle Einöde. ,Mono¬kulturen’, was nichts anderes ist als ein völlig abstraktes Wort für ,Maiswüste’ oder ,Getreidewüste’. Nichts anderes als ein verschleierndes Wort für ,wöchentlicher Giftmord an allem anderen’... Der Mensch hat einen Vernichtungskrieg gegen einen unendlichen Reichtum geführt – und er hat ihn gewonnen. Und für uns gilt eine kümmerliche Mohnblume am Rand dieser Wüste bereits als ,intakte Natur’, in der man sich wunderbar ,erholen’ kann. Shifting baseline...
In einer Welt, die nichts mehr von den Verehrungskräften der kindlichen Seele weiß, gilt es als normal, kleinen Kindern ein Handy in die Hand zu drücken, damit die ,armen Kleinen’ beschäftigt sind, während man selbst seine Ruhe haben kann. Kinder ,brauchen’ doch Sinnesreize, sie ,wollen’ doch ständig etwas zu sehen haben, sie ,wollen’ doch fasziniert sein von dem Sich-Bewegenden, von dem, was irgendwo passiert, und sei es auf einem toten Bildschirm. Shifting baseline...
Da ist keine Seele mehr, die innerlich schreit, in unendlichem Leid, es nicht fassen könnend, ein unhörbarer Schrei: ,Was tut ihr?!’ Bald wird es keine Seele mehr geben, die ohne Handy aufgewachsen ist. Schon jetzt gibt es keine Seele mehr, für die ein paar Abziehbildchen oder ein Fußball oder auch eine schöne, violettblaue Glasscherbe ihr ganzer Reichtum sind. Heute müssen es Markenklamotten sein. Und wenn der andere zwei Jahre später wieder das neueste iPhone hat, braucht man das auch... Shifting baseline.
Die Seelen verlieren ihre Ehrfurchts- und Hingabekräfte und ihre Fähigkeit, etwas heiligzuhalten und Verlust empfinden zu können. Und sie verlieren sie früh. Immer früher. So früh, dass sie nicht einmal mehr die Chance haben, es auch nur zu bemerken.
Sie verlieren alles, was sie haben. Und an dessen Stelle tritt Materie. Und ansonsten: nichts. Das große Nichts. Ein wenig verschleiert durch die moderne Coolness und Abgeklärtheit, die jetzt die ,neue Normalität’ ist. Und die große, große Ersatzreligion: der Spaß.
Aber diese moderne Seele wird wirklich in das ,Ich’ hineingestaucht, mit aller Macht entsteht hier ein Zentrum, das alles auf sich bezieht, in einer ungeheuerlichen Anspruchshaltung und Begierde – Begierde, nichts zu versäumen und alles zu dürfen, alles zu können, alles zu müssen: diese Serie, jene Klamotten, noch ein Selfie... So, wie das Gift den Krieg gegen das heilige Leben der Natur gewonnen hat, so hat in der Seele die Anspruchshaltung den Krieg gegen das heilige Leben der Ehrfurchts- und Hingabekräfte gewonnen.
Das moderne Selbst hat den Krieg gegen die Seele gewonnen – aber es ist eine seelische Wüste. Aber diese Wüste gilt als völlig normal, ja man kennt gar nichts anderes mehr. Shifting baseline. Unerbittlich.
Der einzige Ausweg ist, die Armut wieder zu empfinden. Und dafür braucht es Erinnerungen. Erinnerungen an den wahren Reichtum. Erinnerungen, die der Seele noch nicht so fremd sind, dass sie daran gar nicht mehr anschließen kann – sondern die in der Seele wirklich noch etwas berühren. Ein noch verbliebenes, heiliges Zentrum, ein noch leise glimmendes Leben, das wieder erreicht werden kann, von der Erinnerung. Und das sich dieser Erinnerung hingeben kann – als der Wahrheit. Der Wahrheit gegenüber dem Schein.
Und wieder stehen wir vor dem Zentralbegriff: Sehnsucht. Wenn die Seele nicht einmal mehr fähig ist, Sehnsucht zu empfinden, ist sie verloren. Wo immer sie jedoch noch (oder wieder) Sehnsucht empfinden kann, da ist noch Rettendes. Da lebt noch ein heiliges Band, das sie mit der Wahrheit verbindet. Und da kann sie dieses Band immer stärker machen – und immer wahrhaftiger werden. Und wieder neu die Hingabe lernen. Die Wahrhaftigkeit. Das Echte. Das wirkliche Leben. Das Leben der Seele. Einen Reichtum, einen neuen. Neue Tiefe... Sie kann wieder leise, zart, vorsichtig auferstehen. Aus dem Tod des modernen Selbst.
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