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Schneeweißchen

Holger Niederhausen: Schneeweißchen. Offenbarung der Seele. Roman. Niederhausen Verlag, 2026. Paperback, 364 Seiten, 17,90 Euro. ISBN 978-3-6957-2533-5. 

► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.

Erschienen am 1. Februar 2026.              > Bestellen: Tredition | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen <

Inhalt


Als die 17-jährige Katrin eines Tages existenziell die Endlichkeit des Lebens realisiert, erkennt sie, dass es für die Seele nur einen höchsten Sinn geben kann: die Wahrheit – ihre eigene, größtmögliche Schönheit. Und sie entschließt sich zu einem radikalen Schritt: Sie wird ein Schneeweißchen und versucht, die Sphäre des Märchens wahrzumachen ... ein reines Herz in weißem Kleid. Die Folgen dessen bleiben nicht aus...

Über dieses Buch


Dieses Buch besteht aus Radikalität. Es konfrontiert die lesende Seele mit einer allumfassenden Verdrängung. Unsere gesamte Gesellschaft, ja nahezu die gesamte Menschheit verdrängt ... den Tod. Die Endlichkeit. Die Kürze ... des Lebens. 

Die Protagonistin dieses Romans, ein siebzehnjähriges Mädchen, kann diese Wahrheit und letzte Wirklichkeit eines Tages nicht mehr verdrängen. Und ihr wird klar, dass alles Verhalten und alle Ziele und alles Denken und Fühlen zunächst auf einer Lüge beruhen – auf der Illusion, dass es immer so weitergehen könne und werde...

Ihr wird klar, dass die Seele, dieses Wesen, dem dieses eine, kurze Leben geschenkt ist, nur ein Ziel haben kann, wenn es am Ende im Rückblick nicht vor einem Nichts stehen will: Schönheit. Die Seele kann sich selbst zu etwas unendlich Schönem machen – und dies ist letztlich das Einzige, was sie überhaupt tun kann...

Deswegen ist diese Schönheit der Seele zugleich die Wahrheit ... und zugleich das Märchen. Schneeweißchen, wie sie sich nun nennt, erkennt, dass die Sphäre der Märchen immer schon Wahrheit war – und radikal Wahrheit ist. Es ist einfach nur unergriffene Wahrheit ... weil die Seelen in der Illusion verharren und am Selbstbezug Gefallen gefunden haben, hineingesunken sind in eine innere und äußere Wirklichkeit, die den Tod leugnet, dadurch aber auch alle innere Wahrheit verlieren, weil sie von dieser neuen ,Wirklichkeit’ überwältigt werden und immer schon sind. 

Unbeirrbar geht dieses Mädchen nun aber den völlig neuen Weg, den Weg der Seele – den Weg der Reinherzigkeit. Und sie hat den Mut, dies vollständig zu tun, bis ins Äußere hinein, sie hat den Mut, fortan nur noch ein weißes Kleid zu tragen, um die Wahrheit des Märchens für alle sichtbar zu machen...

Und die Folgen bleiben nicht aus. Jungen verlieben sich in sie, gleichzeitig zieht sie beißenden Spott auf sich, und einzelne Mädchen fragen sie, warum sie dies tue. Gleichzeitig hat ihr ganzes Wesen auch seine Wirkung auf Männer. Und all dies ist schon Teil einer Mysterienhandlung ... denn der ganze Roman besteht eigentlich aus diesem Geheimnis.

Was geschieht, wenn eine Seele die Sphäre des Märchens wahrmacht – radikal? Was geschieht, wenn die Realität des Märchens wirklich einzieht in die ... äußere ,Wirklichkeit’? Was geschieht dann in anderen Seelen...

Ein Roman, der die letzten Fragen ,verhandelt’ – die im Grunde einzigen Fragen. Ein Roman, der die eigene Seele ergreifen kann...

Leseprobe 1


„Wie sieht denn Ihre ideale Welt aus?“, fragte sie. 
Ihr weiches, warmes Interesse wollte wirklich dahinterkommen...
„Ideale Welt?“, erwiderte der Gefragte spöttisch. „Gibt’s sowieso nicht!“
„Aber wenn?“
„Aber wenn! Schon wieder so ’ne Sozialpädagogin-Frage – ich sage doch: Flausen...“
„Aber irgendwas Ideales müssen Sie sich doch auch vorstellen?“
„Wieso sollte ich – wenn es das sowieso nicht gibt.“
„Weil Sie es in sich tragen. Jeder Mensch hat ideale Vorstellungen.“
„Bis er sie abtötet, weil sie keinen Sinn ergeben!“

„Das ist doch gar nicht wahr!“
„Was ist nicht wahr?“
„Dass sie keinen Sinn ergeben.“
„Welchen Sinn sollten sie denn ergeben?“
„Sie müssen doch wissen, was wahr ist! Was ... was richtig wäre! Das wissen Sie doch immer...!“
„Ja, aber das hat nichts mit Idealen zu tun. Das ist was ganz anderes.“
„Und was?“

„Mädchen... Du bist so ’ne richtige Sozialpädagogin. Du willst aus mir ’nen besseren Menschen machen, nur damit du dich selbst besser fühlst. Das ist der Sinn von so ’ner Sozialpädagogin. Sie will ihre Flausen ausbreiten, damit sie ’ne Existenzberechtigung hat...“
„Birger, spinnst du?“
„Erst nachdenken, dann reden, Helmut.“

Ein etwas peinliches Schweigen trat ein. 

„Ist doch wahr!“, fuhr der Andere dann fort. „Ich hab keine Lust darauf! Das ändert nicht das Geringste! Ich hasse dieses Gequassel von Idealen – von Leuten, die noch nie ’nen Fuß in ’ne Fabrik gesetzt haben – oder in ’nen Betrieb! Die direkt von ’ner Uni kommen und meinen, jetzt den Leuten sagen zu können, wo es langgeht! Spinnen die, oder was? Die bekommen ihr Gehalt in den Hintern geschoben und meinen, die Welt jetzt besser machen zu können mit ihrem Gefasel. Aber nicht ein reicher Arsch wird davon auch nur gekitzelt. Es ist luftleeres Geschwätz, nichts weiter!“

„Dann ist Ihre Idealvorstellung, dass es keine Reichen mehr gibt...“
„Ja, Klasse – richtig geraten!“
„Und wie geht es dann weiter? In so einer Welt?“
„Mädchen, ich mach mir solche Vorstellungen nicht! Das ist für mich Pillepalle! Ich hab keine Lust auf solche Spielchen. Die erinnern mich immer nur an ,Stuhlkreise’ – damit kannst du mich jagen, verstehst du? Das ist für mich verschwendete Zeit, nichts weiter!“
Ihre Seele empfand betroffen die Schläge... Jedes Wort ein Schlag. Sie verstummte hilflos ... weil sie keinen Zugang fand. 

Der Andere wurde jetzt etwas versöhnlicher. 
„Weißt du, dich mag ich ... Schneew...eißchen. Das ist fast schon richtig speziell... Bewundernswert, auf so was Ausgefallenes zu verfallen. Aber Sinn macht es nicht! Trotzdem ... mag ich dich irgendwo. Weißt du, warum? Weil du nicht so oberlehrerhaft daherkommst wie die! Die Sozialpädagoginnen eben. Ich sag immer: Idiotinnen mit Diplom. Macht es auch nicht besser. Das Diplom, meine ich. Aber du bist immerhin anders. Speziell eben. Sehr speziell. Fast schon niedlich. Aber gut – das magst du wieder nicht... Ich wollt’ nur sagen, dass ich dich mag. Nicht, dass du das vorher mit den Spielchen und so falsch verstehst...“

„Sie glauben auch nicht an eine Seele, oder?“
„Nee – brauchste auch gar nicht erst versuchen...“
„Mach ich aber...“, lächelte sie. 
„Hör bloß auf!“, drohte er halb ernst. „Ich mein es ernst. Ich will nicht, dass du in meiner Achtung sinkst...“
Das berührte sie erneut...

„In Ihrer Achtung sinkt man schnell...“, sagte sie vorsichtig. 
„Schnell nicht – nur wenn man die falschen Dinge tut.“
„Und davon gibt es viele...“

„Mädchen, was willst du eigentlich von mir? Du bist wie so eine ... von den Zeugen Jehovas oder so. Die wollen dann ,Seelen retten’ und so ’nen Quatsch, worauf man nicht die geringste Lust hat. Deswegen schmeißt man sie auch schon an der Tür raus. Kann ich mit dir ja nun schlecht machen, geht leider nicht mehr...“

Sie lächelte über seinen Humor. 

„Was lachst du da? Stimmt doch! Würd’ ich am liebsten machen, geht aber nicht mehr.“
„Ich kann ja freiwillig gehen...“
„Ich will ja auch kein schlechter Gastgeber sein...“
„Seit wann mögen Sie mich eigentlich...?“, fragte sie mit weicher Offenheit. 
„Was soll diese Frage denn jetzt wieder?“
„Na, weil ... Sie wollen doch nicht generell kein schlechter Gastgeber sein, oder...?“

Der Andere blickte zu seinem Freund. 
„Helmut“, sagte er halb lachend, „verstehst du, was dieses Mädchen von mir will?“ 
„Ja...“
„Und was?“
„Das musst du schon selbst rausfinden...“
Der Andere lachte einmal fast wie wegwerfend über die Antwort. 
„Na, toll! Da haben sich ja zwei Sozialpädagog:innen zusammengetan!“
Er betonte das Wort spöttisch. 
Ihr Lehrer lächelte ihr zwinkernd zu. 
Sie aber senkte den Kopf. 

Dann hob sie ihn wieder und sagte aufrichtig: 
„Ich weiß, wovor Sie am meisten Angst haben...“
„Angst? Ich habe keine Angst mehr, Mädchen.“
„Doch...“
„Ach ja? Dann verrat’s mir mal, so ganz im Geheimen. Lachen kann ich ja später...“
Sie lächelte etwas schmerzlich. 
„Spott hilft immer ... gegen die Angst. Dann kann man denken, man hat sie nicht.“
„So ein Blödsinn – jetzt sag’ schon! Welche Angst soll das sein?“

Offene Augen... Mit größter Aufrichtigkeit sah sie ihn an... 

„Sie haben vor der Seele Angst. Sie haben Angst vor der Verletzlichkeit. Das ist ihre größte Angst. Wahrscheinlich wollen Sie sogar lieber sterben, als verletzlich zu sein... Sie finden es schön, wenn ein Mädchen verletzlich ist – sehr sogar. Es ist für Sie etwas Wunderschönes, vielleicht das Schönste, was Sie kennen. Aber Sie wagen es nicht, es sich einzugestehen. Weil schon das Ihnen Angst machen würde... Sie lieben das Verletzliche... Aber Sie verspotten es gleichzeitig ... um es nicht an sich heranlassen zu müssen... Trotzdem lieben Sie es... Sie lieben es, wenn ein Mädchen verletzlich ist...“

Der Andere wusste für ein paar Momente überhaupt nichts mehr zu erwidern. Sie sah ihn an ... verletzlich ... und voller Liebe... 

Dann sagte der Mann, der ihr Gastgeber war, mit einer etwas belegt klingenden Stimme:
„Was willst du eigentlich von mir...“

Es war wieder dieselbe Frage, nur vor einem ganz anderen Hintergrund. Die Festung begann zusammenzubrechen... Sie erlebte es fast mit einer tiefen Ungläubigkeit, einem grenzenlosen Staunen...

„Was war das Schönste, dem Sie in Ihrem Leben begegnet sind...?“
Er sah sie lange an. 
Dann sagte er: 
„Das war ein Mädchen... Ein ganz bestimmtes Mädchen...“
Sie erwiderte seinen Blick mit scheuem Mut... 
„Und jetzt du...“, sagte er. „Ihr seid euch gar nicht ähnlich... Sie war auch überhaupt kein Schneeweißchen...“

Sie sah ihn still an, hingegeben an seine Empfindungen... 
Wieder erwiderte er ihren Blick. 
Dann blickte er zum Kamin, der still vor sich hin wartete, bis er wieder eine Aufgabe hätte...
„Aber es stimmt...“, sagte der Mann. „Auch sie war verletzlich... Sie war das Schönste, was mir in diesem Leben je begegnet ist...“

Er sah sie wieder an. 
„Bist du jetzt zufrieden?“

Sie sah die Empfindungen in seinem Blick, vor denen er weglief. 

„Nein...“, sagte sie leise, fast selbst hilflos. „Ich bin erst zufrieden, wenn sie nicht mehr davor weglaufen, dass Sie sie über alles geliebt haben... Sie müssen sich davor nicht schämen! Es ist das Einzige, was zählt... Sie haben sie über alles geliebt...“

Der Mann sah sie an, fast wie ein Wesen von einem anderen Stern. 
Dann stand er heftig auf, der Stuhl kratzte über das Parkett – und verließ ohne ein Wort den Raum. 
Sie blickte hilflos, ja bestürzt zu ihrem Lehrer... 

„Was ist passiert?“, fragte sie leise, fast angstvoll. 
„Ich weiß nicht genau...“, flüsterte er zögernd zurück. „Vielleicht genau das, was du wolltest.“
„Soll ich...“, fragte sie scheu, „zu ihm gehen?“
„Nein – lieber nicht...“
Sie blickte die ganze Zeit zu der leeren Türöffnung. Ihre Seele brannte vor Mitleid und Verpflichtung, nein, Bedürfnis...

„Ich geh zu ihm...“, flüsterte sie und hatte sich schon erhoben. 
„Schneeweißchen!“
Aber sie war längst wie auf einem traumwandlerischen Pfad unterwegs, konnte keine Rücksicht mehr auf irgendwelche Einwände nehmen...

...

Leseprobe 2


Die Lüge war, es dürfe keine Unterordnung mehr geben

Und warum war dies die entscheidende Lüge? 

Weil jede echte Hingabe in jedem Moment neu im Grunde nichts anderes war! 

Hingabe war nichts anderes... 

Man konnte höchstens noch sagen: Sie dachte gar nicht in diesen Kategorien... Sie tat es einfach... 

Wie sonst sollte man überhaupt küssen

Gab es ,gleichberechtigte’ Küsse? Nein. Es gab entweder nur die Hingabe oder gar nichts. 

Gab auch der männliche Partner sich hin? Nie so sehr wie der weibliche. Oder zumindest immer mit dem Bewusstsein, dass er der männliche der beiden war...

Nur Daniel gab sich ihr hin. Dennoch wäre sie gar nicht zufrieden, wenn sie sich nicht noch mehr hingeben könnte... Warum sollte ein weibliches Wesen sonst jemals küssen wollen? Etwa, um zu bekommen...?

Sie stellte sich jene weiblichen Wesen vor, die heutzutage mehr genossen, als selbst zu geben, die immer auch bei sich blieben, um genießen zu können – aber dies waren die eigentlichen Verräterinnen, doch nicht sie! 

Das Geheimnis des Kusses war, dass die weibliche Hingabe immer vollständiger war. Wer dies leugnete ... der landete bei ,gleichberechtigten’ Küssen – aber das waren überhaupt keine Küsse mehr. Das war nur noch ... ,gegenseitige Lippenbefriedigung’, aber doch nicht mehr. 

Vielleicht würde der Mann ja eines Tages auch so küssen lernen... 

Aber dann würde nicht die Zeit der Gleichberechtigung anbrechen, sondern die Zeit gleicher Hingabe... 

Was für ein unendlicher Unterschied... Die Zeit des Märchens würde anbrechen...

Und jetzt begriff sie endgültig, dass sie zwischen allen Stühlen saß und immer sitzen würde. 

Die Reaktionären würden sich auf die Hingabe sowieso niemals einlassen. Aber auch die ,Sozialpädagoginnen’ nicht – und die Emanzipierten sowieso auch nicht. 

Die ,Sozialpädagoginnen’ hätten noch am ehesten immerhin Verständnis haben können. Aber auch sie hatten die ,Wahrheiten’ der Emanzipation so sehr aufgenommen, dass sie gar nicht mehr zurückkonnten. 

Und so waren sie wie ein seltsamer Mischling. Einerseits grundsätzlich ,lieb’ und ,tolerant’, andererseits der Meinung, dass so etwas wie ,Hinga¬be’ heute von Übel sei, insbesondere gegenüber einem männlichen Wesen, wenn dieses nicht völlig ebenso hingabebereit wäre, was in der Regel nie der Fall war... 

Und was passierte auf diese Weise? Die ,Sozialpädagoginnen’ wollten nicht hinter die Emanzipation zurückfallen. Und so fielen sie lieber hinter die Wahrheit zurück. Dass nämlich die Hingabe die heilige Gabe der weiblichen Seele war... Lieber warfen sie die Hingabe über Bord statt die ,Gleichberechtigung’... 

Lieber ihr eigenes Wesen – als den Gedanken, den die Emanzipation ihnen eingetrichtert hatte. 

Und jetzt verstand sie erst wirklich, warum das Schneeweißchen allen so verhasst war. 

Es war wirklich der Widerspruch zur Emanzipation. Aber nicht deshalb wurde es gehasst – sondern weil alle Angst hatten, grenzenlose Angst, wieder hinter die Emanzipation zurückzufallen... 

In Wirklichkeit war die Emanzipation die neue Diktatorin, die unsichtbare Terrorherrschaft... Und fortwährend zerdrückte und zertrat sie die Hingabe mit ihren gar nicht zarten Stiefeln...

Man konnte sich nicht hingeben, wenn man ,emanzipiert’ war. Jede ,emanzipierte’ Hingabe war nichts Halbes und nichts Ganzes. Es war einfach verlogen. Oder selbstbezogen. Oder beides. 

Deswegen konnte sich ja auch der Mann nicht hingeben. Er war ja immer schon ,emanzipiert’, also ging ihm diese Fähigkeit von vornherein ab. 

Die Frauen hatten sie ... gehabt ... und dann freiwillig über Bord geworfen, weil sie ... gleichberechtigt werden wollten, das heißt ... wie der Mann. 

Denn der Mann wurde ja keineswegs wie sie – also mussten sie werden wie er ... und wurden es auch. Begannen, die Hingabe zu verweigern, weil sie sie als ,Gefangenschaft’ zu definieren begannen... 

Welch ein Irrtum – und Verrat... 

In Wirklichkeit war die Hingabe die wahre Freiheit. Eine Freiheit, die der Mann nie gekannt hatte. 

Hingabe war die Wahrheit. Eine Wahrheit, die der Mann nie gekannt hatte. 

Hingabe war reine Schönheit. Eine Schönheit, die er nie gekannt hatte – immer nur in den weiblichen Wesen geliebt... 

Die Hingabe war das Gute selbst. Und immer hatten es in Wirklichkeit nur die Frauen und Mädchen gekannt. 

Bis sie ihr Heiligstes verraten hatten. 

Das nannten sie dann Emanzipation. Fortan waren sie gleichberechtigt. Aber nicht mehr das, was sie gewesen waren – und was sie ausgemacht hatte. Als Heiligstes...

Und was die männlichen Wesen geliebt hatten. Auch als Heiligstes...

Sie würde nie den Weg der Gleichberechtigung gehen können. Jetzt nicht mehr. Jetzt, wo sie die Wahrheit erlebte...

Es gab entweder nur Emanzipation oder Hingabe. Aber die Hingabe war die Wahrheit... 

Und sie war nur etwas für mutige Seelen. Wer Angst hatte, es sich mit der ,Emanzipation’ zu verscherzen, war bereits gefangen. Er würde da nie wieder herauskommen... 

Die Wahrheit aber war, dass diese Welt zugrunde ging. 

Die Wahrheit war, dass das Leben endlich war – nicht nur endlich, sondern kurz. 

Die Wahrheit war, dass es außer Liebe nichts gab, was die Seele schön machen konnte, wahrhaft schön. 

Die Wahrheit war, dass jede ,Gleichberechtigung’ allen Sinn verlor, wenn man etwas viel Heiligeres darüber verriet. Und die Hingabe war heiliger – unendlich viel heiliger. 

Und die Wahrheit war übrigens auch, dass jemand wie Daniel sich unendlich viel mehr hingab als die Workshop-Leiterinnen, die es mit allem gut meinten, aber viel zu sehr in ihren Köpfen lebten, nicht aber in ihrer Seele

Daniel liebte sie von ganzem Herzen. Und was die Workshop-Leiterinnen noch wahrhaft liebten, konnte sie überhaupt nicht sagen... 

Die Welt ging zugrunde, und niemand wagte, die Wahrheit zu gestehen oder auch nur zu erkennen, dass sie an einem Mangel an Hingabe in jedem einzelnen Herzen zugrunde ging... 

Niemand wagte, zu gestehen, dass nicht die Emanzipation die Rettung war, sondern nur die Schönheit der Seele ... die auf einem völlig anderen Gebiet lag... 

Sie war so hilflos... Diese Erkenntnisse machte so hilflos...

Aber sie hatte heute einen Mann gerettet. Weil sie bereit gewesen war, sich unterzuordnen. Aber nicht dies war das Geheimnis gewesen – sondern ihre Hingabe ... die jeden Moment durchdrungen hatte, weil sie nie herausgefallen war. Sie nie verraten hatte. 

Das heilige Geheimnis ... Schneeweißchens... 

Und nur dieses hatte schließlich den harten Panzer dieses Mannes durchschlagen, der bereits völlig vergessen hatte, dass es ein Panzer war

Und dass es möglich war, ihn abzulegen

Nicht nur möglich ... sondern notwendig ... und unsagbar schön... 

Sie hatte ihn an die Wahrheit jenes anderen Mädchens erinnert ... und er hatte in die Küche fliehen müssen, um dort in Ruhe weinen zu können. Es spielte keine Rolle, dass es keine physischen Tränen waren. Es war nur wichtig, dass er geweint hatte

Auch er hatte sich hingegeben

Seinen Erinnerungen. Seiner wahren Liebe. Der Wahrheit... 

Und dies hatte ihn geheilt. So hatte sie den doppelten Beweis. Die Hingabe war die – einzige Heilung. 

Schneeweißchen hatte es immer richtig gemacht. Und die Emanzipation sah die einfachsten Wahrheiten nicht mehr – weil sie sich dazu entschieden hatte, das Heiligste zu verraten, um etwas viel Unheiligeres zu bekommen. 

Lieber den Spatz in der Hand... 

Lieber den Verrat...

Keiner hatte den Mut zu mehr. Und mittlerweile begriff man es auch gar nicht mehr. Mittlerweile sah man in Schneeweißchen den Feind

Welche Ironie des Schicksals... 

Die Emanzipation hatte sich ihr eigenes Dogma gezimmert – und war ihr eigenes Gefängnis geworden. 

...