Eigene Bücher
Sophia und die Wiedergeburt
Holger Niederhausen: Sophia und die Wiedergeburt. Roman. Books on Demand, 2025. Paperback, 128 Seiten, 12,90 Euro. ISBN 978-3-9434-9285-9.
► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.
Erschienen am 24. Juni 2025. > Bestellen: Verlag < > Reaktionen und Rezensionen <
Inhalt
Die siebzehnjährige Sophia trauert seit nun einem Jahr um ihre große Liebe, einen fünfzigjährigen Mann, der ihr durch den Tod entrissen wurde – und ihre Gedanken und Empfindungen sind nicht nur das erschütternde Zeugnis einer einzigartigen Liebe zweier Menschen, sondern sie führen in ebenso ungeheurer Tiefe mitten hinein in die Realität der Seele und der Wiedergeburt als einer Tatsache. Berührender sind all diese heiligen Zusammenhänge vielleicht noch nie miteinander verbunden worden...
Über dieses Buch
Dieses Buch ist eine Konfrontation mit dem Tod und der Trauer ... aber dahinter lebt erst die eigentliche Wahrheit: Dieses Buch ist das Zeugnis einer unfassbar großen Liebe ... eines Mädchens, in Wirklichkeit aber zweier Menschen.
Zwei Menschen, die sich unendlich geliebt und einander unendlich beschenkt haben. Der fünfzigjährige Mann, der das Mädchen zuerst vor einer Vergewaltigung rettete und sich dann in sie verliebte – und ihr einen grenzenlosen Seelenreichtum zu schenken begann. Und das Mädchen, das diesen immer staunender aufnimmt, bis hin zu einer Erwiderung dieser ganzen Liebe... Aber sie hatten überhaupt nur wenige Monate – –. Diese schildert der Roman ,Begegnung mit Sophia’.
Dieses Buch konfrontiert wohl so berührend mit dem Tod wie wenige andere. Die Liebe dieses Mädchens ergreift die lesende Seele bis ins Innerste – und die Seele wird zart überwältigt von der Erfahrung, wie tief Liebe sein kann. Aber auch: wie tief ein Mann und ein Mädchen einander beschenken können – dies ist die alles überleuchtende Wahrheit dieses Buches.
Aber die mit dem Mädchen mitlebende Seele wird ebenso heilig-zart hineingeführt in die Frage der Wiedergeburt ... und hier ist es nun keinerlei theoretische Frage, für das Mädchen wird es eine existenzielle Frage – und so auch für die anteilnehmende Seele. Berührender als dieses Mädchen ist vielleicht noch keine Seele in die Fragen der Wiedergeburt eingetaucht...
Leseprobe 1
Die Sache ist einfach die – – man kann es nicht verstehen, was man nicht kennengelernt hat. Man versteht nur, was man selbst kennt.
Ich ... mache ja niemandem einen Vorwurf. Auch nicht meiner besten Freundin. Sie weiß es nun mal auch nicht besser. Keiner weiß es besser. Keiner. Alle leben in ihrer traurigen Welt, kleinen Welt, kleinen Blase. Und nur er hat mich in das Meer geführt... In das Meer. Kennt irgendjemand das Meer? Das echte? Das Meer der Seele?
Ich erinnere mich, wie er, als wir das Thema zum ersten Mal berührten, auf den Unterschied von ,Psyche’ und Seele hinwies, mit dieser sanften, aber deutlichen Verächtlichkeit für den Begriff der Psyche, der so unendlich wenig besagte...
Im letzten Winter, als meine Eltern wirklich einen Psychologen für mich ,einschalten’ wollten, und ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, habe ich entdeckt, dass Psyche ja eigentlich eine wunderschöne Königstochter war – nicht einfach nur das Merkwürdige, was man heute darunter versteht. Ein wunderschönes Mädchen... Das hätte ihm wieder gefallen. Das wäre für ihn wahr gewesen...
Ich weiß, was der Psychologe oder auch die Psychologin mit mir gemacht hätte. Sie hätte mir meine Trauer ausgeredet. Denn als meine Eltern im Dezember, wenige Wochen vor Weihnachten, langsam nervös wurden, da hatte ich ja schon vier Monate getrauert.
Und das haben sie auch glatt gesagt! Sophia, haben sie gesagt, jetzt trauerst du fast schon länger, als ihr euch überhaupt kanntet! Wie lange soll das noch gehen? Ich habe nur gesagt: Ihr versteht die Liebe nicht... Und bin gegangen.
Weihnachten war nicht anders als die Wochen zuvor. Das ,Fest der Liebe’ war für mich ein Fest der Tränen... Aber es war auch die Jahre zuvor nicht mehr als gutes Essen – also was haben sie erwartet? Dass ich pünktlich zu Weihnachten aufhöre zu trauern?
War das ihre Vorstellung von Liebe?
*
Da wusste ich – wieder – wie klein die Welt jeder Seele ist. Wie unendlich klein. Und wie egoistisch auch.
Ich meine, vielleicht bin ich selbst auch egoistisch, weil ich lieber trauerte, als ihnen ihr ,Weihnachtsfest’ nicht zu verderben. Aber, mein Gott, Weihnachten ist einmal im Jahr – und ich werde bald auch nicht mehr bei ihnen wohnen, sie hätten doch einfach zu irgendwelchen Bekannten gehen können, um dort gut zu essen. Warum haben sie von ihrer Tochter verlangt, die Trauer zu beenden, um das Fest des guten Essens zu retten...
Und ich weiß, dass es ihnen wehtut, dass ich nicht glücklich bin, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, dass sie nichts tun können. Aber das ist in meinen Augen keine Liebe. Sie wollen nur kein schlechtes Gewissen mehr haben. Aber das hatten sie schließlich auch nicht, als sie ihn ablehnten und ihm alles Mögliche vorwarfen – dafür haben sie es jetzt. Das ist doch mal ein schöner Ausgleich. So ein bisschen Karma...
Sie wollen kein schlechtes Gewissen haben! Kann man egoistischer sein? Sie haben keinen Augenblick die Frage, was die Trauer mir bedeutet! Sie wollen sich nur selbst wieder gut fühlen – das ist schon fast alles. Ja, sie ,wollen nicht, dass ich leide’, mein Gott! Als ob Leiden das schlimmste wäre! Vielleicht wäre es ja viel schlimmer, nicht zu leiden – haben sie sich das schon mal überlegt?
Aber ich weiß, warum sie das nicht verstehen können. Weil sie die Seele nicht kennen. Weil sie Angst davor haben. Und weil sie nicht bereit dazu sind. Und all das hat er mir beigebracht. Alles – eigentlich überhaupt alles. Alles, wofür es sich überhaupt weiterzuleben lohnt. Wäre ich nur wie meine Eltern, ich hätte mich eigentlich umbringen müssen. Sie sollten ihm also dankbar sein, dass ich noch am Leben bin...!
...
Leseprobe 2
Ich musste wissen, wie das ist, mit der Wiedergeburt. Mit dem Leben nach dem Tod. Ich musste wissen, was passiert. Was ihm jetzt passiert...
Zuerst ... habe ich im Internet nachgeguckt. Aber ich konnte das nicht lesen. Es ging nicht! Es war alles so ,sachlich’ beschrieben – wie eine Information! Ich versuchte mein Bestes, aber ich konnte nicht, es ging nicht...
Dann habe ich bei der ,anthroposophischen Stelle’ hier angerufen und gesagt, dass ich jemanden brauche, der es mir erklärt! Als die Frau am Telefon merkte, dass ich völlig verzweifelt war, gab sie mir die Telefonnummer von jemandem. Zu dem durfte ich dann tatsächlich kommen. Das war so ein alter Anthroposoph, der lebte mit seiner Frau in so einer großen, alten Mietwohnung, die für fünf gereicht hätte, alles voller Bücher, irgendwie sehr gemütlich ... und der zog sich dann mit mir in sein ,Arbeitszimmer’ zurück...
Und ich durfte drei Stunden lang alles fragen, und er hat mir alles erklärt, beeindruckend...
Ich sagte ihm, dass ein sehr lieber Mensch gestorben sei, womit ich überhaupt nicht zurechtkäme.
Er sprach dann über Körper und Seele, und ich sagte, das wisse ich schon. Da war er erstaunt und fragte, woher. Und ich sagte, dass dieser Mensch auch Rudolf Steiner gelesen hatte und mir viel beigebracht hätte. Und da fragte er, was ich nicht wisse – und ich sagte: Alles ab dem Tod...
Und dann begann er mit der ,Lebensrückschau’, die etwa drei Tage dauere. Ein großes Panorama, des ganzen Lebens... Und ich dachte daran, dass unser Leben ja nur fünf Monate gedauert hatte ... und ich fragte mich, wie es für ihn dann wäre... Ob ich ein winziger Teil dieses Panoramas wäre ... oder doch mehr... Aber ich traute mich nicht, zu fragen, denn dann hätte ich erklären müssen, dass wir uns geliebt hatten...
Dann sprach er über die ,Zeit der Läuterung’. Dass man dort alles erlebt, was geschehen ist, aber aus der Sicht des Anderen, dem man zum Beispiel etwas angetan habe. Man erlebt nun die Gefühle dieses Anderen, gleichsam wie seine eigenen. Den Schmerz eines Anderen wie den eigenen... Und dies ,verbrenne’ gleichsam alle Selbstsucht. Und in irdischer Zeit dauere all dies etwa ein Drittel des Erdenlebens, etwa die Zeit, in der man im Leben geschlafen habe – wo man auch in der geistigen Welt gewesen sei.
Ich rechnete nach: siebzehn Jahre! Aber ich sagte, bei ihm sei es bestimmt kürzer, weil er überhaupt nicht selbstsüchtig gewesen sei. Er lächelte und sagte: Es ist nicht kürzer. Es betrifft doch alle Taten, auch die guten. Ich fragte: Aber wieso dann ,Läuterung’. Er musste mir Recht geben und meinte, in dieser Hinsicht sei es vielleicht auch eine Zeit der ,Belohnung’, wenn man erleben dürfe, wieviel Segen man vielleicht auch verbreitet habe, was aber natürlich seltener sei.
Ich musste daran denken, wie er mir von seiner Ehe erzählt hatte. Er hatte auch hier tiefe Selbstzweifel. Seine Frau sei ursprünglich sehr lebendig und spontan gewesen – später dann aber konzentrierte sie sich immer mehr auf eine Karriere und verließ ihn dann für einen reichen Anwalt... Er glaubte, er habe sie mit seinem so anderen Wesen enttäuscht und ihren schrecklichen Wandel indirekt verursacht... Eine Zeitlang habe sie sich seiner ,angenommen’, dann aber bemerkt, dass sie eine sehr falsche Entscheidung getroffen hatte, ein Kind hatte sie dann ja auch noch gewollt ... und dann sich in die Karriere geflüchtet, auch, weil eine Freundin erst in die Armut gerutscht war und sich dann umgebracht hatte. Aber sich gab er an alledem die meiste Schuld...
Wenn seine Frau das auch gedacht hat, würde das bedeuten, dass er die ganze Zeit noch einmal aus ihrer Sicht erleben musste ... schrecklich!
Ich fragte den Mann, wie es wäre, wenn der andere Mensch sich aber irrt... Ich machte Andeutungen... Er sagte, das spiele keine Rolle, denn die Empfindungen, die ein Anderer mit einem gehabt habe, seien etwas Objektives geworden, sie würden genau so erlebt werden – und nur dadurch könne man sie letztlich auch beurteilen, selber. Um sein Leben zu beurteilen, sei es wichtig, zu wissen, was der Andere empfunden habe.
Aber hier gerieten wir schon in eine Diskussion! Denn mir lag an jedem einzelnen Punkt so viel... Ich fragte, was wäre, wenn der andere Mensch in seiner Seele gar nicht so unschuldig wäre wie dieser Mann? Wenn er dem Anderen, also ihm, die Schuld gäbe, obwohl es gar nicht so wäre? Wieso müsste man das trotzdem alles erleben, selbst dann, wenn man ganz unschuldig wäre...? Darauf wusste er auch keine richtige Antwort.
...