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Kleine Möwe

Holger Niederhausen: Kleine Möwe. Roman. Niederhausen Verlag, 2022. Paperback, 268 Seiten, 14,90 Euro. ISBN 978-3-7565-3389-3. 

► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.

Erschienen am 29. September 2022.              > Bestellen: epubli | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen <

Inhalt


Selbst sehr verletzlich auf der Suche nach Liebe, macht die 15-jährige Sina den dreimal so alten Verwaltungsangestellten Ingo in sich verliebt. Zwei völlig verschiedene Menschen prallen so aufeinander – und die radikale Suche des Mädchens nach Wirklichkeit mündet in einen der berührendsten und philosophischsten Liebesromane überhaupt

Über dieses Buch


Dieses Buch ist eine berührende Achterbahnfahrt durch tiefe Gedanken und ebenso tiefe Empfindungen – zumindest für die männliche Hauptperson, die der fünfzehnjährigen Sina auf höchst unkonventionelle Weise begegnet und von ihr unmittelbar aus aller Ruhe aufgescheucht wird, aber auch für dieses einerseits so selbstbewusste, andererseits so tief verletzliche Mädchen selbst – und keineswegs zuletzt für den Leser, der sich auf die äußere und innere Handlung einzulassen bereit ist.

Belohnt wird er mit einem Roman, der weit über übliche Bücher hinausgeht, indem er nämlich in die Tiefen seelischer Empfindungen hineinführt und, mehr als das, in eine Erkenntnis, wie sehr uns diese verlorengehen.

Und es wäre bereits das erste Vorurteil, zu glauben, dieser Roman beträfe ,nur’ die Frage einer Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einem Mädchen – und die Frage, ob eine solche überhaupt möglich, erlaubt, dauerhaft und anderes mehr sein kann. Aber auch hier taucht der Leser tief ein in die damit verbundenen Fragen, nebenbei auch in Fragen des Sexismus, der Evolutionsbiologie, der Vorurteile, der Denkschubladen und anderer Stolpersteine – sicherlich mehrfach auch solche der Leser selbst.

Dabei ist es immer wieder das Mädchen, das tiefste Fragen aufwirft – und mit manchen Bemerkungen den Mann fast zum Wahnsinn treibt. Mit einer sagenhaften, geradezu anmutigen Intuition legt sie immer wieder den Finger in unsichtbare Wunden – aber heilt diese andererseits auch.

Bereichert von der zarten Ironie des Mädchens, webt dieser Roman gleichsam einen philosophischen, existenziellen, romantischen, tabutheoretischen und auch zart erotischen, kostbaren Teppich – und führt in seinem Hauptstrom zweifellos in die wahren Tiefen der Seele, in die Fragen nach dem wahrhaft Wesentlichen und auch Wirklichen hinein. Und der Leser, der den beiden Hauptfiguren auf dieser Reise folgt, wird sich wahrhaft beschenkt fühlen. Nicht zuletzt wird er Eines noch einmal völlig neu verstehen und erlebend empfinden können: das heilige, geradezu bodenlose, abgrundtiefe Mysterium der Liebe...

Die Tiefe eines Romans, das wahre Geschenk, das er darstellt, lässt sich in noch so vielen Zusammenfassungen und auch Leseproben, die auch niemals die Höhepunkte geben werden, nicht erfassen – man muss es einfach zulassen, sich beschenken zu lassen, und sich selbst auf die Reise machen...

Leseprobe 1


„Du kannst es doch unmöglich ernst gemeint haben“, sagte er ernsthaft.

Nun war sie es, die ihm voll ins Gesicht sah, mit ihren unglaublich schönen, unglaublich verletzlichen Augen, die jetzt aber tatsächlich einen entschlossenen Sarkasmus zeigten.

„Wie schön, dass ihr Erwachsenen immer alles so toll wisst!

Er konnte aus ihren Augen und ihrer leisen Verachtung nur schließen, dass ihr Satz das Gegenteil von dem bedeutete, was er offiziell aussagte.

„Ich weiß es ja nicht“, gab er zu. „Es ist nur – – es ist nur – schlicht einfach nur – – unmöglich, verstehst du?“

Sie musterte ihn wieder. Ihre Verachtung nahm zu.

„In welcher Hinsicht?“

In welcher Hinsicht? Ihm wurde erneut heiß und kalt. Was wollte sie denn jetzt hören? Musste man das spezifizieren?

„In jeder Hinsicht“, stammelte er. „Ich meine – du – – wie alt bist du überhaupt?“

Jetzt lehnte sie sich zurück an die Banklehne und blickte geradeaus auf den Kinderspielplatz. Sie atmete hörbar aus und sagte fast triumphierend:

„Da haben wir es! Du hältst mich für ein Kind, stimmt’s? Du glaubst, ich bin ,klein’ oder so etwas. Oder ... oder du willst mit so was einfach nichts zu tun haben. Ich bin dir zu jung. Du denkst, du kriegst Ärger oder so etwas. Oder vielleicht gefalle ich dir auch einfach nur nicht.“

Erneut war er von all diesen ,Gründen’ völlig überwältigt. Er hatte überhaupt keine Zeit, sie einzeln nachzuprüfen – doch sein Gefühl sagte ihm unmittelbar, dass nicht Weniges davon zutraf.

„Sag mal –“, setzte er wieder an, doch der bessere Teil seines Verstandes entsann sich, dass er sie mit der Fortführung dieses Satzes erneut verletzen würde. Er stoppte sich und sagte stattdessen hilflos:

„Was soll ich denn sonst tun?“

Dann ergänzte er schnell:

„Ich meine, was stellst du dir denn vor? Du bist doch eindeutig zu jung – oder ich zu alt, je nachdem, wie man es betrachtet. Was stellst du dir denn vor?

Sie sah ihn vorsichtig an, ein leises Lächeln spielte kurz um ihre Lippen – aber es war nicht spöttisch, eher warm, eher auch wiederum verletzlich.

„Beginnen wir doch mit dem letzten Punkt“, sagte sie trotz allem selbstsicher in der momentanen Situation dieses Gesprächs, das ihn noch immer völlig überforderte. „Gefalle ich dir – oder eher nicht?“

Erneut trieben alle Haltetaue von ihm fort, an denen er glaubte, sich festhalten zu können.

„Worauf willst du denn überhaupt hinaus? Worum geht es hier eigentlich? Was hat das denn damit zu tun?“

„Nicht das Unwesentlichste, denke ich doch“, erwiderte sie einfach.

...

Leseprobe 2


„So gesehen hast du Recht. Das muss ich auch mal sagen. Jetzt verstehe ich auch noch mehr, was mich an den Jungen so unglaublich stört. Ich wusste ja immer, dass sie primitiv sind – jetzt weiß ich auch, warum.“

Er lächelte. Seine kleine Amazone...

Plötzlich kam ihm ein Gedanke.

„Aber wenn das so ist – dann erweitert das unsere Frage doch total! Wir haben bisher nur das Denken betrachtet – Denken und Wahrnehmung. Und die gesamte Philosophie hat sich nur um das Denken gekümmert. Warum eigentlich? Das Fühlen wurde sehr bald ganz ausgeschieden, da es ja doch nur als subjektiv galt. Was aber, wenn die Welt ohne das Fühlen genauso unmenschlich würde, wie ohne das wirkliche, wahre, reine, echt philosophische Denken? Was, wenn man ohne das voll ausgebildete Fühlen nicht weniger außerhalb der Wirklichkeit steht, ja eine unmenschliche Wirklichkeit schafft, wie ohne das wirkliche Denken? Was, wenn man ein noch so gescheiter Denker sein könnte – aber ohne das Fühlen noch immer das Menschliche und damit die Wirklichkeit total verfehlen würde?“

Sie schwieg zustimmend, und er fügte noch hinzu:

„Und du – du bist mit deinem bedingungslosen Fühlen, mit dem ich dich bereits kennenlernte, ganz im Gegensatz dazu unbedingt auf dem Weg des Menschlichen und auf dem Weg der Wirklichkeit...“

„Du hast Recht, Ingo! Ich meine – ich habe mich auch, ich weiß gar nicht wie oft, darüber aufgeregt, dass das Fühlen subjektiv sein soll, ich meine, dass es dadurch ganz unwichtig sein sollte. Ich glaube sogar, gegen diese angebliche ,Wahrheit’ habe ich mich mehr aufgelehnt als gegen jede andere Behauptung! Und jetzt könnte man sogar sagen, denn so verstehe ich das jetzt: Die Behauptung, das Fühlen sei subjektiv oder unwichtig, ist der größte Sexismus der Menschheitsgeschichte! Wirklich der allergrößte – und offenbar bis heute unbemerkt! Man hat den Frauen immer vorgeworfen, sie würden nicht zur Wissenschaft taugen. Aber man hat nicht gesehen, dass die Männer mit ihrer ,Wissenschaft’ die Welt gerade kaputtmachen! Letztendlich ist es das doch. Nicht, dass die Wissenschaft nicht auch viele positive Ergebnisse hat. Aber wenn man sich umschaut, ist die Summe unter dem Strich doch deutlich... Der männliche Mensch hat es nicht geschafft, der Welt ein menschliches Antlitz zu geben – nicht wahr?“

„Nein, hat er nicht. Weitgehend zwar schon – aber die Tendenz zum Unmenschlichen hat er nie beseitigt, und diese drängt nun mächtig nach vorn, allein schon die bloßen Wirkungen des Materialismus.“

„Ich muss übrigens sagen...“, begann sie vorsichtig, „dass deine Wurst im Kühlschrank auch dazu gehört... Oder ist sie aus dem Bioladen? Für mich würde das übrigens kaum einen Unterschied machen. Ich bin Vegetarierin...“

„O je! Verzeih mir... Siehst du... Es muss sich so vieles, vieles ändern! Auch da bin ich zu bequem. Ich habe keinen Bioladen in der Nähe – und schon... Siehst du... Ich schäme mich in Grund und Boden! Es ist wahr – wir Männer sind wirklich das Letzte...!“

„In Bezug darauf sind viele Frauen und Mädchen genauso, Ingo. Es ist einfach viel, viel zu wenig Bewusstsein da... Man interessiert sich zu wenig dafür.“

„Aber das ist auch wieder eine Gefühlssache. Bequemlichkeit ist letztlich ein Mangel an Gefühl.“

„Du hast Recht. Ja, das stimmt...“

...