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Die ... erste Unschuld

Holger Niederhausen: Die letzte erste Unschuld. Eine Apokalypse der Zärtlichkeit. Books on Demand, 2021. Paperback, 464 Seiten, 16,90 Euro. ISBN 978-3-7543-0531-7.

► Wichtiger Hinweis: Wer meinen würde, ich schriebe nur 'Mädchen-Bücher', der irrte essenziell - diese Mädchen sind Botinnen des immer verschütteteren Wesens der menschlichen Seele überhaupt.

Erschienen am 24. Juni 2020.              > Bestellen: Books on Demand | Amazon <              > Reaktionen und Rezensionen < [noch keine]

Inhalt


Die unschuldige Zoe spürt immer mehr, wie sie Licht in die Welt tragen will – sie droht jedoch am etablierten Schulsystem regelrecht zu zerbrechen. Mit einem sie zart verehrenden Freund kann sie auf die Waldorfschule wechseln. Dort aber werden die Fragen nur noch existenzieller. Immer mehr muss sie sich verweigern – bis sich ein Lehrer in sie verliebt. Zum ersten Mal fühlt sie sich verstanden, doch nun kulminieren die Probleme.

Über dieses Buch


Dieses Buch ist die Fortsetzung von ,Was bringt ihr das?’ und kann doch völlig unabhängig davon gelesen werden. Die mittlerweile vierzehnjährige Zoe zerbricht fast am heutigen Schulsystem und kann die toten, intellektuellen Stoffe und Aufgaben nicht mehr ertragen – denn in ihrer unschuldigen Seele lebt ein tiefer Liebeswille und eine geheimnisvolle Erkenntnis der Lebenskräfte und des die Welt durchwebenden Lichtes, und alles Intellektuelle, nicht wirklich Menschliche empfindet sie immer mehr wie seelisches Gift.

Einzige Hilfe und alleiniger Trost sind ihr zunächst nur die langen und tiefen Gespräche mit ihrer bereits sehr alten Großmutter. Als sie mit ihrem Freund Tom, der sie seit einiger Zeit auf zarte Weise verehrt, auf die Waldorfschule wechseln kann, scheint dies eine Art Rettung für Zoe zu sein – aber schnell wird deutlich, dass die Probleme hier vielfach die gleichen sind. Für Zoe spitzen sich diese Fragen immer mehr zu, denn trotz allen Bemühens findet sie keinen Zugang zu dem auch hier viel zu intellektuellen Ansatz. Sie verweigert sich vielen Unterrichten hilflos und wird schließlich regelrecht krank.

Während dieser Krankheit hat sie eine Christuserfahrung – und ihr Erleben der Licht- und Finsterniskräfte wird immer deutlicher. Immer stärker wird ihr bewusst, dass sie diese Lichtkräfte, die sie schon immer wahrgenommen hat, in die Welt bringen will – und dass dies der einzige Weg in die Zukunft ist. Bis hin zur Erlösung der Gegenmächte geht ihre innige Sehnsucht. Auch an der Waldorfschule stößt ihre scheinbare ,Verweigerungshaltung’ auf Unverständnis und Ablehnung. Was sie dagegen zu sagen hat, will man nicht verstehen.

Mit ihrem Klassenbetreuer, der ihr aufrichtig helfen will, kommt es jedoch zu Diskussionen über die tiefen Themen, die Zoe beschäftigen – und er beginnt nun, dieses Mädchen zu begreifen und sich gleichzeitig tief in sie zu verlieben. Er begibt sich mit der ganzen Klasse auf einen völlig neuen Weg, der langsam in die Tiefe des eigentlich Menschlichen und des Erlebens und Verstehens der in der Seele wirksamen Licht- und Finsterniskräfte führen will.

Damit aber erreichen die Geschehnisse ihren dramatischen Höhepunkt. Denn der Geschäftsführer der Schule, der eine übergroße Macht an dieser hat, entdeckt das bedenklich enge Verhältnis zwischen Lehrer und Schülerin und setzt nun alles daran, den existenziell-pädagogischen Versuchen ein Ende zu setzen und auch die ,Störerin’, das Mädchen Zoe, loszuwerden.

Mit großer dramatischer Wucht und gleichzeitig zarter Innigkeit wirft dieser Roman gleich zwei entscheidende Fragen unserer Zeit auf: Wie kann die tote Intellektualität und zugleich die überstarke Selbstbezogenheit der heutigen Strukturen, Prozesse, der Seelen und ihrer Begegnungen durchbrochen und in Richtung des zutiefst Menschlichen geheilt werden? Und wieviel Nähe zwischen einem Lehrer und einer Schülerin ist überhaupt zulässig – und wer kann das beurteilen?

Und ganz grundsätzlich: Was geschieht mit den reinsten Menschheitskräften, wie sie sich in dem Mädchen Zoe offenbaren, in einer Welt wie der unsrigen? Können sie überhaupt überleben? Oder werden sie gnadenlos vernichtet? Wie weit sind wir vom wahrhaft Menschlichen bereits abgeirrt? Dieser Roman führt den Leser in aller Tiefe in diese existenziellen Fragen hinein.

Leseprobe 1


Als Zoe sich etwas beruhigt hatte, nun aber erst recht nur noch ein Häufchen Elend zu sein schien, sagte ihre Oma leise, in warmen, tröstenden Worten:

„Ach, Mädchen... Ich habe es ja schon einmal gesagt, Zoe... Dein Weg ist nicht mein Weg. Ich weiß es ja ... und du weißt es auch... Ich hatte gehofft, dass dir die Mathematik vielleicht auch so lieb werden könnte wie mir. Zumindest ein Lichtblick. Nichts Fremdes mehr – sondern das Gegenteil. Aber ... ich weiß auch, dass mir das Reich des Denkens viel vertrauter ist als dir. Und dass du viel, viel mehr im Fühlen lebst. Dass dies dein Reich ist... Und dass ,die Wege des Herrn unergründlich’ sind ... denn Er ist ja der Herr des Schicksals, Kind... Jeder Mensch ist einzigartig – und jeder Mensch hat seine Aufgabe. Niemand weiß das besser als ich, Zoe. Und niemand hat mir das, stets, tiefer offenbart als du – all diese Jahre lang...
Und wir leben in einer Welt, die das Denken – und zwar das tote Denken – zur absoluten Maxime erhoben hat. Und all die Denker haben in dieser Zeit keine Probleme, und auch die Willensmenschen nicht, denn der Egoismus oder überhaupt das ,Tatkräftige’ ist heute auch furchtbar angesagt. Aber die Gefühlsmenschen – die, die vor allem im Herzen leben ... denen geht es an den Kragen... Ihnen, ihnen fehlt sogar fast schon die Luft zum Atmen. Und du, Kind, du bist mehr als alle anderen so ein Mensch, so eine Seele...“

Noch einmal musste Zoe nachschluchzen.

Dann sagte sie jenes Wort, das Tom damals, als sie es das erste Mal gesagt hatte, fast das Herz zerrissen und ihm die Tränen in die Augen getrieben hatte:

„Eine Fehlplanung...“

„Ja ... so fühlt man sich dann“, erwiderte die alte Frau, „weil man nicht anders kann, wenn die ganze Welt einen dies empfinden lässt ... weil die ganze, die gesamte übrige Welt wie eine Fehlplanung funktioniert...“

Noch immer schien Zoe so zerbrechlich wie nur irgendetwas.

„Ich könnte mit dir üben, Zoe... Wir könnten es versuchen... Ob du nicht vielleicht doch auch eine Liebe für die Mathematik entdeckst. Einfach, weil dein Wesen sowieso aus Liebe besteht... Ich glaube noch immer, dass das möglich ist...“

„Ich glaube auch, dass das möglich ist, Oma...“, erwiderte das Mädchen leidvoll.

„Aber?“

Zoe sann lange nach. Schließlich sagte sie leise:

„Als ich ganz klein war, hast du mal gesagt, es kann nicht gleichzeitig Sommer und Winter sein...“

Ihre Oma musste fast lachen.

Daran erinnerst du dich noch!?“

Zu Tom gewandt sagte sie:

„Zoe hatte gefragt, warum nicht alle Jahreszeiten gleichzeitig da sein könnten, weil sie alle so lieb hätte... Das war Zoe...“

Dann wurde sie wieder still-ernst und sagte nach kurzer Pause wie zu sich selbst:

„Ja... Du kannst nicht ein ,gemischter König’ werden...“

„Was ist das?“, fragte Tom vorsichtig.

„Ach nichts...“, erwiderte ihre Oma. „Das ist nur eine Figur aus Goethes ,Märchen’...“

„Was rätst du mir, Oma?“, fragte Zoe jetzt leise.

„Ich weiß nicht, was ich dir jetzt noch raten kann, Kind ... wenn du deinen Weg selbst so sicher spürst... Ich kann dich höchstens immer wieder stärken... Wie siehst du denn deine Zukunft...? Ist da ein Bild...? Siehst du da etwas...?“

Tom hatte das Gefühl, dass Zoe noch einen Hauch mehr in sich zusammensank.

„Nein, Oma... Ich kann die Welt ja sowieso nicht verändern... Ich würde mir nur wünschen, dass niemand so leiden muss wie ich ... aber das ist ja fast schon dasselbe... Wenn die Welt so bleibt ... wird es ja auch immer so weitergehen...“

„Wenn nicht irgendwann die Seelen aussterben, Zoe ... die Seelen, die so sind wie du... Noch wirkliche Seelen...“

„Dann ... wäre ich am liebsten ,Seelenretterin’... Aber das gibt es ja nicht... Und ich kann ja nicht mal mich selbst retten...“

„Das tust du doch bereits, Kind! Du tust doch bereits seit einem Jahr und eigentlich schon dein ganzes Leben lang nichts anderes... Und du hast es doch sogar bis jetzt erfolgreich geschafft. Zoe ... du hast die gerettet, die du bist ... all die Jahre...“

„Aber jetzt hat die Oberstufe angefangen...“, sagte Zoe in leidvollem Sarkasmus. „Jetzt werden ,andere Saiten aufgezogen’...“

„Deswegen ist mir eines ganz deutlich, Mädchen. Du musst auf die Waldorfschule. Alles andere ist jetzt einfach Irrsinn. Vielleicht hast du dort Glück mit den Lehrern. Vielleicht hast du kein Glück. Vielleicht kannst du dort wieder ein wenig aufblühen – vor allem aber wirst du dort durchhalten können. Die Zeit überstehen. Das ist sicher. Ich werde dir dabei helfen.“

„Du meinst so etwas wie ... überwintern...?“

„Ja ... im schlimmsten Fall so etwas in der Art...“

...

Leseprobe 2


Eine Woche war Zoe krank, dann konnte sie wieder in die Schule gehen.

Als sie morgens im Zug saßen, sagte sie:

„Jetzt muss ich diese Woche bestimmt mein Referat nachholen...“

„Das macht doch nichts. Es dauert doch nur fünf bis zehn Minuten.“

„Ja, aber warum kann sie es denn nicht selbst erzählen? Warum müssen es die Schüler machen?“

„Weil sie eben auch reden lernen sollen... ,Vortragen’ und all das.“

„Ich kann doch reden. Aber ich will nicht vortragen. Und wieso wird man denn immer zu irgendwelchen Themen gezwungen...?“

Sie musste plötzlich an die Gegenmächte denken – auch sie waren ja gezwungen worden...

„Der ,Ernst des Lebens’ eben... Man wird ständig gezwungen.“

„Findest du das denn richtig?“

„Nein.“

„Aber dann geschieht doch schon in der Schule das Falsche...“

„Das sagt deine Oma doch auch.“

„Und trotzdem versucht sie immer wieder, mir zu helfen, es zu können... Auch gern zu haben, was ich da mache...“

Wenn man etwas gern macht, ist es ja auch gut so...“

„Ich würde vieles ja gern machen ... aber ich kann es trotzdem nicht...“

„Ja.“

„Ich versuche es ja...“

„Ja.“

Tom hatte großes Mitgefühl mit diesem Mädchen, das sich vielleicht mehr bemühte als jeder andere.

„Und wieso lernt man nichts über die Vögel...? Nichts über den wirklichen Wald. Nichts über den Herbst. Nichts über den Drachen. Nichts über seine Erlösung...?“

„Was meinst du?“

„Ich habe mit Oma vor einer Woche, als ich krank wurde, noch einmal über den Drachen und über die Gegenmächte gesprochen. Weißt du, wie die Gegenmächte entstanden sind?“

„Nein.“

„Aber das ist doch wichtig...“

„Warum?“

„Vielleicht wollten sie das nie sein...“

„Aber sie sind es doch.“

„Aber wenn auch sie gezwungen wurden?“

„Das kann ich mir nicht vorstellen.“

„Doch, frag meine Oma.“

„Hat sie das gesagt?“

„Ja, so ungefähr. Sie hat dann wieder einen kleinen Einwand gemacht. Aber in Wirklichkeit war es so...“

„Und was war der Einwand?“

„Dass niemand nur gezwungen wird. Und doch war es so. Diese bestimmten Engel sollten ja die Gegenmächte werden – und sie wurden es. Weil sie von den anderen zurückgewiesen wurden. Für mich sind die anderen ganz und gar schuld daran, dass die Gegen-Engel das wurden, was sie sollten. In der Schule werden ja auch alle, was sie sollen, und sind nicht schuld daran. Sie werden einfach gezwungen...“

„Also die Gegenmächte wurden nicht einfach so böse, weil sie das wollten, sondern sie wurden gezwungen, so zu sein?“

„Ja.“

„Das ist ja echt fies...“

„Es ist schrecklich, Tom! Stell dir das doch einmal vor! Diese Engel wollten nicht böse sein – aber sie mussten es... Stell dir vor, du müsstest ein durch und durch böser Mensch werden, weil du gezwungen wirst...“

„Ja, das kann man sich nicht vorstellen.“

„Siehst du – und nur bei diesen Engeln ist es allen egal!“

Tom schwieg recht betroffen.

Schließlich fing Zoe leise wieder an.

„Oma sagte ... zwei Jahrhunderte nach der Auferstehung von Christus gab es einen Mann, der im heutigen Irak geboren wurde und der eine Vision hatte, wie es ist mit den Gegenmächten und dem Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis. Und das sei eine wirkliche Weltreligion gewesen, weil er überall herumgereist sei, bis nach Indien. Und was er also lehrte, war, dass das Licht nicht gegen die Finsternis kämpft, sondern sich die einzelnen Funken in die Finsternis hineinopfern – und da sind sie dann, und sie heilen die Finsternis von innen...“

„Aha...“, sagte Tom noch ein wenig verständnis- oder ratlos. „Und was bedeutet das für den Drachen – oder die Gegenmächte?“

„Man muss sie lieben, Tom. Man muss sie einfach lieben...“

„Und dann?“

„Verstehst du denn nicht? Dann erinnern sie sich wieder an ihre eigentliche Sehnsucht ... dass sie eigentlich auch gut sind...“

„Und das funktioniert?“

„Nein, es ,funktioniert’ nicht, es ist notwendig! Es muss sein. Wir dürfen sie doch nicht alleinlassen! Verstehst du denn nicht?“

„Na ja...“, stotterte Tom fast. „Das ist ja ... ein bisschen viel auf einmal, ich meine... Wo sind denn die Gegenmächte? Ich weiß nicht mal, ob ich sie lieben könnte ... wie denn, ich meine ... aber ich weiß ja nicht mal, wo sie sind!

Nun schwieg auch Zoe leise ratlos – und versuchte, sich zu erinnern, was ihre Oma darüber gesagt hatte.

Schließlich sagte sie:

„Wo auch immer sie sind, Tom – sie müssen geliebt werden!“

Und so konnte nur sie sprechen. Er wusste es ja.

Er liebte sie ja...

...