Eigene Bücher

Copyright-Hinweise zum Bild hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mädchenklima

Holger Niederhausen: Mädchenklima. Roman. Books on Demand, 2019. Paperback, 240 Seiten, 9,90 Euro. ISBN 978-3-7494-6490-6.


Erschienen am 30. April 2019.              > Bestellen: Books on Demand | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen < [noch keine]

Inhalt


Die sechzehnjährige Marja beteiligt sich an den Freitagsdemonstrationen zur Rettung des Klimas, ihre tiefen Empfindungen machen sie aber auch einsam. Ihre Freundin Lucie sorgt für zusätzliche Verwicklungen. Dann stößt sie auf Videos, die den menschlichen Klimawandel herunterspielen, und sucht intensiv nach der Wahrheit. Und ein junger Mann, der sich in sie verliebt, eröffnet ihr tiefe Einsichten in die Frage, was eigentlich ein Mädchen ist...

Über dieses Buch


Dieses Buch ist in mehrfacher Hinsicht eine Bewusstseinserweiterung. In berührender Weise verwebt es mehrere Handlungsstränge miteinander, die sich in ihrer Tiefe immer wieder gegenseitig ergänzen.

Da ist einmal die Frage der Klimaproteste – aber mittendrin Marja, dieses so empfindsame Mädchen, das sich zu allem so viele und auch tiefe Gedanken macht. Eine Frage, die ihr begegnet, ist bereits die nach den Möglichkeiten von Veränderung schon auf der Ebene der Aktionsform. Oder die Frage: Ist eine Menschenmenge auf einer Demonstration eigentlich schon eine Gemeinschaft, bloß weil das Ziel scheinbar ein gemeinsames ist? Wer bestimmt das Geschehen? Und wie ernst ist es jedem Einzelnen? Was passiert, wenn Widerstände kommen? Wie ernst ist dem Einzelnen heute überhaupt irgendetwas?

Dann ist da Marjas Freundin Lucie. Die beiden sind grundverschieden – und trotzdem so enge Freundinnen. Doch aufgrund von Marjas Seelentiefe führt dies zu wesentlichen Gesprächen. Marja kann vieles, was Lucie mit anderen Altersgenossinnen gemeinsam hat, nicht verstehen – und fragt immer wieder danach, wie auch umgekehrt Lucie vieles an Marja nicht verstehen kann und dies ebenfalls hinterfragt. Die daraus entstehenden Gespräche führen mitten hinein in das Mysterium der menschlichen Seele selbst – und der Jugendseele im besonderen, der heute in der Jugend verbreiteten Seelenhaltung mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Eine Kernfrage ist auch die nach Marjas Leiden an den Dingen – und nach dem Sinn des Leidens überhaupt. Hat dies einen Sinn? Oder ist dies nicht gerade sinnlos, wie Lucie glaubt? Denn macht man sich das Leben damit nicht gerade künstlich schwer? Oder lebt man so am Leben nicht vielleicht sogar gerade völlig vorbei? Tiefste Fragen, bewegt in den Gesprächen zweier Mädchen, die sich trotz ihrer großen Verschiedenheit so unglaublich gernhaben...

Plötzlich taucht auch die Frage nach der Wahrheit in Bezug auf das Klima auf – nach den Tatsachen und ihrer Bewertung. Lucie und Marja stoßen im Internet auf Videos, die die Klimaproteste grundsätzlich in Frage stellen. Wird Greta manipuliert? Ist alles nur ein ungeheurer Alarmismus? Überschätzen die Forscher in grandioser Hybris und durch bereits falsche Ausgangsthesen den Einfluss des Menschen auf das Klima, das sich über Jahrmillionen auch ohne den Menschen immer wieder geändert hat? Marja macht sich mit einer Leidenschaft ohnegleichen auf die Suche nach der Wahrheit...

Und dann ist da auf einmal noch ein junger Mann, dem sie indirekt durch Lucie – die schon zuvor für andere Verwicklungen gesorgt hatte – begegnet. Dieser Mann, acht Jahre älter als sie, hat sich offenbar in sie verliebt, offenbart ihr aber auch eine völlig andere Sicht auf die Liebe eines Mannes zu einem Mädchen, als sie erwartet hat. Vergöttert er sie etwa, wie Lucie meint, oder sind solche Urteile nur für die wahre Realität blind, wie dieser Mann ihr zu erklären versucht? Auf jeden Fall werden die Dimensionen immer tiefer – und schließlich wird sogar deutlich, welche Dimensionen die Klima-Frage eigentlich hat, die davon nämlich überhaupt nicht unberührt ist.

Ein Roman, der in die Mysterien der Seele, der Freundschaft, der Jugend, des Männlich-Weiblichen und der Zukunft der Menschheit hineinführt.

Leseprobe 1


,Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut! Wir sind hier, wir sind laut...’

Der vielstimmige Chor der Schülerinnen und Schüler ergoss sich über den Platz der Abschlusskundgebung, der sich nahe des Regierungsviertels befand und von einer freundlichen Märzsonne überstrahlt war.

Sie rief die Worte mit. Sie war Teil des Ganzen – eine von vielen tausend Schülerinnen und Schülern, die heute hier waren, um gegen Verantwortungs- und Tatenlosigkeit ihre Stimme zu erheben. Jahrelang hatten auch sie geschlafen, so schien es. Man hatte es irgendwie gewusst, aber man hatte doch geschlafen. Man war ja auch noch so jung gewesen. Man hatte den Großen vertraut – den Erwachsenen, den Eltern, den Politikern.

Vieles war schlimm in der Welt, das wusste man auch irgendwann – und immer mehr. Aber irgendwie kümmern sich die Politiker auch darum – dachte man. Und man dachte es so lange, bis die Erkenntnis dämmerte, dass Politik vielleicht das Gegenteil bedeutete: sich nicht zu kümmern. Dinge auszusitzen, zu verschleiern, zu verharmlosen, winzigste Maßnahmen zu Großtaten auszuschmücken und in Wirklichkeit nichts zu tun. Und diese schmerzliche Erkenntnis war der eigentliche Abschied von der Kindheit. Genauso hatte sie es erlebt: die Großen tun nichts. Und: ich bin erwachsen. Ich bin kein Kind mehr. Noch nicht erwachsen, aber allein – alleingelassen mit allen Sorgen und Nöten der Zukunft, denn die Großen tun nichts. Sie tun einfach nichts.

Ein gnadenloses Gefühl des Allein-gelassen-Seins, des Verrats – Verrats der älteren Generation an der jüngeren. Und dann die Erkenntnis: an allen jüngeren. An allen, die noch nachkommen werden. Auch sie war nur die erste, Teil der ersten Generation, die verraten wurde. Es würde auch alle anderen noch betreffen.

Und dann der Berg: der Berg ungelöster Probleme. Wie aus dem Nebel trat er allmählich in den Blick. Der Nebel der Kindheit löste sich auf und sichtbar wurde: der Berg. Ein Himalaya aus Problemen. Man wusste nicht, wo man anfangen sollte. Man konnte nur aufzählen, was man sah – zu sehen begann, weil die Kindheit nicht mehr ihre schützende Blindheit über einen hüllte. Kriege. Kriegsähnliche Zustände. Tod. Elend. Armut. Ungerechtigkeit. Ungleichheit. Wachsende Ungleichheit und Ungerechtigkeit, selbst in den reichsten Ländern, selbst in Deutschland. Naturzerstörung. Artensterben. Rücksichtslose Überfischung der Meere. Abholzung der Regenwälder. Anderer Wälder. Rücksichtsloser Anbau. Zerstörung der Böden. Ausrottung der Wildpflanzen. Mit ihnen der Wildtiere. Die Bienen. Überall Gifte. Überall Technik. Überall Asphalt und Beton. Immer weniger Natur – und auch diese war immer weniger Natur. Man arbeitete an künstlicher Intelligenz, aber nicht an der Rettung des Planeten. Man arbeitete an Konsum, nicht an Bewahrung und Heilung. Nur immer mehr ,Fortschritt’. Effektivität. Mobilität. Modernität. Wofür? Man entriss der Erde das letzte Öl, die letzte Kohle – und verheizte sie in die Atmosphäre. Und hier nun begann eine Entwicklung, die planetarische Ausmaße erreichte – Ausmaße, die selbst menschliche Reparaturbemühungen lächerlich erscheinen ließen. Die Veränderung des Klimas. Die Aufheizung der Erde. Das Steigen der Meere. Die Zunahme von Dürren und Stürmen. Die Zugrunderichtung des Planeten bis in die Atmosphäre hinein. Und alles nur durch blinde Rücksichtslosigkeit und Gier – Gier selbst da noch, wo die Blindheit beendet wurde und die Menschheit sehend wurde. Jetzt. Hier. Heute.

,Wir sind hier, wir sind laut...’

Unvermittelt traten ihr die Tränen in die Augen, während sie weiter mit den anderen die einprägsamen, eindringlichen Worte rief – und mit ganzem Herzen spürte, warum sie hier war, wofür...

...

Leseprobe 2


„Es geht nicht darum, frei zu sein, Lucie.“

„Nicht? Worum geht es denn dann?“

Das waren die Fangfragen. Nicht böse gemeint von ihrer lieben Freundin. Sie meinte nie etwas böse – nicht zu ihr. Aber die Fangfrage fing sie in ihrer eigenen Antwortlosigkeit. Sie konnte nicht begründen, was ... wahrscheinlich auch niemand anders begründen konnte, weil man etwas entweder selber einsah oder nicht einsah. Man konnte nicht begründen, warum ein Sonnenuntergang schön war. Es war nicht zu begründen.

„Wenn du jemanden liebst, Lucie, aber wenn er dich verlassen hat ... würdest du dann den ,Sack’ voller Gefühle und Gedanken auch schnell wieder loswerden wollen?“

Sie wusste nicht einmal genau, ob der Vergleich nun ein guter war, aber Lucie verstummte erstaunt, um kurz zu überlegen.

„Jaa... Schon...“, sagte sie etwas gedehnt, noch im Überlegen, aber schon mitten in der Antwort. „Ich würde jedenfalls nicht künstlich lange leiden. Ich würde mein Leben fortsetzen. Ich würde, wenn mich jemand verlassen hat, den Typen wahrscheinlich schnell wieder vergessen.“

Sie war doch etwas bestürzt, obwohl sie Lucie auch kannte.

„Schnell wieder vergessen – oder schnell wieder vergessen wollen?“

„Vergessen wollen. Und deswegen auch vergessen.“

„Also ganz einfach?“

„Weiß ich nicht. Aber eben auch nicht besonders kompliziert. Es wäre, wie es ist. Aber ich würde kein Problem daraus machen. Ich bin lieber Teil der Lösung. Also weiterleben. Neue Richtung einschlagen. Ein neuer Freund – oder eben auch mal keiner.“

„Ist das so einfach?“

„Ich denke, es ist so einfach, wie man es sich macht.“

„Es ist also mach-bar?“

„Na klar ist es machbar. Man macht es sich doch auch schwer. Das macht man doch auch selbst?“

„Das finde ich nicht.“

„Doch. Auf jeden Fall könnte man es leichter nehmen. Das könnte man auf jeden Fall tun.“

„Aber vielleicht will man es gar nicht.“

„Ja – siehst du? Das meine ich! Vielleicht will man es gar nicht. Dann will man es nicht – also will man es schwerer. Aber dann macht man es sich doch selbst schwer, oder nicht?“

„Ja, wenn du es so siehst...“

„Wie siehst du es denn?“

Sie dachte darüber nach.

„Ich weiß nicht. Ja ... was soll ich denn sagen? Wenn du es so siehst... Schwerer... Was heißt denn das? Ich weiß nicht, was ,schwerer’ heißt. Ich will nicht, wenn ich jemanden geliebt habe, ihn vergessen, bloß weil er mich vergessen oder eben verlassen hat...“

Lucie stutzte.

„Aber – du musst doch nicht darunter leiden!“

„Ja, ich muss nicht.“

„Aber – du willst?“

„Ja, vielleicht will ich...“

„Aber warum?“

Wieder dachte sie nach.

„Vielleicht, weil ich meine Liebe nicht einfach so wegwerfen will.“

„Was heißt denn wegwerfen? Du hast doch bis dahin geliebt? Reicht das nicht? Wenn er dich verlassen hat, nützt doch deine Liebe gar nichts mehr. Sie quält dich doch nur. Und solange du den blöden Typen noch liebst, der dich verlassen hat, kannst du auch niemand anderen lieben. Das heißt also, du lebst nur noch in der Vergangenheit. Nein – das möchte ich nicht.“

Sie schwieg.

„Würdest du dann nicht nach vorne gucken?“, beharrte Lucie.

...