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Das Jahr des Mädchens

Holger Niederhausen: Das Jahr des Mädchens. Vom heiligen Weg der Seele. Books on Demand, 2019. Paperback, 292 Seiten, 12,90 Euro. ISBN 978-3-7481-4170-9.


Erschienen am 8. Januar 2019.              > Bestellen: Books on Demand | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen < [noch keine]

Inhalt


Ein Tagebuch als heiliger Führer in die Mysterien der Seele – seine Schreiberin ist das Mädchen. Sein reines Herz ist mit den Himmelskräften innig vereint. So offenbart das Jahr des Mädchens eine Tiefe des Empfindens und der Gedanken, die wie der sanfte Zauber des frühen Morgens die Seele, die sich dafür öffnet, überwältigen kann – und so errettet, indem es die Mauern der Oberflächlichkeit durchbricht und das wahre, heilige Seelenwesen befreit.

Über dieses Buch


In vielen Herzen lebt eine Sehnsucht nach einem Weg, den die Seele gehen kann – nach einem Weg, der eine innere Entwicklung bedeutet, eine Vertiefung, ein sanftes inneres Wachstum des ganzen Wesens.

Die Seele empfindet eine Sehnsucht nach einem Wachstum, das das volle Gegenteil des äußeren, heute überall herrschenden Wachstums-Begriffes bildet. Denn das, was sie entbehrt und doch fühlt – dass es dies geben muss, dass dies möglich sein muss –, ist ein Wachstum nach innen. Es geht um zarte innere Prozesse, die wenig zu tun haben mit dem äußerlichen Begriff der ,Selbstverwirklichung’ oder auch irgendeiner ,spirituellen Entwicklung’, die noch immer fein verbunden ist mit den Kräften des Selbstgefühls, des subtilen Stolzes oder verfeinerten Hochmuts.

Das wahre Wachsen der Seele führt diese immer mehr in ein heiliges Reich, in die Geheimnisse der Seelen-Tiefe, in das Wunder eines zunehmenden Ablegens all der gewöhnlichen Empfindungen, die das Alltags-Ich hat – und zu denen gerade die Abstraktheit, die Empfindungs-Armut und der subtile Hochmut dazugehören.

Es gibt einen Weg, auf dem die Seele dies alles ablegen kann, mehr und mehr – um immer mehr zu spüren, wie schmutzig, wie hässlich dieses ,Alltags-Kleid’ ist, mit dem sie so sehr verwachsen war. Und es gibt einen Weg, auf dem ihr zart und gleichsam mit einer heiligen Sanftheit allmählich etwas Neues zueigen wird – weil sie in ihren Regungen, ihren Empfindungen, ihren Gedanken, in ihren Willensregungen, immer sanfter wird, immer mehr eine heilige Sphäre entdeckend und mit ihrer Wirklichkeit immer mehr zusammenwachsend.

Alles hier Gemeinte ist kaum in Worte zu fassen – denn es sind Geschehnisse, die über das Sagbare hinausgehen. Die Seele gewinnt ein innerliches Leben, das gleichsam so zart ist wie ein Schmetterlingsflügel – aber dieses höhere Leben lässt sie spüren, wie sehr sie zuvor eigentlich ohne Leben war. Alle wahre Sehnsucht ist ein Ruf, dieses Leben, diese inneren, zarten, heiligen Wandlungsprozesse zu finden...

Dieses Buch ist ein treuer Begleiter auf diesem Weg, Tag für Tag. Denn die Seele, die sich auf dieses Buch aufrichtig einlässt, lässt sich ein auf ... das Mädchen. Und eine treuere Begleiterin und Führerin ist nicht zu finden. Denn das Mädchen trägt den Himmel in seinem Herzen. So kann es die Seele lehren, was dies heißt und wie dies möglich ist – und nichts anderes tut es. Es nimmt die Seele, die ihm folgen will, mit auf seinen Weg – auf den Weg des Mädchens.

Jene Seele, die sich vom Wesen des Mädchens berühren lässt, wird mit tiefem Staunen bemerken können, was eigentlich ,Heiligkeit’ bedeutet – dieses Dem-Himmel-so-nah. Das Geheimnis der reinen Seele – das so sehr in den Märchen lebt. ,Weiß wie Schnee und rot wie Blut...’

Und wenn die Seele dieses Wunder begreift, dann empfindet sie auch immer mehr, wie der ,Weg des Mädchens’ in seinem tiefsten Grunde nichts anderes ist als der Weg der Seele überhaupt – nur haben alle anderen Seelen diesen Weg verlassen, das Mädchen aber nicht...

Deshalb kann das Mädchen diese sanfte Führerin sein – wann immer die Seele sich ihm anvertrauen will. Und wo immer sich eine andere Seele dem Mädchen hingeben kann, führt dieses auch sie in jenes Reich, in dem es fortwährend lebt, und zu jenem inneren Leben, das seine Seele fortwährend hat, wie ein Wunder...

Das Jahr des Mädchens – ein Jahr des Wunders und der Wandlung...

Leseprobe 1


Und die Seele selbst? Was für ein heiliges, unendliches Geheimnis ist denn sie! Allein schon die Tugenden. Allein schon jede einzelne Tugend! Ein Wunder! Woher kommt das? Woher kommt die Sehnsucht? Die Erkenntnissehnsucht? Woher hat der Mensch ein Herz, das doch so innig mit der Seele verbunden ist, als das heilige Organ des Fühlens? Woher hat die Seele ein Denken? Woher weiß sie, was das Gute ist? Woher kommt das? Wieso trägt ein Mensch dieses unendlich heilige Wissen in seinem Herzen? Wieso ist dieses heilige Geheimnis, das Geheimnis des Guten, so sehr eins mit dem Herzen? Was ist dieses große, große Geheimnis des Herzens, das zugleich das Geheimnis der Seele ist?

Wenn man mit solchen Fragen begonnen hat, hört es nie wieder auf. Und Erkenntnissehnsucht bedeutet nicht unbedingt, Antworten zu bekommen. Es bedeutet ein heiliges Sich-Versenken in die Fragen... Ein Eintauchen, ein Versinken, wie in einem Meer – ein heiliges Versinken in heiligste, tiefste Fragen. Es bedeutet heiliges, schweigendes Staunen...

Das könnte ein Widerspruch sein. Denn will nicht die Sehnsucht erkennen und nicht staunen? Aber es ist kein Widerspruch. Denn die Sehnsucht sehnt sich nach dem Ziel ihrer Sehnsucht. Das Ziel der Erkenntnis aber ist alles, auf das sie sich richtet. So ist die Erkenntnissehnsucht eigentlich Sehnsucht überhaupt. In der Erkenntnis vereinigt sich die Seele mit dem Erkannten. Es ist ein Prozess reiner Liebe... Deswegen geht es nicht um das schnelle Wissen, sondern um die Sehnsucht selbst. Erkenntnis, die nicht auf ihrem Weg zum Ziel Liebe wird, hat überhaupt keinen Wert. Deswegen ist ,Erkenntnissehnsucht’ ein schwieriges Wort. Man muss die Betonung auf ,Sehnsucht’ legen. Und man muss spüren, was darin enthalten ist. Es ist eine Sehnsucht, die über ein heiliges Sich-Versenken und ein heiliges Staunen zu einer heiligen Liebe führt – und diese Liebe ist dann das Erkennen. Sie wird eins mit ihm, weil sie eins wird mit dem Erkannten...

...

Leseprobe 2


Wenn man von einer schlimmen Welt in eine Kirche geflüchtet wäre – in einen Dom, einen heiligen, einen wunderschönen, mit alten Mauern, die aber wunderschönes Leben in sich tragen, weil die Steine atmen und weil die Steine lebendiger sind als die Seelen draußen... Und wenn man dann die ganze Atmosphäre spüren würde – diesen unglaublichen Frieden, diese gesegnete Ruhe, die aber wiederum ganz und gar lebendig ist, voller Leben, aber voller Leben, das Frieden ist... Gesang der Engel ... selbst wenn man ihn nicht hört, aber man fühlt den Frieden, und dieser ist wie Gesang. Die Seele stimmt ein, weil sie nicht anders kann, als sich mitführen zu lassen – von diesem lebendigen Frieden und in diesen lebendigen Frieden.

Und wenn alle Worte nicht reichen, weil sie ja doch nicht ausdrücken können, was man eigentlich sagen will. Und wenn man sich wünschte, genauso lebendig schweigen zu können wie die Steine – oder wie die Engel, die man nicht hört, die aber trotzdem singen, und doch ist die Seele ganz durchklungen von einem schweigenden Frieden...

Wenn also alles dies so wäre – dass man gar nichts mehr erklären könnte, weil alle Worte ihren Sinn verlieren, oder, besser ausgedrückt, wenn der Sinn so groß wird, dass die Worte ihn nicht mehr fassen können, nicht einmal mehr ansatzweise, weil man Kübel von Worten bräuchte, um auszudrücken, was ein Wort ausdrücken müsste, weil schon ganze Himmel von Sinn nachströmen – wenn man also, ob man will oder nicht, einfach nur noch hilflos verstummen muss, obwohl man mehr denn je ausdrücken wollte...

Und wenn das Atmen und Leben der Steine sich vertieft und der ganze Dom ein einziges Heiligtum wird, und man jetzt überhaupt erst zum ersten Mal wirklich begreift, was eigentlich heilig ist – und der Frieden, er weitet sich aus zu einem heiligen Strömen, einem flüssigen Regenbogen, der durch alles hindurchströmt, Licht, Klang, Frieden und alles in einer Schönheit, die man nie zuvor gekannt hat, weil man nichts zuvor gekannt hat, wie es scheint, und wenn dann der Dom kein Dom mehr ist, sondern das innerste Heiligtum des ganzen Kosmos, dessen unendlichen Sinn und unendliche Schönheit man jetzt begreift, weil man durchklungen ist davon – und wenn man alles, alles dies in ein Wort fassen müsste und man dann zuerst zu dem unendlich heiligen Wort Frieden käme – auch dies nun zum ersten Mal wirklich begreifend – und wenn sich dann aber dieses heilige Wort öffnen würde wie eine Blüte und wenn noch etwas käme, was noch heiliger ist, und wenn man dann begreifen würde, was wirklich die Liebe ist...

Und wenn man hinstürzen würde, auf die Knie, dies aber gar nicht bemerkend, und auch nicht bemerkend, wie einem die Tränen aus den Augen strömen, diese Diamanten des Kosmos... Und wenn die Liebe die Liebe begriffe...

Und wenn dann etwas die Tür dieses Heiligtums öffnete, die Tür des Doms, und wenn ein kleines Kind hereinschauen würde, und hinter ihm würde man die ganze Welt sehen – und man würde all dieses ... wofür es gar kein Wort gibt, sehen, all dieses unbeschreibliche Fehlen, diese Entbehrung, diese Welt, die wie ein mageres Gerippe darniederliegt, unendlich darbend, einfach unendlich, sie mag es gar nicht wissen, aber sie ist eine so absolute Ödnis...

Wenn man dies sähe... Und wüsste, dass die Erde nicht dazu bestimmt ist, sondern zu dem anderen, einfach zu dem anderen... Und man würde all dies durch den Schleier der Tränen sehen, die jetzt auch Tränen um die Erde sind...

Dann wüsste man, was die Sehnsucht ist...

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