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Hätte ich das gewusst...

Holger Niederhausen: Hätte ich das gewusst... Vom heiligen Ernst des Elternseins. Niederhausen Verlag, 2019. Paperback, 300 Seiten, 12,90 Euro. ISBN 978-3-7502-0540-6.


Erschienen am 18. September  2019.              > Bestellen: epubli | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen < [noch keine]

Inhalt


Was ist spirituelle Erziehung im 21. Jahrhundert? Dieses Buch macht Ernst mit den eigentlichen Grundlagen der Waldorfpädagogik. Von der Weisheit der Märchen über das Geheimnis der ,geliebten Autorität’ bis hin zum Idealismus der Jugend und einem tieferen Verständnis der Geschlechter reicht mit vielem weiteren der Bogen dieses Buches, das sich an alle Eltern und Erziehenden wendet, die nicht nur nach ,Rezepten’ suchen, sondern bereit sind, sich auf das große Abenteuer einzulassen: ,Alle Erziehung ist Selbsterziehung’ (Rudolf Steiner).

Über dieses Buch


Dieses Buch ist – einhundert Jahre nach der Eröffnung der ersten Waldorfschule am 7. September 1919 – ein Geschenk an alle Eltern und überhaupt erziehenden Menschen, um ihnen Mut für eine wahrhaft spirituelle Erziehung zu machen, die das wahre Wesen des Kindes ernst nimmt und ihm helfen will, sich mit seinen aus der Welt des Vorgeburtlichen mitgebrachten Impulsen zu inkarnieren – statt dazu beizutragen, diese zu verschütten.

Voraussetzungslos wendet es sich an alle Menschen – auch jene, die mit diesen Gedanken das allererste Mal in Berührung kommen. In einem ausführlichen ersten Teil führt das Buch zu diesem höheren Menschenbild, das den Materialismus gleichsam von innen her sprengt, überhaupt erst hin. Es untersucht die heute dominierenden Auffassungen und intellektuellen ,Ausflüchte’ und zeigt ihre absolute Beschränktheit auf. Dann nimmt es den Leser mit zu einem Erleben des real über-sinnlichen Wesens des Seelisch-Geistigen.

In großer Tiefe werden daraufhin die drei so charakteristischen ersten Jahrsiebte des Menschenlebens behandelt.

Die ersten sieben Jahre mit ihren Geheimnissen der Leibesentwicklung; dem schon hier notwendigen Mut der Eltern, dem Kind die geeignete physisch-seelische Umgebung zu schaffen; überhaupt selbst einen ganz neuen ästhetisch-moralischen Sinn auszubilden; dann auch in die Weisheit der Märchen einzutauchen, und den eigenen Zugang zum religiösen Empfinden zu entdecken oder zu vertiefen.

Die zweiten sieben Jahre mit der katastrophalen Situation des Schulwesens, das das höhere Wesen der Kinder nur begraben kann; mit den tiefen Grundlagen der Waldorfpädagogik; dem Geheimnis des Ätherleibes und seines Gegensatzes zum ertötenden Intellekt; dem so unendlich wesentlichen Geheimnis der ,geliebten Autorität’; tiefen und ausführlichen Hinweisen für die Selbsterziehung und einem ausführlichen Abschnitt zu Handys und Medien.

Die dritten sieben Jahre (oder vier bis zur ,Volljährigkeit’) mit dem entscheidenden Prozess der Entwicklung der wirklichen Fähigkeit zur Urteilsbildung und Wahrheitssuche; dem hier notwendigen tiefgreifenden Umschwung auch in der ganzen inneren Haltung der Erziehenden; dem grandiosen Wunder der Ideale und den umfassenden Hindernissen für ihr Aufleuchten; und schließlich dem Wunder der erwachenden Liebe und ihrem Zusammenhang mit der Welt der Ideale.

Ein abschließender Teil behandelt vertiefend das Geheimnis der Geschlechter.

Auf nur dreihundert Seiten lebt in diesem Buch eine Dichte, die es in sich hat und ihresgleichen sucht – allein schon im Hinblick auf den Ernst, mit dem hier auf die realen Grundlagen der Waldorfpädagogik zurückgegangen wird und keine Kompromisse mit dem Zeit(un)geist eingegangen werden, der alles Spirituelle verschütten will, bevor es überhaupt innerlich geboren wurde.

Dieses Buch wird ganz sicher auch Widerspruch auslösen – doch wird nach seiner Lektüre niemand mehr sagen können, er habe ,es nicht gewusst’. Was man damit anfangen wird, ist eine ganz andere Frage. Ohne Mut ist spirituelle Erziehung heute nicht mehr möglich. Dieses Buch verkündet keine Dogmen, es macht so gut wie möglich erlebbar, wovon es spricht, und zeigt Wege auf, dieses Erleben weiter zu vertiefen.

Jedem Leser, der es aufrichtig durcharbeitet, schenkt dieses Buch nicht nur tiefe Einblicke in das Wesen des Kindes, sondern auch in das eigene Wesen – und darüber hinaus in das Wesen unserer ganzen Zeit und ihrer die Kindheit angreifenden Impulse. So weckt es Bewusstsein in jeder Hinsicht – und macht Mut, jenen Weg zu betreten, auf dem man allein wahrhaft Erzieher werden kann: den Weg der Selbsterziehung.

Leseprobe 1


Jeder, der ein Kind erzieht, hat eine bestimmte Ethik, handelt nach bestimmten Grundsätzen, die zugleich Grundüberzeugungen sind. Wir sind dann grundlegend überzeugt von etwas. Diese Überzeugungen legen den Grund für alles andere.

Was sind das für Überzeugungen? Das kann die Überzeugung sein, dass kein Mensch, auch kein Kind, geschlagen werden darf, aus welchem Grund auch immer. Das absolute Recht auf körperliche Unversehrtheit – das kann so ein Grundsatz sein. Meist ist dieser dann verbunden mit dem Grundsatz, dass kein Mensch gedemütigt werden darf, dass er also stets geachtet werden muss – basierend auf der unmittelbaren Empfindung (vielleicht auch aus eigener Erfahrung), dass ein Geschlagenwerden demütigt. Die eigene Machtlosigkeit wird einem buchstäblich handfest bewiesen.

Ein weiterer Grundsatz könnte sein, dass man sich überhaupt nicht über einen anderen Menschen stellen darf. Auch nicht über ein Kind. Ja, dass ein Kind eigentlich ,kein Kind’ ist, jedenfalls nicht so behandelt werden darf, sondern als vollwertiger Mensch, so vernünftig und so ,auf Augenhöhe’ wie ein Erwachsener behandelt werden muss. Ich darf, so wäre dann dieser Grundsatz, ein Kind auch durch mein Verhalten ihm gegenüber, durch die Art, wie ich ihm gegenübertrete, nicht erniedrigen. Ein Kind darf sich nicht ,wie ein Kind behandelt’ fühlen.

Aber warum? Woher kommen diese Grundsätze? Was ist ihr jeweiliger Ursprung? Warum darf ich einen Menschen nicht demütigen? Warum darf ich ein Kind nicht wie ein Kind behandeln? Und die zweite, damit verbundene Frage ist: Was bedeutet ,demütigen’, was bedeutet ,wie ein Kind behandeln’ – wann ist etwas demütigend, wann ist etwas ,wie ein Kind behandeln’? Was ist das?

Bleiben wir zunächst bei der ersten Frage: Warum darf ich etwas nicht oder sollte, muss etwas anderes? Woher kommt dieses Erleben?

Und noch davor liegt die Frage: Erlebe ich es überhaupt? Oder habe ich diese Grundsätze nur als abstrakte Überzeugungen, Vorstellungen, vielleicht sogar nur von anderen übernommen und irgendwie eingesehen und nun zu meinen eigenen gemacht, weil mir nichts Besseres zur Verfügung steht?

Wir stehen hier an einem sehr wesentlichen Punkt: an der Unterscheidung von ,bloß übernommen’ und ,wirklich eigen’. Es ist nicht wesentlich, ob ich irgendetwas einem anderen verdanke, wir verdanken nahezu oder vielleicht ganz und gar alles anderen. Entscheidend ist, wie weit der Aneignungsprozess verläuft und wie tief man sich mit etwas – und zugleich auch umgekehrt: etwas mit sich selbst – verbindet.

Sicher kann man hier nur sein, wenn man bis zu jenem Punkt kommt, wo man beginnen kann, diese Prozesse und die daraus folgenden Zustände wirklich zu erleben. Damit geht ein Bewusstsein einher – ein wirklich neuer Zustand, der zugleich mit einem Selbst-Bewusstsein verbunden ist. Man wird sich nicht nur realer Tatsachen und Prozesse innerhalb des eigenen Wesens bewusst, sondern dieses Wesen wird sich auch selbst wahrhaft bewusst. Indem wir versuchen, innere Realitäten wirklich zu erleben, werden wir mit der Tatsache konfrontiert, wer wir überhaupt sind – nämlich seelisch-geistige Wesen in realstem Sinne. Das Seelisch-Geistige wird auf einmal als eine absolute Realität erkannt.

Dies ist jedoch nur möglich, wenn wir Ernst mit diesen gewissenhaften, inneren Prozessen machen, die man zunächst als ,Selbstreflexion’ bezeichnen könnte, die aber weit darüber hinausgehen. Es geht nicht darum, diese Prozesse auch wiederum irgendwie zu kategorisieren, denn dann würden sie in Wirklichkeit gar nicht geschehen, man würde sich dies alles nur vorstellen, ohne selbst darin einzutauchen. Es geht darum, wirklich in sich selbst einzutauchen und sich zu fragen: Woher habe ich diese oder jene Überzeugung? Woher kommt das? Und hier nicht nachzulassen, sondern unbeirrt diese Frage zu behalten, ja in gewissem Sinne zu sein. Herauszutreten aus einem abstrakten, bloß blass-gedanklich-intellektuellen Verfolgen dieser Fragen – und überzugehen in ein Eintauchen in diese Fragen mit seinem ganzen Wesen.

...

Leseprobe 2


Die Selbsterziehung ist fortwährend das essenzielle Element. Wir werden dem kleinen Kind gar nicht die richtige ,Stimmung’ für sein ganzes Aufwachsen schenken können, wenn wir sie nicht selbst tief in uns finden – als dasjenige, was das Kind in diesen ersten Lebensjahren innig braucht. Wieder können wir uns meditativ in die Vorstellung versenken und diese schließlich zu einer echten übersinnlichen Wahrnehmung steigern, dass das höhere Wesen des Kindes uns fortwährend darum bittet:

,Bitte lasst mich nicht in einer toten, entseelten Umgebung aufwachsen! Hört auf euer eigenes, feines Empfinden, um das ihr euch wegen mir so bemüht und wofür ich euch so unglaublich danke! Hört nicht auf das Urteil der Umwelt. Lasst euch nicht unsicher machen. Kommt euch nicht komisch vor. Schämt euch nicht vor den Augen der anderen, die nichts wissen. Ich sehne mich nach dem, was ihr so wunderbar versucht! Hört auf euer Herz ohne Kompromisse. Hört auf mein Bitten. Es ist meine Stimme, die ihr in euch hört! Ich danke euch so sehr...’

Diese Meditationen sollte man sehr ernst nehmen – denn nur so bekommt man wirklich ein Empfinden vom übersinnlichen, noch nicht voll inkarnierten Wesen des Kindes, das tatsächlich um die richtige Umgebung bittet und hofft, dass die Eltern den Mut finden, ganz in die reinen Intuitionen und Inspirationen einzutauchen, die das Kindeswesen – und mit ihm eigentlich die ganze Engelwelt – ihnen schickt, anstatt dem zu folgen, was davon abweicht, weil es nun einmal ,normal’ ist.

Dieser ,Strom der Normalität’ ist unglaublich mächtig und steht dem wahren Kindeswesen geradezu feindlich gegenüber. Wir leben in einer Welt, die nichts von diesem eigentlichen Kindeswesen zulassen will, die es im Gegenteil völlig vernichten will.* Und sie arbeitet mit machtvollsten psychologischen Mitteln, mit extremem sozialem Druck, der nicht mal offensichtlich sein muss. Aber allein schon das Gefühl, dass man mit allem allein stünde, ist fatal und kann bei vielen Menschen bereits einen absoluten ,Rückzieher’ auslösen, der das Wesen des Kindes verrät und sich blind und taub für dessen übersinnliche Bitten macht.

Ich muss auf diesem Punkt unglaublich beharren, denn er ist absolut entscheidend. Die meisten Eltern verraten lieber ihr Kind als ihren sozialen Status und das angenehme Gefühl, im großen Strom mitzuschwimmen, statt abgelehnt oder zumindest schief angesehen zu werden – und sei es, dass sich dies nur im eigenen Kopf abspielt. Man hat eine ungeheure Angst vor sozialer Ablehnung. Man hat schon Angst, etwas völlig anders zu machen als andere – und erst recht hat man Angst, das Unsichtbare, etwa das höhere, wahre Kindeswesen in die wirkliche Realität mit einzubeziehen, wenn die Umwelt sich dann so merkwürdig anschaut und einen wissen lässt, dass sie einen für verschroben bis verrückt hält.

Gegen diese gewaltig wirkenden Mechanismen muss man wirklich eine Entscheidung treffen. Man muss sich wirklich entscheiden – und darf dann auch nicht immer wieder neu zweifeln, denn dann haben diese Mächte gewonnen. Man muss durch ein begonnenes inneres Leben zu echten Erkenntnissen kommen, warum man etwas so und so tut. Man muss dahin kommen, sich sagen zu können: Ich weiß, dass das Kindeswesen mich um diese und keine andere Umgebung bittet. Ich weiß, dass diese Umgebung, diese Stimmung das wirklich Kindgemäße ist. Und ich lasse mich von dieser festen Überzeugung auch nicht mehr abbringen – und ich lasse mich von sozialem Druck auch nicht mehr verunsichern. Eher verachte ich diejenigen Kräfte, die mir meine Freiheit in dieser Entscheidung nehmen wollen, als dass ich mein Kind und meine eigenen Überzeugungen verrate.

* Gemeint sind hier nicht einzelne Menschen, sondern spirituelle Mächte, die hinter allen Impulsen, Tatsachen und äußeren Bedingungen stehen, die die Seele des Menschen ins Unmenschliche hineinführen. Mächte, die genau dies wollen, auch fortwährend tun und bereits weitgehend geschafft haben – man denke wieder an den Deutschen Idealismus und das heilige Menschenbild, das heute völlig beiseitegefegt ist. Viele Menschen glauben heute sehr selbstverständlich an Engel. Die Gegenmächte sind nicht weniger real. Ihr Hauptangriffsziel ist die Kindheit – denn nur dort sind die himmlischen Kräfte noch wahrhaft lebendig. Siehe auch die folgenden Seiten. Noch ausführlicher entwickelt habe ich die Frage der guten und der ,Gegenmächte’ in meinem Buch ,Die tiefste Sehnsucht’.

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