Eigene Bücher
Von der Heiligkeit der Sprache
Holger Niederhausen: Von der Heiligkeit der Sprache und den zärtlichen Mysterien der Begegnung. Niederhausen Verlag, 2026. Paperback, 344 Seiten, 18,90 Euro. ISBN 978-3-3848-8668-2.
► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.
Erschienen am 1. Mai 2026. > Bestellen: Tredition | Amazon < > Reaktionen und Rezensionen <
Inhalt
Erst die Sprache macht den Menschen zum Menschen. Und gleichzeitig wird sie immer mehr vergewaltigt – in jedem Moment. Die Sprache ist aber der Spiegel der Seele... Jedes wahrhaft aufrichtige Eintauchen in die Sprache kann nur zu einer immer tieferen Sehnsucht nach einer inneren Entwicklung führen und setzt sie umgekehrt auch bereits voraus. Die Sprache aber offenbart Heiligstes – bis selbst sie an ihre heiligen Grenzen kommt. Dann aber ist die Seele bereits bis ins Innerste verwandelt... Wie tief dies gehen kann, offenbart die Gestalt des wahrhaftigen, reinherzigen Mädchens, die unbeirrbar in das Reich heiligen, tiefen Empfindens hineinführt.
Über dieses Buch
Dieses Buch führt die lesende Seele in den großen, weiten Kosmos der Sprache. Beginnend bei vielen scheinbaren ,Kleinigkeiten’, wird die Seele doch sofort in tiefe Entdeckungen hineingeführt, die unmittelbar zu einem immer mehr sich vertiefenden Erleben führen können, wie gerade die deutsche Sprache in wirklich heiligstem Sinne eine Sprache der Seele ist.
Parallel wird die Seele in anderen Kapiteln tief in das Bewusstsein ihres Verrates geführt – des Verrats der modernen Seele an sich selbst. Tief entfaltet dieses Buch eine schonungslos aufrichtige Diagnostik unserer ganzen Zeit, deren Krankheit dazu führt, dass die Sprache vergewaltigt werden muss – es geht gar nicht anders, solange die Krankheit bestehen bleibt... Mit dem immer tieferen Erleben und Begreifen dieser Krankheit kann aber auch die Sehnsucht nach Heilung wachsen...
Auch das Heilende wird tief erlebbar – in Gestalt des Mädchens mit einem reinen Herzen. Wer meint, dies gar nicht zu ,brauchen’, wird in diesem Buch immer wieder mit der Erkenntnis konfrontiert werden, dass er/sie selbst dann noch immer den vollen, den heiligen Ernst ablehnt. Niemand muss sich mit ganzem Herzen in dieses Mädchen verlieben – aber dieses Buch schenkt einem die Möglichkeit ... und auch das Verstehen dessen, warum gerade dies heilender wäre als jeder andere Weg...
Ein zweiter Teil versammelt dann in ungeheurer Dichte und Tiefe Zeugnisse, in denen sich Sprache heilig offenbart – und in die man zunehmend berührt eintauchen kann. Es sind verschiedenste Passagen meiner Romane, in denen sich das Heiligste überhaupt offenbart: Die reine Seele und das von ihr ausgehende Wunder der Begegnung.
Dass es so oft die Begegnung zwischen einem Mann und einem Mädchen ist, liegt in dem Wunder selbst. Keine Begegnung ist erschütternder in ihrer Zartheit und Verletzlichkeit, und dies liegt an dem Mädchen ... und was es in der Seele des Mannes auslöst, an heiliger Verwandlung... Diese Begegnungen sind ein Urbild. Ein heiliges Urbild dafür, was Begegnung sein könnte, auch anderswo. Hier aber geht dies bis in alle Tiefen – und wer, vielleicht zunächst trotz aller Vorurteile, darin einzutauchen vermag, wird grenzenlos beschenkt werden, wahrhaft grenzenlos...
Und er wird begreifen ... die Heiligkeit der Sprache.
Und der Seele. Er wird das Mysterium erleben können. Das Wunder.
Leseprobe 1
Nehmen wir ein Wort wie Gerechtigkeit. Im Deutschen hat es unmittelbar zu tun mit dem ganzen Bedeutungsfeld ,gerade, aufrecht, aufrichtig, rein’, ist also unmittelbar moralisch! Das englische ,justice’ kommt wieder aus dem Lateinischen – und ,ius’ bedeutet prototypisch das ,Recht’. Auch wenn dies ebenfalls mit ursprünglich ,iustus’ = ,richtig’ zu tun hat, ist es trotz allem schon seit der Römerzeit ein sehr verrechtlichtes Bedeutungsfeld.
Für das deutsche Wort ,aufrichtig’ gibt es im Englischen erneut nur das lateinische Lehnwort ,sincere’.
All diese Beispiele zeigen, dass die englische Sprache für sehr vieles überhaupt keine eigenen Worte mehr hat – alles wurde von den Römern übernommen, und die realen Urbedeutungen sind heute längst vergessen und verloren, womit es einfach nur noch Vokabeln werden.
So ein wunderschönes Wort wie ,Wohlwollen’ hat im Englischen nur die Vokabel ,benevolence’ (erneut aus dem Lateinischen) oder aber ,goodwill’. Das deutsche ,Wohl’ steckt nur im Englischen ,well’, das in dieser Wortbildung aber gar nicht auftaucht...
Das Wort ,Liebe’ klingt bis in seine Vokale hinein im Deutschen unendlich rein... Im englischen ,love’ erscheint diese Reinheit bereits sehr eingetrübt. Noch frappanter ist die Vokalverschiebung zwischen ,Seele’ und ,soul’!
Überhaupt werden die wenigsten Worte im Englischen wirklich rein ausgesprochen – meist ist irgendwo die Zunge im Weg und der Mund ziemlich geschlossen, um die Laute abzudunkeln und den typisch englischen Akzent hervorzubringen. Das Deutsche wirkt demgegenüber immer wieder rein und lauter – hier ist keinerlei Verstellung, keinerlei Verschließung. Es ist, wie wenn die Sprache direkt aus dem Herzen käme. Fast möchte man sagen, es ist die Sprache der Mädchen!
Und auch ,Lauterkeit’ ist ein Wort, das gar nicht übersetzbar ist. Das englische ,integrity’ trifft nichts von den tieferen Nuancen, die sich auf das Mysterium der Läuterung und des reinen, lauteren Leuchtens beziehen – zumal das Deutsche dieses Wort sehr wohl auch kennt.
,Mut’ wiederum hat erneut mit diesem Zentralwort ,muot’ zu tun, das auf die gesamte Seele deutet – ,Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’. Das englische ,courage’ hat immerhin noch mit dem Herzen zu tun (lat. cor), und doch ist die Bedeutung bereits viel verengter!
Und wie viele weitere Worte gibt es rund um dieses Seelenwort! Nicht nur die Anmut, auch den Unmut, die Vermutung, die Zumutung, den Übermut, die Mutmaßung – im Englischen gäbe es dafür nur ein Sammelsurium von Vokabeln, für die das Deutsche erneut sehr wohl auch noch andere Entsprechungen hätte.
Ein weiteres Zentralwort im Deutschen ist Trau/Treu – Trauen, Vertrauen, Zutrauen, anvertrauen, Treue, Betreuen, treuherzig, getreu... Es geht um einen bis ins Innerste der Seele reichenden Glauben und eine heilige Verbindung...
Und im Englischen? Da gibt es dann zwar immerhin das ähnliche, aber klanglich schon viel seltsamere ,trust’, dann aber so verschiedene andere Vokabeln wie ,marry’, ,loyality’, ,care’, ,faithful’ – für die das Deutsche auch wieder Entsprechungen hat.
Interessant ist auch das Wort Freude. Während es im Deutschen ein Glücksgefühl bezeichnet, das unmittelbar aus der Seele hervorgeht, aber auch sehr innerlich sein kann, meint das englische ,joy’ etwas sehr Ähnliches, kommt aber wieder vom lateinischen ,gaudium’, das bereits anzeigt, dass es auch schnell zum bloßen ,Vergnügen’ herabsinken kann. Noch mehr gilt dies für ,pleasure’. Und ,happy’ wiederum hat zu tun mit ,happen’, also eher äußerlich-schicksalshaftem Glück (,luck’).
Das Englische kennt auch viele Zusammensetzungen gar nicht. So ein wunderbares Wort wie ,liebe-voll’ kann im Englischen nur mit dem gewöhnlichen Adjektiv ,loving’ umschrieben werden. Dasselbe ist der Fall für ,verständnisvoll’ (understanding), geheimnisvoll (mysterious), geräuschvoll (noisy) und unzählige andere Worte.
Das Deutsche ist voll von Bedeutungen, die noch ganz unmittelbar empfunden werden können.
Gleiches gilt ja für andere Zusammensetzungen: verständnisarm (,poor in understanding’), geräuscharm (quiet?), gerechtigkeitsliebend (justice-loving?) und so weiter. Und Worte wie verständnisinnig sind erneut völlig unübersetzbar...
Und während im Deutschen diese Zusammensetzungen neue, völlig eigenständige Worte sind, geht es im Englischen nur mit Bindestrich – es bleibt eine ziemlich äußerliche Kombination: nicht ,friedliebend’, sondern nur ,peace-loving’. Und nicht einmal das Wort ,eigen-ständig’ ist in diesem Zusammenhang wirklich übersetzbar...
Tauchen wir ein in das Wesen der Seele, so offenbart sich, dass das Englische gar kein wirkliches Wort für Wesen hat! Es gibt nur die Vokabel ,being’ – also eine Seinsform, etwas, was Sein hat. Aber welches Sein, kann gar nicht ausgedrückt werden! Allenfalls gibt es noch das Wort ,nature’ (Natur), aber das trifft es eben auch nicht.
...
Leseprobe 2
[...]
Von all dem will heute niemand mehr etwas wissen, dennoch ist es hier Sprache, lebendiges Geschehen geworden! Die Sprache geht an ihre Grenzen. Was ist das Mysterium? Was ist die heilige Bestimmung der Seele? Das Heiligste muss man auf heiligste Weise empfinden – nur dann lebt man in der Wahrheit.
In einer seiner ,Xenien’, die den Titel ,Sprache’ (!) trägt, dichtete Schiller:
Warum kann der lebendige Geist dem Geist nicht erscheinen?
Spricht die Seele, so spricht ach! schon die Seele nicht mehr.
Was bedeutet das? Es bedeutet, dass das, was die Seele eigentlich in sich trägt, im Grunde absolut unsagbar sei. Wo die Seele zu sprechen beginnt, da veräußert sich das Innere bereits ... und ist schon nicht mehr das, was es war.
Jeder, der einmal versucht hat, heiligste Empfindungen mit einem anderen Menschen zu teilen, kennt dieses Erleben. Man kennt auch den Ausdruck ,etwas zerreden’ – aber in strengem Sinne werden heiligste Erlebnisse bereits dann zerredet, wenn man auch nur den Mund aufmacht. Darum öffnen Liebende den Mund oft nur, um einander zu küssen...
Und ist es die größte Sehnsucht der Liebenden, einander unmittelbar von Herz zu Herz zu verstehen.
Aber die heilige Aufgabe der Sprache ist es, ,Kleid’ für Seele und Geist zu sein! Unser Leib offenbart die Seele oft nicht aufrichtig und ganz – aber unsere Augen können dies ... und auch die Sprache vermag dies. Sie vermag so rein zu werden wie der Blick eines unschuldigen Mädchens. Wir müssen sie nur wieder heiligen – und selbst innerlich zutiefst wahrhaftig werden!
So, wie das durchsichtige Wasser sich allem anpasst – und zugleich die größte Schönheit offenbaren kann, in jeder kleinsten Schneeflocke, in jedem Regenbogen, so kann auch die Sprache alles offenbaren, die zartesten Mysterien ... es muss ihr nur ernst sein.
Die heiligsten Gedanken, die allertiefsten und allerzartesten Empfindungen, die hingebungsvollsten Willensregungen – die Sprache ist bereit, wie ein heiligster, zartester, hingebungsvollster Spiegel alles aufzunehmen, was die Seele ausdrücken möchte.
Im Grunde ist die Sprache selbst bereits Geist und Seele – wer könnte sie ausdrücken, wenn nicht die Sprache?! Sie ist die heiligste und edelste und hingebungsvollste Dienerin des Menschen – und ist selbst der Mensch und sein heiligstes Bild! Der heiligste Gedanke, das edelste Gefühl – alles, was den Menschen ausmacht, es kann ausgedrückt werden! Und so kann immer wieder die Sprache dem Menschen das Wunder vermitteln, das er selbst ist. Kann ihn aus dem Vergessen reißen. Aus dem Schlaf, aus der Verzweiflung, aus der Blindheit, aus dem inneren Tod.
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